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«Der Himmel von Hollywood»: Literaturverfilmung von Sönke Wortmann

Hamburg (dpa) - Im Juli 2002 starb der Hollywood-Schauspieler Rod Steiger. «Der Himmel von Hollywood», der erst jetzt in die deutschen Kinos kommt, war sein vorletzter Film. So gewinnt Sönke Wortmanns Adaption von Leon de Winters gleichnamigen Roman in der posthumen Würdigung dieses gewichtigen Stars seine eigentliche Bedeutung.

Hamburg (dpa) - Im Juli 2002 starb der Hollywood-Schauspieler Rod Steiger. «Der Himmel von Hollywood», der erst jetzt in die deutschen Kinos kommt, war sein vorletzter Film. So gewinnt Sönke Wortmanns Adaption von Leon de Winters gleichnamigen Roman in der posthumen Würdigung dieses gewichtigen Stars seine eigentliche Bedeutung.

Immerhin sieht man Steiger in der Rolle eines ausgemusterten Hollywoodstars, der nun im Alter sein Geld als Elektro-Installateur verdienen muss. «Wenn sie mich um zwei Uhr morgens anrufen würden und zu mir sagen, sie hätten eine Rolle für mich, die höchstens zehn Sekunden lang wäre - ich würde zusagen», gesteht der ehemalige Oscarpreisträger Floyd Benson in einer Nacht unter dem Hollywood Sign. Und der Satz kommt von Herzen.

«Man spürt da ziemlich stark, dass Rod Steiger nicht viel Mühe brauchte, um diese Szene zu spielen», sagt Leon de Winter, der selbst das Drehbuch schrieb. «Er war einer der ganz Großen, die diese schreckliche Erfahrung machen mussten, dass es für sie als ältere Schauspieler keine Rollen mehr gibt, weil die meisten Filme für ein jüngeres Publikum geschrieben werden. Das bedeutet, dass da viel gewartet wird, auch für Schauspieler wie Burt Reynolds.» Reynolds ist in dem Film auch dabei, als Ex-Star Kage Mulligan, der seine Karriere mit Alkohol ruinierte. Tom Berenger als Tom Greener, der gerade eine Haftstrafe verbüßt hat, ist der Jüngste im Trio, dessen goldene Zeiten lange vorüber sind. Unter dem Wahrzeichen Hollywoods betrinken sich die drei nach einer Beerdigung und stolpern über eine Leiche. Floyd Benson erkennt in dem Toten den Mann, der mit einem Koffer voller Geld in der Villa aufgekreuzte, wo er eine Alarmanlage installierte.

Hier beginnt ein grotesker und verschachtelter Krimi. Die Schauspieler lagern die Leiche in einer Kühltruhe und starten einen Lauschangriff auf die Gangster, um das Geld zu entwenden. Die Beute stammt aus einem Casino-Raub. Mit dem Plot jenes Coups ist Greener vertraut. Er entstammt einem Drehbuch seiner Ex-Freundin Paula (Jacqueline Kim). Sie wird die Seiten wechseln und die Schauspieler für ihre Rollen als falsche Polizisten coachen. Auf dem kriminellen Weg zum Reichtum müssen sie ihre Rollen so lebensecht spielen, wo sie es vor der Kamera noch nie getan haben.

Das ist einer der wenigen wirklich originellen Parts dieser Verfilmung. Einige Jahre durfte diese Tragikomödie ablagern, bis sie nun nach Wortmanns Erfolg mit dem «Wunder von Bern» doch noch ihren deutschen Kinostart erlebt. Es fehlt der Funke, der diese Geschichte auch auf der Leinwand zum Glühen gebracht hätte. Insgesamt schöpfen weder das Drehbuch, das de Winter aus seiner eigenen literarischen Vorlage destillierte, noch Sönke Wortmanns Regie das Potenzial dieser Hollywood-Farce auf der Leinwand wirklich aus.

Der eigentliche Clou des Filmes ist, drei Schauspielern zu begegnen, deren eigene Karrieren ebenfalls den Zenit überschritten haben. Und die nun das Risiko eingegangen sind, mit ihren Rollen verwechselt zu werden. «Da gibt es natürlich so ein Grenzgebiet, wo man meint, die spielen sich selbst», sagt Leon de Winter. «Obwohl wir ein oder zwei Absagen von Schauspielern hatten, die keine Loser spielen wollten, war es eigentlich nicht schwer, diesen Film zu besetzen.» Wichtig war es für Autor und Produzent de Winter, mit einem europäischen Regisseur zu arbeiten: «Weil die eine andere Sensibilität haben und nicht so auch Action und Tempo fixiert sind.» So besteht der «Showdown» aus einer langen, bühnenhaften Szene, in der drei gute Schauspieler eine schlechte Performance als falsche Cops abliefern müssen.

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