Der gebürtige Slowake ist Filmproduzent und Ex-Kirch-Manager
Filmenthusiast und Rechenkünstler

Jan Mojto, früher stellvertretender Chef von Kirch Media, hat den Neuanfang geschafft. Als Filmproduzent setzt er mit aufwendigen TV-Streifen neue Maßstäbe in der Branche.

DÜSSELDORF. Auf der Sonnenterrasse des Grand Hotels an der Croisette schwärmt Jan Mojto von seinen Fernsehplänen. Hier, in Cannes, ist für den Grandseigneur der deutschen TV-Branche der richtige Ort, um über teure Produktionen zu verhandeln. In der südfranzösischen Stadt trifft sich die TV-Branche im Frühjahr und Herbst, um Millionen-Deals einzufädeln. Der Mann mit dem vornehm ergrauten Haar kennt alle Großen im Geschäft, und sie kennen ihn.

Jahrzehntelang war der gebürtige Slowake der Botschafter von Leo Kirch in der Filmbranche. Vor der Pleite seines Medienkonzerns gehörte Kirch und seine damalige rechte Hand Mojto zu den ehrgeizigsten Produzenten in Europa. So stellte das Duo das größte TV-Projekt der Fernsehgeschichte auf die Beine: Die Bibel. Zwischen 1993 und 2001 wurden 21 Teile mit Stars wie Dennis Hopper oder Klaus-Maria Brandauer verfilmt. Da mutet es wie Ironie an, dass der letzte Teil, "Die Apokalypse", gerade noch rechtzeitig vor dem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe fertig gestellt wurde.

Doch nach 22 Jahren hat sich Mojto von seinem Förderer Kirch verabschiedet. Bereits seit diesem Januar versucht er sich selbst als Filmunternehmer. Mit seiner in München ansässigen Produktionsfirma EOS (Events-on-Screen) Entertainment entwickelt der 54-Jährige große internationale Fernsehproduktionen. Er nutzt seine Kontakte aus der Kirch-Zeit. So zählt er Gerard Depardieu zu seinen Freunden. Mit dem Filmstar plant er eine mehr als 20 Millionen Euro teure Neuverfilmung des "Glöckners von Notre Dame".

Nach seiner Trennung von Kirch wirkt Mojto erleichtert. Vielleicht, weil er endlich die Konsequenzen aus einer Entwicklung zog, die sich schon lange abgezeichnet hatte. Denn mit dem Aufstieg von Dieter Hahn Ende der neunziger Jahre begann Mojtos Abstieg am Hofe von Filmkönig Leo Kirch in Ismaning. Doch er blieb zunächst.

Geblieben ist auch die unbedingte Loyalität zu Kirch. Noch heute spricht Mojto mit Bewunderung von seinem früheren Arbeitgeber. Ihm hat er seine Karriere zu verdanken. Kirch brachte die Risikobereitschaft mit und Mojto die Kreativität - ein ideales Tandem.

Beide verbindet ihre charmante, manchmal selbstironische Art und ihr Understatement. Mojto ist wie Kirch niemand, der öffentliche Auftritte vor großem Publikum mag. Er zieht es vor, im kleinen Kreis zu reden und zu verhandeln. Er ist nicht der Typ des Medienmanagers, der sich an Vertragsklauseln und Organigrammen delektiert. Der studierte Literaturwissenschaftler liebt seine Stoffe, seine Schauspieler und seine Autoren. Zu einem seiner Lieblingsstreifen zählt der Film "Martha und ich" des Regisseurs Jirí Weiss. Das Drama erzählt die Geschichte eines vermögenden jüdischen Arztes (Michel Piccoli), der zurzeit des Nationalsozialismus eine mittellose Sudetendeutsche (Marianne Sägebrecht) heiratet.

Zu Mojtos Netzwerk gehören und gehörten viele Autoren, auch die verstorbene Astrid Lindgren. So schaffte er es, die schwedische Schriftstellerin davon zu überzeugen, Pippi Langstrumpf als Zeichentrick-Kinofilm und als Serie von Kirch Media verfilmen zu lassen.

Das Filmgeschäft hat er von der Pike auf gelernt. Bereits 1977 kam Mojto als Drehbuchlektor zu Kirch. Davor arbeitete er als Journalist mit den Schwerpunkten Film, Theater und Literatur. Mojto, der mit einer österreichischen Adeligen verheiratet ist, profitierte in seiner Karriere auch von seinem Sprachentalent. Mit seinen Geschäftspartnern in Rom, Madrid oder Paris verhandelt er souverän in ihren Landessprachen.

Mojto ist nicht nur ein Intellektueller, sondern vor allem ein Mann der Zahlen. "Allein mit Idealen funktioniert das Geschäft nicht", sagt eine Mitarbeiterin über ihn. Die Wirtschaftlichkeit eines Projektes verliert er nie aus den Augen. Mojto, der für Kirch so manchen TV-Rechte-Deal beim Fußball eingefädelt hat, versteht es geschickt, mit Banken und Investoren zu verhandeln.

Derzeit ist er in Europa unterwegs, um mehr als 40 Millionen Euro für drei große internationale Produktionen einzusammeln. Und weitere Projekte liegen bereits in der Schublade. Das Geld bei den Kunden, den TV-Sendern, ist derzeit jedoch äußerst knapp. Aber in der Branche zweifelt kaum jemand daran, dass der Kirch-gestählte Medienmanager wieder erfolgreich sein wird. Bislang hat den großen Literaturfan und knallharten Rechner das Gespür für den Markt noch nie verlassen.

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VITA

Am 13. Mai 1948 in der Slowakei geboren, studiert Jan Mojto Literaturwissenschaften und Geschichte in Bratislava und München und macht seinen MBA in Fontainebleau. Er arbeitet als Journalist und geht 1977 zu Kirch, wo er zuletzt, bis Dezember 2001, bei der Kirch Media GmbH & Co. KGaA als stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung für den Programmbereich verantwortlich war. Heute ist er Inhaber der TV-Produktionsgesellschaft EOS Entertainment.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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