"Der Fussball macht Schluss"
Chaotische Zustände beim römischen Fußball-Derby

Die 154. Auflage des seit 75 Jahren zu den Höhepunkten des italienischen Fußballs gehörenden Duells der Erzrivalen SS Lazio und AS Roma wurde am Sonntagabend kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit abgebrochen, nachdem gewaltbereite Fans die Spieler massiv bedroht hatten.

HB ROM. Anschließend kam es außerhalb des mit 80 000 Zuschauern ausverkauften Olympiastadions zu Ausschreitungen zwischen Fans und Polizei. 153 Polizisten und 14 Fans wurden nach Angaben vom Montag verletzt. Die Polizei nahm 15 Personen fest.

"Lazio-Roma Schock", titelte das römische Sportblatt "Corriere dello Sport" kurz und bündig. "Rom, 22.00 Uhr. Der Fußball macht Schluss", formulierte die Mailänder "Gazzetta dello Sport" noch drastischer. "Das hat mich an Serbien erinnert. Die Zuschauer sollten künftig mit schusssicheren Westen ins Stadion kommen", kommentierte der serbische Lazio-Kapitän Sinisa Mihajlovic.

Tatsächlich haben sich in Rom beispiellose Dinge abgespielt, die die Zukunft des Fußballs in der Ewigen Stadt in Frage stellen. Während der Halbzeitpause wird das Gerücht in Umlauf gebracht, ein junger Roma-Fan sei vor dem Stadion von einem Polizeiauto überfahren worden. Kurz nach Wiederbeginn beginnen aus der Roma-Kurve "Mörder, Mörder"-Rufe zu erschallen. Die Lazio-Fans schließen sich der allgemeinen Empörung sofort an, Leuchtraketen fliegen von allen Seiten aufs Spielfeld. Schiedsrichter Rosetti unterbricht das Spiel in der 47. Minute, während der Stadionsprecher mehrmals eine Mitteilung der Polizei verliest, wonach das Gerücht jeder Grundlage entbehrt.

Doch die Fans schenken dem keinen Glauben und setzen ihre Proteste fort. Roma-Fans, die auf ungeklärte Weise aufs Spielfeld gelangt sind, beginnen auf Roma-Kapitän Francesco Totti einzureden. Später heißt es, sie hätten die Spieler massiv bedroht und mit einer Invasion des Spielfelds gedroht. Die Spieler sind geschockt, wollen in die Kabine. Der Schiedsrichter will auf Anraten der Sicherheitsbehörden das Spiel hingegen wieder anpfeifen, doch die Spieler weigern sich. Letztlich telefoniert der Referee mit Liga-Chef Adriano Galliani, der den Abbruch anordnet.

Die Fans verlassen das Stadion, es kommt zu Guerilla-ähnlichen Szenen außerhalb des Stadions. Die Polizei setzt massiv Tränengas ein, um die Revolte zu stoppen. Die Ermittler beschuldigen sofort die Fanclubs, hinter dem Abbruch-Skandal zu stehen. Sie vermuten ein abgekartetes Spiel und wollen herausfinden, welche Interessen damit verfolgt wurden. Der Schiedsrichter und die beiden Mannschaftskapitäne wurden bis in die frühen Morgenstunden des Montag befragt.

Roms Fußball droht im Chaos zu versinken. Die Liste der finanziell maroden Clubs führen just Lazio (fast 500 Mill. Euro Schulden) und Roma (rund 350 Mill.) an. Sie stehen vor dem Bankrott, sollten nicht potente Gönner einspringen. Die UEFA könnte sie schon in wenigen Tagen für die internationalen Bewerbe sperren.

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