Der Goldrausch kehrt nicht zurück

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Der Goldrausch kehrt nicht zurück

Betreiber und Hersteller von Telekommunikationsnetzen haben 2002 eine regelrechte Nachfragedepression erlebt. Nun werden erste Stimmen laut, die eine Rückkehr zu hohen Wachstumsraten vorhersagen. Wie realistisch sind solche Prognosen?

Betrachten wir zunächst das klassische Festnetz-Telefongeschäft: Hier wird in entwickelten Industrienationen der Anstieg der Verkehrsmenge durch Preisrückgänge mindestens kompensiert. Der Umsatz wächst also nicht. Breitband-DSL-Anschlüsse versprechen in Europa noch drei bis fünf Jahre Umsatzwachstum. Doch dann sind die 30 bis 40 Prozent der Haushalte versorgt, die solche Anschlüsse nutzen wollen. In Datennetzen werden enorme Überkapazitäten noch auf Jahre hinaus eine Trendumkehr zu steigenden Umsätzen mit Transportdiensten und Übertragungstechnik verhindern.

Auch im Mobilfunk ist nach dem Boom der graue Alltag eingekehrt: Mobilfunknetzbetreiber haben 2002 netto Kunden verloren, wenn man Karteileichen aus den Kundenzahlen herausrechnet. Neue Mobilfunkdienste wie der Versand von Bildern oder andere mobile Datendienste erhöhen zwar den Durchschnittsumsatz pro Kunde. Aber es wird noch Jahre dauern, bis sich ein Massenmarkt für solche Dienste in Europa etabliert hat.

Fazit: Die Branche wird auf absehbare Zeit in Ländern mit hoch entwickelten Netzen die Wachstumsdynamik der Neunzigerjahre nicht wieder erreichen. Der Verkauf von Telekom-Netztechnik und-Diensten hat sich dort zu einem ganz normalen Versorgungsgeschäft entwickelt, in dem solide geführte Unternehmen durchschnittliche Renditen erwirtschaften. Der Goldrausch ist vorbei.

Der Autor ist Professor für Telekommunikationswirtschaft an der Duisburger Universität.

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