Der Gipfel mault
Kommentar: Heimsuchung durch die Globalisierung

So war das nicht gemeint. Über Globalisierung reden, das wollen die 2500 Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums in New York. Aber die Unbequemlichkeiten der Globalisierung sollen doch bitte schön draußen bleiben.

NEW YORK. Gemeint sind damit nicht nur die rund 3000 Demonst-ranten, die am Samstag friedlich wie in einem Laufgitter am Tagungshotel Waldorfs Astoria vorbeizogen. Davon haben die Reichen und Mächtigen dieser Welt dank der New Yorker Polizei ohnehin kaum etwas mitbekommen.

Gemeint ist vielmehr der Unmut vieler Teilnehmer darüber, dass es in der Weltstadt New York nicht so kuschelig wie im verschneiten Bergdorf Davos zugeht. Viele klagen über die Größe, die Ablenkungen und die Anonymität New Yorks. Der Geist von Davos sei verloren gegangen, heißt es. In New York, der Hauptstadt der Globalisierung, fühlen sich die Protagonisten der globalen Wirtschaft nicht zu Hause. Es scheint, als sei der Globalisierungsgipfel von seinem eigenen Thema heimgesucht worden.

Wenn die Wirtschaftselite im kommenden Jahr wieder am Kaminfeuer in Davos sitzt, wird sie nach diesen Erfahrungen vielleicht etwas anders über ihr Lieblingsthema denken als bisher. Globalisierung bedeutet eben auch mehr Hektik, mehr Anonymität und weniger Heimeligkeit. Der Ausflug nach New York hätte sich gelohnt.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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