Der Gründer des Lebensmittelriesens sah sich als „Patron de Gauche“
Danone-Gründer Riboud gestorben

Geradezu mythische Energie soll er in den Joghurt seiner Gruppe gesteckt haben: Antoine Riboud, der in der Nacht zum Sonntag im Alter von 83 Jahren gestorbene Gründer des französischen Lebensmittelriesen Danone, hat mit Weitsicht einen der großen französischen Konzerne geschaffen.

abo LYON. Der nonkonformistische Sohn eines Bankiers aus Lyon, der seine Memoiren unter dem saloppen Titel "Klassenletzter" publizierte und darin seine Niederlagen im Klassenzimmer und im Unihörsaal nicht verschwieg, stieg früh in die Glasschmelze seiner Familie ein. Diese machte er durch Zukäufe zum ernsthaften Verfolger von Saint Gobain. Die Übernahme des Konkurrenten, die erste feindliche, die Frankreich erlebte, schlug 1969 fehl. Damals erkannte Riboud, dass die Epoche des Glases als Verpackungsmaterial zu Ende ging und wandte sich den Inhalten zu: Er expandierte ins Braugeschäft. Später erwarb er den Wasseranbieter Evian samt dessen Babynahrungssparte.

1973 fusionierte Ribouds Firma mit dem kleinen Milchproduktehersteller Gervais - Hauptmarke: Danone. Vorgefertigte Lebensmittel mit Fitness-Image sind seither der Kern des Geschäfts der Gruppe, die erst seit 1994 unter dem Namen ihrer erfolgreichsten Marke firmiert und heute mit 100 000 Mitarbeitern 14,5 Milliarden Euro Umsatz macht. Nach 1980 expandierte Riboud erst in Europa, dann weltweit. Mit der Übernahme des US-Keksbäckers General Biscuits verschaffte er dem Konzern ein weiteres Standbein. Erst 1996, mit 77, gab Riboud das Ruder bei Danone ab - an seinen Sohn Franck.

Aber damit wollte er keine Unternehmerdynastie gründen. Riboud sah sich als "Patron de Gauche", der auf die Studentenrevolte im Mai 1968 mit sozialpolitischen Essays reagierte. Er hatte das Ohr des damaligen sozialistischen Präsidenten François Mitterrand. Anfang der 90-er Jahre führte er bei Danone vorübergehend die 32-Stunden-Woche ein, um Entlassungen zu vermeiden. Den Stellenplan an die weltwirtschaftlichen Erfordernisse anzupassen, blieb dann Sohn Franck Riboud überlassen, der damit vor einem Jahr politische Turbulenzen auslöste.

Antoine Riboud war auch ein Förderer der Musik. Mit dem Cellisten Mstislaw Rostropowitsch gründete er das Festival von Evian.

Quelle: Handelsblatt

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