Der gelernte Journalist ist der Chef des Online-Buchhändlers Booxtra
Klaus Driever: Verblüffend erfolgreich

Ein Lob vom Chef des Axel Springer Verlags bekommt Klaus Driever nicht jeden Tag. Der 36-Jährige hat sich deshalb ganz besonders gefreut, als Mathias Döpfner den Augsburger Online Booxtra GmbH-Buchhändler & Co. jüngst im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" als gelungenes Beispiel der Internet-Strategie von Springer bezeichnete.

Was Döpfner in dem Interview verschwieg: Booxtra ist nicht etwa eine alleinige Springer-Tochter. Vielmehr ist der Berliner Zeitungsverlag nur mit einem Viertel an dem Internet-Buchhändler beteiligt. Den Rest teilen sich die Telekom-Tochter T-Online, die Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe, zu der auch das Handelsblatt gehört, sowie der Augsburger Weltbild Verlag.

Das katholische Verlagshaus ist der eigentliche Arbeitgeber des groß gewachsenen Mannes: Neben seinem Engagement als Booxtra-Chef kümmert sich Driever im Weltbild-Vorstand um das Zeitschriften-Geschäft und die Online-Aktivitäten.

Springer-Boss Döpfner erwähnte Booxtra vor allem deshalb, weil das kleine Unternehmen seit vergangenem Sommer schwarze Zahlen schreibt. Und das nur zwei Jahre nach der Gründung. Dass eine Firma im Internet-Handel Geld verdient, ist noch immer die große Ausnahme. Booxtra-Macher Driever hat freilich eine einfache Erklärung für seinen Erfolg: "Wir haben ein kleines Team von Experten, die richtige Infrastruktur und bieten ein attraktives Buch-Programm."

Mit nur acht Mitarbeitern hat der promovierte Politikwissenschaftler im vergangenen Jahr rund 10 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet und den Vorjahreswert damit glatt verdoppelt. Im laufenden Jahr soll es möglichst genauso weitergehen.

Auf viele Millionen teure Werbekampagnen wie bei der Konkurrenz musste der gebürtige Emsländer dabei ebenso verzichten wie auf üppige Einnahmen aus einem Börsengang. "Wir hatten Grundinvestitionen von fünf Millionen Euro", gibt sich Driever bescheiden. Dass das knappe Budget der Expansion nicht geschadet hat, zeigt die Übernahme der insolventen Münchener Mediantis AG im Herbst des vergangenen Jahres. Das am Neuen Markt gelistete Unternehmen, das ursprünglich unter dem Namen Buecher.de firmierte, hatte innerhalb von zwei Jahren den gesamten Erlös aus dem Börsengang von 70 Millionen Mark verbraucht.

Der gelernte Journalist Driever hat das Kerngeschäft Internet-Buchhandel nun unter dem alten Namen in Booxtra integriert, ohne auch nur einen einzigen Mitarbeiter neu einzustellen. Inzwischen fließen die Umsätze aus Buecher.de. Und Driever ist überzeugt, dass sich die rund drei Millionen Euro teure Übernahme gelohnt hat.

"Überschaubare kleine Teams" sind für den ehemaligen Volontär der Kirchenzeitung des Bistums Trier ein zentrales Element seiner Arbeit. Nicht auf die Zahl der Leute kommt es dem früheren Online-Chef des privaten Fernsehsenders Pro Sieben an, sondern auf deren Kreativität. So ging Booxtra im Weihnachtsgeschäft vor zwei Jahren mit der Kanzlergattin auf Kundenfang: Doris Schröder-Köpf las online die Weihnachtsgeschichte vor. Schon bei Pro Sieben hatte Driever als Erster die Idee, das Münchener Oktoberfest live im Internet zu übertragen.

Was die eigene Mannschaft nicht selbst machen kann, wird bei Booxtra ausgelagert: Von der Logistik bis zu den Rechnern besorgen Fremdfirmen fast alle Dienstleistungen. Nur bei der Buchauswahl lässt sich Driever von niemandem helfen: "Wir müssen unsere Kunden immer wieder überraschen."

Wenig kreativ zeigt sich der Norddeutsche nur in seiner Freizeit: "Joggen, ein bisschen Sport, ebendas, was alle Manager machen", umschreibt der verheiratete Vater von zwei kleinen Kindern seine Aktivitäten. Obwohl die Berge nicht weit von Augsburg entfernt sind, sei er in den Weihnachtsferien zum ersten Mal auf Skiern gestanden. Doch Driever zog seine Runden nicht in den nahen Alpen, sondern im Schwarzwald - aus alter Liebe zum Studienort Freiburg.

Zumindest am Wochenende hat der jugendlich wirkende Internet-Macher immer viel Zeit für Sport: Im katholischen Weltbild Verlag wird am Sonntag auf keinen Fall gearbeitet.

"Unsere Kunden", fügt Driever verschmitzt hinzu, "können natürlich an jedem Tag einkaufen."

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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