Der gelernte Jurist stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Finanzchef der BASF AG
Max D. Kley: Mehr Unternehmer als Zahlenjongleur

Der zweite Mann des Chemiekonzerns BASF denkt schnell und unkonventionell. Als Finanzvorstand übt er so auch starken Einfluss auf das operative Geschäft aus.

Es wird nun doch nicht sein letzter großer Auftritt sein: Wie seit zwölf Jahren wird Max Dietrich Kley am Donnerstag die Geschäftszahlen der BASF AG präsentieren und versuchen, die Stärke des Ludwigshafener Chemiekonzerns ins rechte Licht zu rücken. Die Bilanz fällt gewiss nicht so gut aus wie erhofft, der Finanzvorstand und stellvertretende Vorstandsvorsitzende mag sich aber damit trösten, dass er wohl auch im kommenden Jahr noch einmal vor Medien und Analysten treten kann, um das Zahlenwerk zu erläutern.

Noch vor wenigen Monaten hatte Kley im Kreis von Journalisten selbst Spekulationen genährt, er werde vorzeitig aus dem Vorstand ausscheiden, um den im kommenden Jahr anstehenden Führungswechsel zu entzerren. Nur wenig später stellte er jedoch klar, er werde seinen Vertrag erfüllen und zeitgleich mit Vorstandschef Jürgen Strube zur Hauptversammlung 2003 die Kommandobrücke verlassen.

Die Episode passt zu Kley. Der gebürtige Berliner entwickelt seine Ideen nicht nur im Stillen. Mitunter gefällt es ihm, die Reaktion der Öffentlichkeit zu testen. Was Medienvertreter an ihm so schätzen, treibt den BASF-Pressesprechern zuweilen den Schweiß auf die Stirn. Als Kley vor einigen Jahren etwa darüber sinnierte, die BASF-Pharma-sparte als "Akquisitionswährung" zu nutzen, schlugen die Wogen in Ludwigshafen hoch.

Kley mischt auch im operativen Geschäft mit

Kleys Bereitschaft, unkonventionelle Strategien zu entwickeln, entspricht dem Selbstverständnis eines unternehmerisch denkenden Managers. Von Anfang an war klar, dass sich der BASF-Finanzchef nicht auf die Rolle des Zahlenjongleurs beschränken würde. Ebenso wie Strube gelernter Jurist, entfaltete Kley auch operativ stets starken Einfluss im BASF-Vorstand. So vor allem im Bereich Öl und Gas, den er seit langem leitet und der zurzeit mehr als die Hälfte des BASF-Gewinns erwirtschaftet und damit den Konzern zumindest teilweise von der schwachen Chemiekonjunktur abschirmt. Seit drei Jahren wird seine Rolle als zweiter starker Mann im BASF-Vorstand durch die Funktion des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden untermauert.

Kley, dem eine Vorliebe für schnelle Firmenwagen nachgesagt wird, schreitet auch als Manager gerne etwas zügiger voran, als es das Umfeld erlaubt. Anders als der "Kopfmensch" Strube sei er auch schon mal bereit, aus der Hüfte zu schießen, berichten Mitarbeiter der BASF. Sein Versuch etwa, die Rezession der frühen 90er zu nutzen, um einige alte Zöpfe bei den BASF-Sozialleistungen zu stutzen, provozierte seinerzeit erbitterte Demonstrationen der Belegschaft. Einige Jahre später ging er mit dem Vorhaben, die Tochter BASF-Magnetics an ein kleines türkisches Unternehmen zu veräußern, ebenso forsch voran - und musste wenig später zurückrudern.

Widerstände haben den Finanzchef indes nicht daran gehindert, immer wieder neue Anstöße zu geben und die Modernisierung der BASF voranzutreiben. Viele seiner Ideen setzten sich am Ende doch durch. Magnetics etwa wurde schließlich ebenso verkauft wie die Pharmasparte.

Netzwerk vom Feinsten

Gleiches gilt für seine Finanz- und Aktienstrategie. Analysten schätzen Kley als Ansprechpartner, der weiß, worauf es in der Finanzwelt ankommt und der die BASF-Aktie auch für angelsächsische Investoren interessant gemacht hat. Gefördert hat er den BASF-Titel nicht zuletzt mit dem ersten großen Aktien-Rückkauf-Programm in Deutschland. Dabei hat Kley durchaus nicht nur die eigene Aktie im Blick. Als Präsident des Deutschen Aktieninstituts und wichtiger Impulsgeber hat er maßgeblichen Einfluss auf die Reform des deutschen Aktien- und Börsenrechts genommen.

Wenn Kley etwas bewegen will, kann er auf ein großes Netzwerk an Kontakten zurückgreifen. Seine Verbindungen reichen in die Industrie, in die Bankenwelt und auch in die Politik. Mitunter mag ihm auch der direkte Draht im Familienkreis schon weiterhelfen. Der Sohn eines Siemens-Vorstandes ist gewissermaßen in der Industriewelt groß geworden. Und seine drei Brüder, darunter Lufthansa-Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley, sind ebenfalls Topmanager oder Unternehmer.

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