Der Gewinn beläuft sich auf 1,184 Mrd. Euro
Hypo-Vereinsbank hängt Konkurrenten ab

Mit einem mehr als verdoppelten Nettogewinn im vierten Quartal hat die Hypo-Vereinsbank im Schlussspurt 2000 ihre Konkurrenten unter den Großbanken in Deutschland abgehängt und die Erwartungen von Analysten leicht übertroffen.

Reuters MÜNCHEN. Im abgelaufenen Geschäftsjahr verdiente die Nummer zwei am Markt 1,184 (0,439) Mrd. Euro nach Steuern und vor Fremdanteilen, während Analysten dem Institut im Mittel ihrer Prognosen 973 Mill. Euro zugetraut hatten. Sie machten die auf 36 % gesunkene Steuerquote für den größeren Zuwachs verantwortlich. "Wir sind im vierten Quartal gut voran gekommen und haben den abflachenden Trend aus den Vorquartalen gestoppt", sagte ein HVB-Sprecher am Mittwoch in München.

Hypo-Vereinsbank - Intraday-Chart

Die Aktie der HVB legte gegen den Branchentrend zwischenzeitlich 2 % zu. Im vierten Quartal fiel der Gewinn nach Steuern den Angaben zufolge mit 402 (Vorjahresquartal: 308) Mill. Euro mehr als doppelt so hoch aus wie in den drei Monaten davor, als die HVB 159 Mill. Euro Gewinn ausgewiesen hatte. Ausschlag gebend dafür war die Auflösung latenter Steuern, die zu einer minimalen Steuerlast von 22 (221) Mill. Euro führte. Vor Steuern lag der Gewinn mit 424 (529) Mill. Euro um 20 % unter dem entsprechenden Vorjahreswert und nur knapp über den Erwartungen der Experten. Der Gewinn aus dem Eigenhandel fiel im schwachen Börsenumfeld mit 43 (189) Mill. Euro magerer aus. "Im Handel war das kein brilliantes Quartal", sagte ein Sprecher. "Aber weil wir im Investmentbanking nicht so stark sind, hat uns das nicht so stark getroffen."

Mitbewerber brachen im 4. Quartal ein

Nach dem von großen Immobilienrisiken geprägten Jahr 1999 verhalf vor allem die um mehr als die Hälfte gesenkte Vorsorge für Kreditrisiken der Hypo-Vereinsbank im abgelaufenen Jahr zu einem relativ besseren Ergebnis als ihren Mitbewerbern, die im vierten Quartal teilweise eingebrochen waren. Die Aktie der HVB kletterte im frühen Handel um bis zu 2,2 % und hatte am Mittwochvormittag mit 67,11 Euro gegen den Branchentrend noch 1,5 % Vorsprung. Die Titel der Deutschen Bank verloren dagegen zwischenzeitlich knapp 4,5 %, Commerzbank 2,6 und Dresdner Bank 5,4 %. "Die Investoren tauschen die mehr vom Investmentgeschäft abhängigen Banken temporär gegen die HVB", sagte Analyst Volker von Krüchten von der BHF-Bank. Die Risikovorsorge der HVB sank auf 1,186 (2,472) Mrd. Euro, verfehlte damit aber das Ziel, die Kreditrückstellungen auf unter eine Milliarde Euro zu drücken. Davon war die Bank aber bereits im Oktober wieder abgerückt. "Dass das nicht mehr zu erreichen ist, war nach neun Monaten klar", sagte Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck. "Aber das ist nicht beängstigend", fügte der Analyst hinzu. Nach Angaben der Bank waren einzelne Risiken bei privaten Kunden in der Immobilienfinanzierung höher ausgefallen als geplant. Das Firmen- und Privatkundengeschäft hätten wie erwartet abgeschnitten.

"Damit haben wir alle Ziele für das Jahr 2000 erreicht", erklärte Vorstandssprecher Albrecht Schmidt. Die Bank könne mit den Ergebnissen "recht zufrieden" sein. "Die Ausssichten, ein weiteres deutliches Stück im Wettbewerb voranzukommen, sind sehr gut", sagte er. Mit genaueren Prognosen für 2001 hielt sich die HVB zurück. Dafür sei es zu früh, hieß es. Die Anfang Februar beschlossene Bündelung der Immobilienfinanzierung in nur einer Tochtergesellschaft schaffe die Voraussetzungen für eine höhere Profitabilität, teilte die Bank lediglich mit.

Kurzfristige Renditeziele seien erreicht

Das ursprüngliche Ziel eines Gewinns von rund 2,2 Mrd. Euro vor Steuern hat die HVB mit 1,852 (0,754) Mrd. Euro im Jahr 2000 nicht erreicht. Weil der Erlös aus dem Verkauf des Vermögensverwalters Foreign & Colonial erst 2001 verbucht wird, hatten Analysten auch nur mit 1,847 Mrd. Euro gerechnet. "Der erste Eindruck ist sehr positiv. Unter dem Strich ist das Ergebnis besser als erwartet", sagte Merck-Finck-Analyst Becker. Der Steuervorteil sei aber nur ein einmaliger Effekt, betonte er. Sein Kollege Ralf Dibbern von M.M. Warburg wies darauf hin, dass die HVB ihre Kosten besser im Zaum gehalten habe als die Konkurrenz. "Das Ergebnis ist nach der Krise im Jahr davor respektabel", fasste Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin zusammen.

Ihre kurzfristigen Renditeziele sieht die Bank als erreicht an: Die bereinigte Eigenkapitalrendite lag den Angaben zufolge bei 9,2 (3,6) Prozent, das Verhältnis von Kosten und Erträgen wurde mit 59,7 (61,6) Prozent unter die Marke von 60 % gedrückt. Die Ertragsstruktur habe sich weiter verbessert, hieß es weiter. Ein um nahezu 30 % höherer Provisionsüberschuss trieb dessen Anteil am operativen Ertrag der immobilienlastigen Bank auf 29,6 von 25,3 %. Der Zinsüberschuss fiel vor Risikovorsorge mit 5,150 Mrd. Euro um 2,1 % höher aus als 1999. Die Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 0,85 Euro auf die Stämme und von 0,90 Euro auf die Vorzüge erhalten.

Die im Dezember 2000 erstmals einbezogene Bank Austria trug zum Jahresüberschuss etwa 40 Mill. Euro bei. Die größte österreichische Bank trieb die Bilanzsumme der HVB um 42 % auf 717 Mrd. Euro.

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