Der früher umworbene Businesskunde hat ausgedient
Mobiles Internet kommt nur langsam in Schwung

Zunächst glaubten die Pioniere des mobilen Internets, die zahlungskräftigen Geschäftsleute wären ihre Zukunft. Doch heute wissen sie es besser. Vor allem Kinder und Jugendliche sehen das Handy als mobile Unterhaltungsmaschine, für die sie auch bereit sind Geld auszugeben. Eine Branche lernt um.

DÜSSELDORF. Viele Unternehmen in der Zulieferbranche rund um das mobile Internet schöpfen wieder Hoffnung: "Von Investitionskürzungen der Mobilfunknetzbetreiber merken wir nichts", meint Theodor Niehues, Chef der Net Mobile AG. "Die Nachfrage nach Inhalten für das mobile Internet und den entsprechenden technischen Lösungen steigt eher."

Zuversicht herrscht auch bei Alexander Samwer von Jamba, einem mobilen Internetportal: "Trotz der angespannten Situation wird eher mehr investiert in Bereiche, bei denen absehbar ist, dass man damit Geld verdienen kann." Das bestätigt auch Julian Riedlbauer, Vorstandsmitglied der Wapme Systems AG. "Die Projektanfragen nehmen zu."

Rund um das mobile Internet ist in den Boom-Jahren der Telekommunikation eine bunte Gründerszene entstanden, die in den vergangenen zwei Jahren jedoch wieder deutlich zusammengeschrumpft ist. Das Internet auf dem Handy entwickelte sich bei weitem nicht so schnell, wie erwartet.

Doch jetzt soll es wieder besser werden: "Es gibt Handys mit Farb-Display, so dass das mobile Surfen mehr Spaß macht," hofft Samwer. Auch hätten die Netzbetreiber endlich verstanden, dass sie die Inhalte-Zulieferer an den Umsätzen beteiligen müssten, damit diese auch gute Ideen lieferten.

Die wenigsten Anbieter setzen mittlerweile noch ausschließlich auf den Wap-Standard aus der Anfangszeit. Mit ihm war das Mobilsurfen umständlich und teuer. Geld bringen sollen jetzt die Nachfolger der ebenso simplen wie erfolgreichen Kurznachrichten SMS, im Fachjargon Premium SMS und MMS genannt. Große Hoffnungen werden auch auf Handy-Spiele gesetzt, die der Kunde - kostenpflichtig - herunterladen kann.

Unternehmen wie Net Mobile, Jamba oder Wapme Systems liefern die technische Infrastruktur, um all das zu verwirklichen und arbeiten dabei mit Inhaltezuliefern aus aller Welt zusammen. Spiele beispielsweise kommen vorzugsweise aus Japan oder Skandinavien, Musikangebote aus Großbritannien - Deutschland dagegen gilt nicht gerade als die Wiege für die Produktion von attraktiven Inhalten für das mobile Internet-Vergnügen.

Die Unternehmen haben ganz unterschiedliche Geschäftsmodelle. Net Mobile beispielsweise hält sich im Hintergrund. Das Unternehmen entwickelt Dienste und liefert die technische Plattform, kommt mit seinem Namen aber nirgendwo vor. Netzbetreiber wie T-Mobile und Vodafone vertreiben Net-Mobile-Produkte unter eigenen Namen. Ähnlich macht es auch Wapme Systems. Anders dagegen Jamba: Die Firma verkauft Spiele und Klingeltöne meist unter eigenen Namen. Auf vielen Handys ist Jamba.de als Startseite im mobilen Internet voreingestellt.

Trotz der Unterschiede sind die Unternehmen im Kern alle Konkurrenten. Da ist auch schon von Kampfpreisen die Reden, mit denen Jamba auf den Markt prescht. "Ja, wir sind aggressiv, das sehen wir als Kompliment. Man muss um jeden Auftrag kämpfen. Das Volumen ist schließlich entscheidend", sagt Samwer.

Doch das ist eher bescheiden. Die Umsätze bewegen sich im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich - wenn überhaupt welche da sind. Denn noch immer treten die Unternehmen häufig in Vorleistung für ihre Auftraggeber, in der Hoffnung, von künftigen Umsätzen zu profitieren. Eigentlich hatte sich dieses Prinzip nach dem Platzen der New-Economy-Blase überlebt, doch es fehlt die Alternative. "Man darf sich nicht allein auf die Umsätze von morgen verlassen", ahnt auch Riedlbauer.

Umsätze durch die neue Mobilfunktechnik UMTS, die das mobile Internet zu einem umsatzträchtigen Massenmedium machen und der Branche einen Schub geben soll, sehen Experten erst in zwei oder drei Jahren. Die Firmen haben sich darauf eingestellt: "In unseren Planungen kommt UMTS erst ab 2004 vor, nennenswerte Umsätze erwarten wir erst ein Jahr später", sagt Niehues.

Eine Erwartung aus der anfangszeit haben die Firmen inzwischen ganz begraben. Es sind nicht die Geschäftskunden, mit denen sich das mobile Internet zu einem Umsatztreiber aufschwingen wird. Niehues: "Es war ein Irrtum zu glauben, viele Leute würden den Aktienkauf oder die Reisebuchung per Handy erledigen. Das Handy ist in erster Linie ein Spaßgerät und Entertainment ist das, was nachgefragt wird."

Bekräftigt wird diese These von einer Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan. danach sollen die weltweiten Erlöse mit Spielen auf dem Handy-Display von derzeit 304 Mill auf mehr als 12 Mrd. $ im Jahr 2008 wachsen. Man soll die Hoffnung halt nie aufgeben.

Quelle: Handelsblatt

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