Der hoch verschuldete Kabelanbieter steht mit dem Rücken zur Wand.
Kabelkonzern UPC in Bedrängnis

Der hoch verschuldete Kabelanbieter UPC steht mit dem Rücken zur Wand. Es droht der Verlust der Notierungen in Amsterdam und New York, und große Zahlungsverpflichtungen stehen an; der Börsengang von Tochter Priority ist in Gefahr, es hapert mit dem Kabelausbau in Deutschland. Der neue Chef John Riordan muss schnell handeln.

HB BRÜSSEL. Nach dem überraschenden Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Mark Schneider hat der niederländisch-amerikanische Kabelbetreiber UPC N.V. seinen bisherigen Präsidenten John Riordan zum Vorstandschef ernannt. Der 59-jährige Ire soll dem mit 8 Mrd. Euro hoch verschuldeten Unternehmen aus Amsterdam aus der Klemme helfen. UPC hat einen Haufen Probleme in kürzester Zeit zu lösen.

Das Unternehmen aus Amsterdam ist mit einem Halbjahresminus von 1,4 Mrd. Euro derart verlustbringend, dass es Analystenschätzungen zufolge Ende September mehr Schulden als Eigenvermögen hat. Dann aber landet UPC auf der "Strafbank" der Amsterdamer Börse und verliert die Notierung.

Diese nur in Amsterdam geltende Regel hält UPC ebenso wie den Halbjahresverlust für irrelevant. Der Kabelbetreiber betont, das Betriebsergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) habe sich im zweiten Quartal erneut verbessert. Das Minus sank um 31 % auf 54 Mill. Euro. "Wir wachsen stärker als jeder andere Kabelbetrieb", betonte Finanzchef Charles Bracken. UPC hat inzwischen gut 7 Mill. Fernsehkabel-Abonnenten und ist in 15 Ländern Europas aktiv.

Anleger fürchten, dass UPC die Schulden nichb mehr bedienen kann

Die Anleger fürchten jedoch, dass UPC die Schulden nicht mehr bedienen kann. Die Konsequenz: Das Vertrauen ist hin, der Aktienkurs in einem Jahr um 95 % gefallen. Hieraus ergibt sich das zweite Problem, diesmal in den USA: Dort liegt der Aktienkurs seit 17 Tagen unter einem Dollar. Bleibt er 30 Tage in Folge darunter, droht UPC nach einer Gnadenfrist von 90 Tagen auch der Verlust der Nasdaq-Notierung.

Die akuteste Bedrohung kommt aber von Tochter Priority Telecom, die über Glasfaserkabel Telefon- und Internetdienste zu Geschäftskunden in den Niederlanden, Norwegen und Österreich bringt. UPC muss Priority vor dem 1. Oktober an die Börse bringen oder Priority-Aktionären eine Entschädigung von 222 Mill. Euro zahlen. Zu dieser Bedingung erwarb UPC vergangenes Jahres den US-Betrieb Cignal und gab dessen Aktionären 16 % an Priority. Deren Börsengang setzte UPC wegen der Marktbaisse wiederholt aus. Nun wird das Kleingedruckte aktuell.

Zwar hat UPC einen Cash-Flow von 1,1 Mrd. Euro. Doch der wird für den Ausbau der Kabelaktivitäten auch in Deutschland gebraucht. Die Alternative - eine Ausgabe von UPC-Aktien für die Priority-Aktionäre - ist laut Analysten ausgeschlossen. Denn dann müsste UPC 35 % seiner Anteile abgeben, womit die von Schneiders Vater geführte US-Mutter UGC (54 %) die Kontrolle über UPC verlöre.

Priority soll unbedingt an die Börse gebracht werden

UPC will Priority daher unbedingt an die Börse bringen. Deren Aktionäre stimmten am Mittwoch zu. Doch wird das die erforderlichen 222 Mill. Euro liefern, ist die Tochter Priority mehr wert als die Mutter UPC, die zurzeit nur 150 Mill. Euro auf die Waage bringt? Anleger bezweifeln das, und Analysten halten den Zeitpunkt angesichts sinkender Notierungen von Telekomkonzernen für denkbar schlecht. Priority sei allenfalls rund 64 Mill. Euro wert.

Damit taucht die nächste Hürde auf: In Amsterdam muss ein New-Economy-Unternehmen bei Erstnotierung einen Börsenwert von mindestens 150 Mill. Euro haben oder ein Eigenkapital von 50 Mill. Euro. Was passiert, wenn das nicht klappt? "Dazu können wir nichts sagen", antwortete ein Sprecher.

Mark Schneider sei angesichts dieser verzwickten Lage abgetreten, um die Finanzwelt zu beruhigen, meinen manche Analysten. Andere denken, er sei dem US-Kabelbaron John Malone gewichen. Dessen Liberty Media kontrolliert seit kurzem die US-Mutter UGC und steckte im Mai 1 Mrd. Euro in UPC mit dem Ziel, UPC eines Tages zu übernehmen. De facto ist Malone also bereits der Boss in Amsterdam.

Dadurch hapert nun auch die Kabelstrategie in Deutschland, wo Malone mit seiner Liberty selbst aktiv ist. Die UPC-Tochter EWT und Primacom verschoben jüngst ihre Fusion zum drittgrößten deutschen Kabelanbieter. Primacom-Großaktionäre fürchten, ihr Unternehmen werde von Liberty abhängig. Für UPC aber ist die Fusion mit Primacom wichtig, um die Expansion ins digitale Fernsehen voranzutreiben. In diesem Jahr will UPC in Europa 250 000 digitale Fernseh-Dekoder installieren.

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