Der Hauch der Geschichte weckt durchaus die Begierde der Kunden.
Seite an Seite mit Napoleon

Die Schweizer Manufaktur Breguet konstruiert die exklusivsten Uhren der Welt. Bisweilen kann ein solches Luxustück auch schon einmal 1 Million Euro kosten.

L?ABBAYE. Der Fahrer, der am Bahnhof des kleinen Schweizer Städtchens Yverdon les Bains wartet, weist aufs obligatorische Anschnallen hin. Auf der Fahrt ins Tal der Uhren kommt er ins Erzählen. Mehr als 20 Jahre hat er als Uhrmacher bei Breguet gearbeitet, jener Manufaktur in L?Abbaye, die sich - vielleicht noch mit ein, zwei Konkurrenten - an der Spitze derer sieht, die Zeitmesser fürs Handgelenk herstellen.

Jetzt chauffiert er die Gäste. Zum Ruhestand gab es eine Uhr aus der Klassik-Kollektion. Er gerät ins Schwärmen und nimmt - Sicherheit hin oder her - beide Hände vom Steuer, um die Breguet aus 18karätigem Gold am linken Handgelenk voll zur Geltung kommen zu lassen. "9 000 Euro kostet sie", flüstert er.

Ein preiswerteres Stück Schweizer Uhrmacherkunst von Breguet. Hier im Tal der Uhren, knapp 1 000 Meter oberhalb des Sees von Neuchatel, wo die Creme der Zunft dicht an dicht ihre Werkstätten errichtet hat, stellt die Firma rund 10 000 nummerierte Kunstwerke pro Jahr her, die mit stahlblauen Zeigern weisen, wie spät es ist. So ein Stück kann schon mal mehr als 1 Million Euro kosten, wenn es zum Beispiel über eine Minutenrepetition verfügen - die Zeit so auch hörbar macht, was mit Hilfe eines kleinen Hämmerchens geschieht, das an einen Klangkörper im Innern der Uhr schlägt.

Wenn dann noch eine Sonnengleichheit hineinkonstruiert ist, die berechnet, um wie viele Minuten vor oder nach 12 Uhr mittags die Sonne ihren tatsächlichen Höchststand erreicht hat, können sich wohl auch Quarzuhrträger vorstellen, dass so eine Uhr nicht an einem Tag erbaut wird. Monate, manchmal Jahre dauert es, bis ein Kunstwerk wie die diamantenbesetzte "Große Komplikation" vollendet ist, die ein sichtbares Tourbillon enthält: eine Art Käfig, der sich einmal pro Minute um sich selbst dreht und damit nach Berechnungen seines Erfinders Abram-Louis Breguet die lästigen Auswirkungen mindert, die die Schwerkraft bei einem Uhrwerk hinterlässt.

Damit sich dafür auch Käufer finden, holt Breguet-Chef Rodolphe Schulthess weit aus. 1775 war es, als Abram-Louis Breguet seine erste Uhr zusammensetzte. Königin Marie-Antoinette sollte von ihrem Liebhaber eine echte Breguet bekommen, erlebte aber das Ende der 30jährigen Entwicklungszeit nicht mehr. Churchill und Napoleon hatten mehr Glück - sie erhielten ihre Uhr zu Lebzeiten. So steht es im Firmenarchiv.

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