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Der gefährlichste Mann Amerikas

Auch unrechtmäßig oder auf unmoralischem Weg erworbenes Geld erfüllt seinen Zweck - diese Ansicht vertrat zumindest der römische Kaiser Vespasian. "Geld stinkt nicht", belehrte er seinen pikierten Sohn, nachdem der Vater sich nicht zu fein dafür war, die öffentlichen Bedürfnisanstalten mit einer Steuer zu belegen. Doch von den "guten, alten Zeiten" können die Mächtigen dieser Erde bestenfalls noch träumen.

Heute wissen sie genau: Möglicherweise geht vom unrechtmäßig erworbenem Geld ein Geruch aus, der dann für jede Menge Ärger sorgen kann - zumindest wenn Spürhund Ralph Nader die Fährte verfolgt. Der amerikanische Verbraucherschützer - genau so verhasst wie verehrt - kämpft bereits seit Mitte der sechziger Jahre verbissen gegen das Big Business an.

Die mächtigen Herrscher im Cyberspace, die Betreiber der Suchmaschinen und Web-Kataloge, hätten also gewarnt sein können, bevor sie sich nach Ansicht des konservativen Kolumnisten Thomas Sowell den "gefährlichsten Mann der USA" zum Feind machten. Doch statt dessen wollten sich die Betreiber wohl lieber selbst davon überzeugen, dass ihre eigene Welt so wohlgeordnet ist wie in Grimms-Märchen. In der Rolle der Guten: Die Betreiber der Suchmaschinen als unabhängige Informationsportale, die nach streng geheimen Formeln Trefferlisten erstellen. Damit wollen sie nach eigenen Angaben dem Verbraucher helfen, sich einen Weg durch das Chaos von über 4 Milliarden Web-Seiten zu bahnen. In der Rolle des Bösen: Spezialisierte Agenturen, die die Funktionsweise der Suchsoftware ausspionieren, um die Internet-Seiten ihrer Kunden zu optimieren. "Das ist Manipulation", empören sich viele Suchmaschinen-Betreiber lautstark.

Aber sie sollten Pech haben - ihr Getöse schreckte ausgerechnet Verbraucheranwalt Nader auf. Er fühlte sich provoziert, die angeblich Tugendhaften auf die Probe zu stellen und brauchte wohl nicht lange zu suchen, bis sich sein Verdacht erhärtete. Schließlich räumen sogar Branchen-Kenner wie Excite-Sprecherin Isa Falckenberg ein: "Unter der Hand verkaufen Konkurrenten ihre Treffer." Und auch Thomas Wulff, bis vor wenigen Wochen Chef von Beate Uhse New Media, weiß: "Wer für 50 000 Mark Werbung im Monat bucht, ist natürlich besser positioniert als andere." Das hört sich - ganz im Sinne der Verbraucher - wenig tugendhaft an. Ob der Vorwurf einer käuflichen Rankingposition bei Suchmaschinen wie MSN, Netscape, Direct Hit, Hotbot, Lycos, Altavista, Looksmart und iWon zutrifft, überprüft derzeit die US-Kartellbehörde FTC (Federal Trade Commission).

Simone Wermelskirchen
Simone Wermelskirchen
Handelsblatt / Redakteurin
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