Der geborene Wiener ist Vorstandschef der Singulus Technologies AG: Roland Lacher: Der Ehrenretter des Neuen Markts

Der geborene Wiener ist Vorstandschef der Singulus Technologies AG
Roland Lacher: Der Ehrenretter des Neuen Markts

Sie sind smart, unerfahren und größenwahnsinnig. Soweit die Vorurteile über Vorstände von Firmen am Neuen Markt. Roland Lacher ist anders - und deshalb erfolgreich.

Viele Manager träumen von der großen Freiheit. Viele Ex-Vorstände von Firmen des Neuen Marktes haben sie gefunden. Mit unsauberen bis illegalen Methoden haben sie sich frei gemacht vom Zwang zur Arbeit. Für Roland Lacher, Vorstandschef der Singulus Technologies AG, bedeutet Freiheit jedoch etwas ganz anderes: Eine 60-Stunden-Woche, große Verantwortung und Entscheidungsdruck.

Sein Leben als "angestellter Industriesklave", in dem er sich manchmal dabei erwischte, "die Zeit bis zur Rente auszurechnen", hat der in Wien geborene und im Rheinland aufgewachsene 59-Jährige vor knapp sieben Jahren hinter sich gelassen. Als Triebfeder seiner Karriere hat er "mangelnde Toleranz gegenüber Fehlentscheidungen von Vorgesetzten" ausgemacht.

Damals, 1995, sollte Lacher das Geschäft mit Metallbeschichtungen der Hanauer Leybold AG verkaufen, einen Teil des Bereichs, den er zuvor geleitet und wieder profitabel gemacht hatte. Doch statt sein "Baby" zu veräußern, wechselte der studierte Maschinenbauer und Opernfan während der Verhandlungen von der Verkäufer- auf die Käuferseite. Eine Finanzgruppe hatte ihm den Posten als Geschäftsführer angetragen und seine Bedingungen erfüllt - ihn am Unternehmen zu beteiligen und seinen Mitstreiter Reiner Seiler mit ins Boot zu nehmen. Die Verwandlung vom "Sklaven zum Unternehmer", wie Lacher sagt, war perfekt.

Kleine Schritte statt spekatulärer Knalleffekte

Mit 53 Jahren starteten er und seine Mitstreiter das Projekt Singulus in Kahl am Main - mit 30 Leuten und unsicherer Zukunft. Das Risiko hat sich gelohnt. Im laufenden Jahr wird der Weltmarktführer von Produktionsanlagen für optische Speichermedien wie CD oder wiederbeschreibbare DVD mehr als eine viertel Milliarde Euro umsetzen. Die Mitarbeiterzahl liegt bei rund 500, der Aktienkurs hat sich seit der Emission mehr als verdoppelt.

Singulus ist über die Jahre solide gewachsen, die Akquisitionspolitik zeichnete sich durch kleine Schritte statt spektakulärer Knalleffekte aus. Dass ihm andere am Neuen Markt lange die Schau gestohlen haben, hat Lacher nicht berührt: "Ich habe oft erlebt, dass es anderen kurzfristig besser ging."

In die Öffentlichkeit drängte der Vater dreier erwachsener Kinder erst, als der Schmutz der Skandale alles andere am Neuen Markt zu verschütten drohte: Er dachte laut darüber nach, das Börsensegment zu verlassen, und übte so wohldosierten Druck aus. Dass dort, wo viel Geld im Spiel ist "ein paar Scharlatane einen kometenhaften Aufstieg schaffen und sich bereichern", sieht er als normale Geburtswehen des jungen Marktes an. Aber Lacher sah auch viele "wie Kometen aufsteigen" und als "Sternschnuppe verglühen".

Bodenhaftung nicht verloren

Jetzt seien nach Euphorie und Skandalen wieder Tugenden gefragt, die er für sich beansprucht: Führungsstärke und Integrität. Dass es zu seinem Verständnis von Führung gehört, die Richtung vorzugeben - "in konzeptionellen Fragen gibt es bei mir keine Demokratie" - legitimiert er durch seinen "Fanatismus in der Sache" und manchmal schlicht durch den Glauben, "dass ich es besser weiß".

Daher stört es ihn auch nicht, wenn ihm seine Angestellten einen straffen, zuweilen autoritären Führungsstil nachsagen. Gerechtigkeit und Gleichbehandlung gehen bei Lacher über Mitbestimmung. Aus seiner Sicht steht die dezentrale Entscheidungsstruktur bei Singulus dazu nicht im Gegensatz. Die niedrige Fluktuation bei Singulus bestärkt den Vorstandschef darin, seine Linie beizubehalten.

Trotz des Erfolgs hat Lacher den Kontakt zum Boden nicht verloren. Dafür sorgen auch bittere Erfahrungen aus der Vergangenheit, wie ein Konkurs, den er als Manager erlebte: "Es ist aufschlussreich, zu sehen, wie sich Menschen verhalten, wenn man oben ist und wenn man auf den Boden fällt."

Der Traum von der großen Freiheit

Dass Lacher auch in der Lage ist, sich unterzuordnen, beweist der Golfspieler außerhalb der Firma - als Mitglied eines Posaunenchors. Dort ist er der Älteste. Doch die Zeit bis zur Rente rechnet Lacher längst nicht mehr aus, auch weil er materiell abgesichert "nur noch aus Spaß arbeitet". Nur selten beschleiche ihn die Angst, "ins Gras beißen zu müssen, bevor ich ernten kann".

Denn einen Traum hat er noch: Mit Freunden in zwei Jeeps die Wüste zu erobern, einfach dort zu bleiben, wo es ihm gefällt, Zelt und Schlafsack statt Geschäftshotel - also doch einmal die ganz andere, große Freiheit zu erleben.

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