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Der Hanseatische Aktienclub setzt auf Wachstumstitel

Die drei Freunde stellten fest: Wenn ein Unternehmen über längere Zeit die Gewinne steigert, legt auch der Aktienkurs mittelfristig zu. Daher beschlossen Michael Arpe, Frank Mohr und Ralf-Matthias Rückert, ihr Geld in solche Wachstumsaktien zu stecken. 1996 bekam ein Steuerberater aus Hamburg davon Wind und bat sie, seinen Mandanten ihre Strategie vorzustellen. "Einige Zuhörer fragten uns, ob sie sich uns nicht anschließen könnten - so war der Investmentclub geboren", erzählt Arpe.

Eigentlich sollte es eine kleine Hamburger Stammtischrunde werden, schmunzelt der 38-jährige Betriebswirt; doch heute zählt der Hanseatische Aktienclub GbR (HAC), dessen Geschäfte das Trio führt, mit einem Depotvolumen von gut 80 Millionen DM zu den größten Investmentclubs in Deutschland.

Wer Mitglied bei den Hanseaten werden will, muss nicht automatisch Geld in ein Gemeinschaftsdepot zahlen: Neben zwei Depots - einem "konservativen" und einem "spekulativen" - gibt es einen Diskussionsclub mit bislang rund 1 500 Mitgliedern, wie Arpe erklärt. Etwa 4 000 Anleger haben sich in dem Investmentclub, der die Depots umfasst, zusammengeschlossen.

"Viele Leute wollen nur mehr über die Börse lernen und sich Anregungen für ihre privaten Investments holen", sagt Arpe. Diesen Mitgliedern bietet der Club neben der Mitgliederzeitschrift, die alle vier Wochen erscheint, und einem Fachvortrag im Quartal jeden Monat Diskussionsrunden an - und zwar bundesweit. Solche Stammtische gibt es derzeit in 17 Städten (Informationen unter www.hac.de). Der Monatsbeitrag beträgt 25 DM; fallweise könne er auf 19 DM reduziert werden, etwa, wenn ein Mitglied in eines der Gemeinschaftsdepots investiert oder den Club weiterempfiehlt , sagt Arpe.

Für beide Depots spiele das Konzept der Wachstumsaktien eine wichtige Rolle, erklärt er. Aus dem Angebot von 120 000 Aktien weltweit müsse die Geschäftsführung diejenigen Titel herauspicken, die mittelfristig - innerhalb von drei bis fünf Jahren - Gewinne und Dividenden gesteigert hätten. Denn bei diesen Firmen sei davon auszugehen, dass die Aktienkurse mittelfristig steigen werden. Nach Arpes Definition handelt es sich bei diesen Wachstumswerten um Firmen mit einzigartigen Produkten oder hervorragenden Managern. Als Beispiel nennt er Gillette: "2,5 Milliarden Männer rasieren sich jeden Morgen - weltweit am häufigsten mit Gillette-Geräten. Dabei kommen drei Viertel aller Rasierklingen von dem Unternehmen."

Die Hanseaten scheuen nicht vor Aktien zurück, die kurzfristig stark schwanken. So findet man im konservativen Depot, das derzeit 15 Aktien überwiegend aus den USA und aus Europa enthält, auch Titel wie den US-Wert Sun Microsystems. Symbole, die den Titeln zugeordnet werden, machen die Mitglieder jedoch auf Kursrisiken aufmerksam.

Schwerpunkte im konservativen Depot sind aktuell die Branchen Ernährung und Konsum, Banken und Versicherungen sowie Pharma. "Auch wenn die Börse sinkt - auf Brot und Butter werden die Leute nicht verzichten", kommentiert Arpe. Weltweit dürften Finanzkonzerne vom Trend zur privaten Altersvorsorge profitieren. Pharmaaktien böten wegen der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung hier zu Lande Kurschancen.

Technologieaktien hat Arpe untergewichtet: "Die Risiken sind momentan noch zu hoch, um wieder einzusteigen." Der HAC-Geschäftsführer will abwarten, bis sich die internationalen Konjunkturdaten stabilisiert haben. Daher liegt der Anteil des spekulativen Depots an Technologie- und Biotechnologieaktien aktuell bei 30 Prozent, der Bargeldanteil bei 25 Prozent. Darüber hinaus enthält das Portfolio die konservativen Werte des anderen Depots. Laut Arpe soll maximal die Hälfte des Kapitals im spekulativen Depot in den Technologiesektor fließen.

Seit der Gründung im April 1997 haben die Hanseaten mit ihrem konservativen Depot ein Plus von 88,54 Prozent erzielt; der MSCI-World-Index auf Dollar-Basis legte nur um 37,7 Prozent zu. In den letzten drei Jahren (Stichtag: 9.6.1998) lag der Wertzuwachs des Clubs mit plus 25 Prozent aber deutlich unter dem Durchschnitt aller international anlegenden Aktienfonds in dieser Zeit (plus 37 Prozent). Das spekulative Depot verlor seit dem Aufbau im April 1999 neun Prozent; angesichts der Einbrüche vieler Technologietitel an den Weltbörsen kamen die Hanseaten damit aber noch glimpflich davon.

Auf ihre Anlagesumme zahlen Investoren 0,2 Prozent Gebühren im Monat. Wer Mitglied werden will, zahlt einmalig mindestens 5 000 DM oder gemäß einem Sparplan monatlich 100 DM an. Die Zusammensetzung des Depots können Anleger bislang nicht per Internet einsehen; das soll laut Arpe aber Ende 2001 möglich sein. Monatlich wird der Wert des Depots festgestellt, und die Mitglieder erhalten einen Quartalsbericht per Post. Der Club wird vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen kontrolliert und jeden Monat von einem Wirtschaftsprüfer unter die Lupe genommen. Einmal pro Jahr findet die Gesellschafterversammlung in Hamburg statt.

Warum es keinen Anlageausschuss gibt? "Solche Ausschüsse haben sowieso nur eine beratende Funktion, stimmberechtigt ist nur die Geschäftsführung", sagt Arpe. Im Übrigen würden Aktien auf Vorschlag eines Mitglieds hin durchleuchtet - und oft aufgenommen. Arpe: "Das spekulative Depot haben wir aufgebaut, weil uns Mitglieder dazu angeregt haben."

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