Der gelernte Maschinenbauingenieur ist Headhunter für Spitzenmanager
Der schweigsame Netzwerker

Er ist bereits 76 und immer noch groß im Geschäft. Rolf van Emmerich ist stets am Ball, wenn Top- Manager gesucht werden. Für VW holte er den neuen Finanzvorstand.

DÜSSELDORF. Bei anderen sickert immer etwas durch. Mal plaudert ein Aufsichtsratsmitglied, mal flüstert einer der umworbenen Manager, mal brüstet sich ein Personalberater mit seinem wichtigen Auftrag. Nicht so bei Rolf van Emmerich. Der Headhunter aus Mülheim an der Ruhr hält dicht. Oft gibt er nicht einmal den Namen seines Auftraggebers gegenüber seinen Top-Kandidaten preis.

So erfuhr die Öffentlichkeit auch nicht, dass VW-Chef Bernd Pischetsrieder bereits seit geraumer Zeit van Emmerich nach einem Nachfolger für den Ende 2003 ausscheidenden Finanzvorstand Bruno Adelt fahnden ließ. Erst am Tag, an dem der Aufsichtsrat zu entscheiden hatte, drang die Nachricht nach außen, dass Hans-Dieter Pötsch von der Dürr AG nach Wolfsburg wechselt.

Warum haben die Führungskräfte zu van Emmerich mehr Vertrauen als zu manchem anderen? "Vielleicht liegt das an meinem Alter", sagt der 76-jährige, hoch gewachsene Mann im dunkelblauen Dreiteiler und lächelt charmant. Vielleicht.

Vermutlich liegt es eher an dem Netzwerk, das der gelernte Maschinenbauingenieur in mehr als vier Jahrzehnten geknüpft hat. Seit er sich vor gut zwei Jahren selbstständig gemacht hat, steuert er sein Geschäft von einem kleinen Büro aus, das ganz diskret in einem ruhigen Mülheimer Wohnviertel liegt, direkt neben seinem Privathaus.

In seinem langen Beraterleben hat er zahllose Konzernlenker persönlich kennen gelernt. Er spielt Golf mit den Chefs der Deutschland AG, trifft sie bei den Salzburger Festspielen oder auf ähnlich exklusiven Veranstaltungen und ist sogar Gast auf ihren Geburtstagsfeiern.

"Meine Babys" nennt er fast zärtlich jene gestandenen Männer, deren Karrieren er eingefädelt hat und die er oft jahrelang als Coach begleitet. Einer davon ist Hartmut Mehdorn, den van Emmerich von Heidelberger Druck an die Spitze der Deutschen Bahn gelotst hat. Oder Ex-Thyssen-Chef Dieter Vogel. Van Emmerich hat ihn als 32-jähriges Talent entdeckt und vom Bodenbelag-Hersteller Pegulan (heute Tarkett-Sommer) zu dem Düsseldorfer Stahlriesen gelockt.

Und er steht zu seinen "Babys" auch dann, wenn sie ohne Fortüne geblieben sind. So etwa zu Hajo Schmiedeknecht, den er auf den Chefsessel des Oberhausener Industriekonzerns Babcock gehoben hatte. "Er hat einfach Pech gehabt", verteidigt van Emmerich den gescheiterten Manager.

Pech hatte auch er selbst, als er in einer Eilaktion nach einem Mann fahndete, der bei Babcock kurz vor der Insolvenz in die Bresche springen sollte. "Schon nach vier Stunden hatte ich die Zusage des Kandidaten", erzählt er stolz. Doch der Deal platzte, weil die Banken das Sanierungskonzept nicht billigen wollten. Da habe er keine Rechnung schreiben können. "Babcock ist doch seit 30 Jahren mein Kunde."

Van Emmerich kann es sich leisten: Für 14 Aufträge hat er im vergangenen Jahr 1,8 Millionen Euro kassiert, netto, ohne Spesen. Zwei Sekretärinnen und eine Research-Spezialistin unterstützen ihn. Ans Aufhören denkt der lebenslustige Netzwerker noch lange nicht. "Ich habe mich doch erst gerade selbstständig gemacht."

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VITA

Rolf van Emmerich wurde am 11. August 1926 geboren. Der Maschinenbau-Ingenieur arbeitet für Konzerngesellschaften von Babcock & Wilcox. Ende der fünfziger Jahre wird er Chef der Organisationsabteilung in der Oberhausener Konzernzentrale. 1960 startet er seine Beraterkarriere bei der heutigen Firma Knight Wendling, wo er 1974 in die Geschäftsführung aufsteigt. 1989 wechselt er zur Headhuntingfirma H. Neumann International in Österreich, wo er später Senior Vice President wird. Im Januar 2000 macht er sich in Mülheim/Ruhr selbstständig.

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