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Der gelbe Riese führt

Das Rennen um die begehrten Plätze im Deutschen Aktienindex (Dax) geht auf die Zielgerade. Die Post hat die Nase deutlich vorn. Aber auch bei den Nebenwerten und am Neuen Markt werden die Karten neu gemischt.

Ein Platz im Olymp des Deutschen Aktienmarktes verspricht jede Menge Prestige. Aber das ist lange noch nicht alles. Denn wer zum exklusiven Klub der 30 Dax-Werte gehört, darf sich der Aufmerksamkeit der großen institutionellen Investoren sicher sein. Häufig genug profitiert auch der Aktienkurs der Aufstiegskandidaten. Grund: Fonds und Vermögensverwalter, die sich mit ihren Investitionen an der Zusammensetzung des wichtigsten deutschen Marktbarometers orientieren, müssen die Papiere der Neueinsteiger zukaufen, um den Index in ihren Portfolios korrekt nachbilden zu können.
Jetzt hat die Deutsche Post nach ihrem Mammut-Börsengang die große Chance, in den Dax aufzurücken. Die endgültige Entscheidung fällt am 14. Februar der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse auf Basis der so genannten Rennliste für den Monat Januar. Die Rennliste führt jeden Monat die in den Indizes vertretenen Unternehmen geordnet nach Umsatz und Börsenwert auf. Zwar steht die nächste reguläre Überprüfung des Dax erst im August an, doch die Post hat sich in puncto Börsenumsatz und Marktkapitalisierung im Januar unter die größten 25 deutschen Aktien geschoben und sich damit für einen Aufstieg außer der Reihe qualifiziert. Auch wenn es sich dabei um eine "Kann-" und keine "Muss-Regel" handelt, zweifelt die große Mehrheit der Analysten nicht daran, dass die Post ab Mitte März in die Bel-Etage des Aktienmarktes einzieht. "Es gibt keinen plausiblen Grund, dem Konzern einen Platz im Dax zu verweigern", meint beispielsweise Stephan Appelhans, Indexexperte bei Dresdner Kleinwort Wasserstein.
Mit allzu großen Kursgewinnen der "Aktie Gelb" sollten die Anleger dennoch besser nicht rechnen. "Die Post gilt bereits seit ihrem Börsengang im November als heißer Kandidat für den Dax", erläutert Carsten Hilck von der Fondsgesellschaft Union Investment. Viele Anleger hätten deshalb ihre Positionen bereits angepasst. Unmittelbar nach Veröffentlichung der Januar-Rennliste kletterte die "Aktie Gelb" zwar auf ein neues Rekordhoch von 24,78 Euro, konnte dieses Niveau aber nicht halten.
Während der Aufstieg der Post für die meisten Experten schon so gut wie fest steht, sorgt der Abstiegskampf für echte Spannung. Für den Bonner Konzern müsste der "kleinste" Dax-Wert seinen Platz räumen. Hier haben Adidas-Salomon und Karstadt-Quelle die schlechtesten Karten in der Hand. Blickt man auf die Kurse, dann sieht es so aus, als würde Adidas das harte Los treffen. Die Aktie des Sportartikelkonzerns verlor in der vergangenen Woche rund sieben Prozent an Wert. Für Karstadt ging es dagegen im selben Zeitraum um mehr als zwei Prozent aufwärts. Doch es gibt zumindest ein gewichtiges Argument, das gegen den Handelskonzern spricht: die geringe Zahl frei handelbarer Aktien. Mitte 2002 will die Deutsche Börse in ihren Marktbarometern nur noch den Streubesitz berücksichtigen. Da nur 36 Prozent der Karstadt-Aktien frei handelbar sind, käme der Konzern dann nur noch auf ein Drittel seiner heutigen Kapitalisierung. Bei Adidas liegen dagegen 90 Prozent der Anteile in Streubesitz. Während Hilck deshalb auf Karstadt als Absteiger tippt, sieht Appelhans den Schwarzen Peter bei Adidas.
Bewegung kommt auch in die Indizes für die Nebenwerte, M-Dax und S-Dax und den Nemax-50 für den Neuen Markt. Allerdings bewegen diese Umschichtungen die Gemüter weniger als die Frage, wer in den Dax kommt. Je kleiner die Werte werden, desto weniger orientieren sich Fonds und Vermögensverwalter an den Indizes. Bei den "Kleinen" und am Neuen Markt geht es vor allem um die gezielte Auswahl attraktiver Einzeltitel.
Im M-Dax hat der Finanzdienstleister AWD gute Aufstiegschancen. Daneben dürfen sich Stada Arzneimittel, Norddeutsche Affinerie und Salzgitter Hoffnungen machen. Am Neuen Markt gelten Lambda Physik, SAP SI und Morphosys als Favoriten für den Aufstieg in den Nemax-50.

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