Der Handel boomt
Optionsscheinhandel jetzt auch über Xetra möglich

Mittlerweile gibt es rund 14000 Papiere. Spiel mit schwankenden Kursen

Die Deutschen sind konservativ und risikoscheu - diese Behauptung ist ein Vorurteil. In keinem Land der Welt gedeiht der Handel mit Optionsscheinen prächtiger, wird fleißiger auf steigende oder sinkende Kurse gewettet. Auch das außerbörsliche Geschäft blüht. Und die Börsen versuchen, sich gegenseitig Marktanteile abzujagen.

Kursrutsch in Tokio: Zum ersten Mal seit acht Monaten ist der Nikkei-Index wieder unter die Marke von 17000 Punkten gefallen. Westliche Politiker mahnen weitere Finanzreformen an. Aber einige Analysten empfehlen, jetzt an der japanischen Börse einzusteigen. Die Reformen trügen bereits Früchte. Prompt greifen Anleger nach Kaufoptionsscheinen auf die Aktien, um vom erwarteten Kursaufschwung zu profitieren. Ein riskantes Spiel.

Investoren, die mit Optionsscheinen spekulieren, müssen ohnehin gute Nerven haben; nicht selten gehen die Wetten schief. Viele Anleger bevorzugen dann noch Papiere auf die schwankungsanfälligen Technologiewerte an der US-Börse Nasdaq, dem Neuen Markt oder auf japanische High-Tech-Werte. Daher emittieren die Geldhäuser verstärkt Scheine auf diese Aktien;wer den Finanzdatenlieferanten "onvista.de" im Internet konsultiert, kann unter 62 Kaufoptionsscheinen (Calls) auf Sony und 78 auf Yahoo auswählen. Kurz:Der Optionsscheinmarkt hier zu Lande boomt wie nie zuvor.

Kursierten vor zwei Jahren noch rund 8000 Scheine, so liegt die Zahl derzeit bereits bei etwa 14000 Papieren. Der deutsche Marktführer Citibank hat allein im April 245 Scheine emittiert - eine "Emissionsschwemme", wie selbst die Profis zugeben. Frank Burkhardt von der Société Générale: "Der Wettbewerb ist knallhart geworden."Gerade im ersten Quartal dieses Jahres haben die Optionsscheinhäuser gewaltige Umsätze gemacht. Das lockt nun ausländische Banken wie die italienische Unicredito nach Deutschland. Die etablierten Häuser geraten unter stärkeren Druck, insbesondere bei der Bepreisung der Scheine.

Auch was die zu Grunde liegenden Aktien, also die Basiswerte der Scheine, anbelangt, ist die Fülle kaum zu übersehen. Die meisten Papiere beziehen sich auf einzelne Titel. Eine große Anzahl gibt es auch auf Börsenbarometer wie den Dax, den Euro Stoxx, den Dow oder den Nikkei-Index. Dagegen führen Zinsoptionsscheine ein Schattendasein.

Die Banken begeben häufiger Calls als Verkaufsoptionsscheine (Puts). So brauchen sie erbosten Unternehmensvertretern nicht zu erklären, warum man auf einen Absturz ihrer Aktie wetten kann. Dazu kommt: Anleger setzen lieber auf Kurssprünge als auf-einbrüche, wie wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben.

Bei den Calls und Puts auf Aktien reicht die Palette von Scheinen auf den Hongkonger Mischkonzern Swire Pacific Ltd. (Emittent: Banque Nationale de Paris) bis hin zum amerikanischen Goldproduzenten Barrick Gold (Crédit Lyonnais). Bei Scheinen auf kleinere Werte ist jedoch Vorsicht angesagt:je weniger liquide die Aktie, desto größer die Gefahr, dass die Optionsscheinpreise überhöht sind. Die Bank, die die Scheine verkauft, muss sich ja selbst mit Gegengeschäften absichern. Das ist bei kleineren Titeln schwieriger - sprich: teurer - als bei Standardwerten.

Ausgefallen sind nicht allein die Basiswerte, sondern auch Optionsscheinkonstruktionen. Die gängigste Variante der so genannten exotischen Optionsscheine sind Korridor-Scheine;mit ihnen kann man Gewinn einstreichen, wenn die Kurse innerhalb einer bestimmten Bandbreite verharren. Daneben gibt es Papiere auf zwei Basiswerte oder ganze Aktienkörbe. Oft können die Anleger aber kaum abschätzen, ob die Scheine fair gepreist sind. Die Geldhäuser lassen sich jedoch einiges einfallen, um ihnen Orientierung zu bieten. Jüngstes Beispiel: UBS Warburg weist jeden zweiten Monat die 50 besten Scheine des eigenen Hauses aus. Bei den Papieren sollen die Spannen zwischen An- und Verkaufskurs eng und die Preise günstig sein. Darüber hinaus bemühen sich die Emittenten um klare Profile:Die Citibank bietet keine Produkte mit exotischen Strukturen an, während HSBC Trinkaus & Burkhardt diesbezüglich für Einfallsreichtum bekannt ist. Oftmals werben die Banken jedoch nicht mit neuen Produkten, sondern mit verbessertem Service um Kunden-mit Aktionen wie "einen Monat lang gebührenfrei handeln".

Das außerbörsliche Geschäft blüht; dabei kaufen die Investoren die Scheine direkt bei den Banken. Schätzungen zufolge entfallen aber lediglich 30 Prozent des Optionsscheinhandels auf dieses Segment. Ansonsten laufen die Geschäfte über die Börse. Mit rund 60 Prozent hat die maklergestützte Optionsscheinbörse Euwax in Stuttgart einen Anteil am Börsengeschäft von etwa 60 Prozent.

Doch die Frankfurter wollen künftig ein größeres Stück vom Kuchen haben:Bislang ausschließlich im Parketthandel (Freiverkehr) angeboten, werden Optionsscheine seit Mitte Mai auch auf dem elektronischen Xetra-System gehandelt. Hauptvorteile laut Börse: schnelle Geschäftsabschlüsse und niedrigere Kosten, da die Maklercourtage wegfällt. Ein weiterer Pluspunkt sei die Behandlung von Mis-Trades, also Geschäften, bei denen die Banken Kurse falsch berechnet haben. Die Xetra-Marktüberwachung lässt den beanstandeten Kurs von anderen Optionsscheinhäusern überprüfen und entscheidet dann über die Stornierung des Auftrags; eine Reklamation seitens der Anleger oder Banken ist allerdings nur bis zum Handelsschluss desselben Tages möglich. Im außerbörslichen Geschäft bekommen Anleger diese Kontrolle jedoch nicht geboten.

Allerdings weist das System einige Mängel auf. "Die Börse verlangt noch nicht, dass verbindliche Kurse ins System gestellt werden", klagt Olav Blasberg von der Citibank. Deswegen ist sein Haus bislang nicht mit von der Partie. Einen weiteren Nachteil sieht er darin, dass das System keine aktuellen Preise für die Scheine zeigt, sondern lediglich die letzten Kurse, zu denen gehandelt wurde - auch wenn die Trades vor einigen Stunden stattgefunden haben.In Stuttgart würden dagegen verbindliche Kurse gestellt. Auch im außerbörslichen Geschäft veröffentlichen die Banken verbindliche Kurse. Außerdem können die Anleger oft bis 22 Uhr handeln, also länger als an den Börsen-selbst wenn diese die Handelszeiten demnächst bis 20 Uhr ausweiten sollten. Indessen bieten die Börsen Investoren die Chance, mit Limits zu arbeiten.

Um die Gunst der Privatanleger wirbt auch die Terminbörse Eurex. Die dort gehandelten Optionen sollte man aber nicht mit Optionsscheinen verwechseln. Die Scheine sind verbriefte Wertpapiere. Optionen sind Rechte und haben oft höhere Kontraktgrößen. Allerdings sind die Market-Maker, die an der Eurex die Preise stellen, nicht die Emittenten selbst. Im Übrigen gilt dasselbe wie für die Scheine: Wer Optionen kauft, wettet auf bestimmte Kursentwicklungen. Wenn die nicht eintreten, ist das eingesetzte Geld weg.



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