Der hohe Preisdruck verhindert nachhaltige Erholung
Chip-Aktien verheißen keine Euphorie

Die Kurse von Halbleiterwerten informieren über den Zustand der übrigen Technologie-Aktien von morgen. Wenn diese Börsenweisheit stimmt, dann sieht es für die High-Tech-Branche nicht gut aus. Mangelnde Nachfrage, Überkapazitäten und Überbewertungen lassen wenig Spielraum für steigende Notierungen.

DÜSSELDORF. Als DRAM-Speicherchips Anfang des Jahres innerhalb weniger Wochen von 80 Cents auf über 4 $ stiegen, legten Aktien wie Infineon um gut 250 % zu. Inzwischen sind die Preise für 128-MB-Chips wieder auf 2,50 $ gefallen - und die Tendenz weist weiter nach unten. Auf diesem Niveau können weder europäische Hersteller noch Wettbewerber wie Samsung und Hynix im Billiglohnland Korea kostendeckend arbeiten. Erweist sich die Erholung der Chipaktien damit als Strohfeuer? Das wäre fatal, denn Halbleiter-Aktien sind die Frühzykliker der gesamten Technologiebranche. Chips sind ein Vor- und Grundprodukt in fast jedem Endgerät.

Ganz so düster ist die Lage aber nicht. Nach übereinstimmenden Berechnungen der Elektronik-Branchenverbände ZVEI (Deutschland) und SIA (USA) gibt es immer mehr Anzeichen für eine Erholung des gebeutelten Halbleitermarktes. Zwar liegen die Umsatzzahlen noch deutlich unter denen des Vorjahres, aber seit Februar notiert das so genannte Book-to-Bill-Ratio über eins - Tendenz steigend. Das bedeutet, die Auftragseingänge (book) sind höher als die Umsätze (bill).

Dennoch warnen Experten vor Optimismus. Noch immer sind zu viele Wettbewerber auf dem Markt, die einen hohen Preisdruck verursachen. Ein nachhaltiger Anstieg der Chippreise setzt eine Konsolidierung voraus. Die ist in weite Ferne gerückt, seitdem die Übernahme der in Schieflage geratenen Hynix durch den amerikanischen Infineon-Wettbewerber Micron Technologies gescheitert ist. Bislang beruht die Erholung in der Branche nur auf einer Erhöhung der Lagerbestände. Die Nachfrage aus dem PC-Bereich, von den hoch verschuldeten Telekom-Unternehmen und den Netzwerk-Spezialisten, wie Nokia und Ericsson, bleibt verhalten.

Lediglich die Konsumelektronik überrascht mit guten Wachstumszahlen. Diese werden vor allem von neuen DVD-Playern und Multimediageräten getrieben. Als eine der wenigen "Top-Aktien" sieht UBS Warburg in diesem Bereich Philips. Selbst in der zyklischen Halbleiterproduktion schreiben die Niederländer im laufenden Jahr schwarze Zahlen - zumindest in der deutschen Organisation. Neben der Unterhaltungselektronik ruhen bei Philips große Hoffnungen in der Medizintechnik. Dresdner Kleinwort Wasserstein, Deutsche Bank und Berenberg Bank raten zum Kauf. HSBC-Analyst Daniel Maguire stuft Philips von "reduzieren" auf "hinzufügen" herauf. Er rechnet mit einem Gewinn von 0,95 Euro in diesem und 2,26 Euro im nächsten Jahr. Gemessen daran ist die Aktie mit knapp 34 Euro nicht teuer.

Nach einem Kurseinbruch von 50 % in den letzten zwölf Wochen empfiehlt Merrill Lynch Infineon zum "starken Kauf": Man nähere sich dem saisonalen Tiefpunkt der PC-Nachfrage. Zudem würden die DRAM-Preise von aggressiven Verkäufen seitens Hynix negativ beeinflusst. Der Aufschwung im zweiten Halbjahr dürfte zu einem stärkeren Geschäft führen. Merrill Lynch sieht den 128-MB-Chip wieder auf 4 $ steigen.

Reicht das für einen nachhaltigen Kursaufschwung? SEB-Stratege Martin Haug bleibt vorsichtig: "Angesichts der im Durchschnitt weiter hohen Gewinnerwartungen besteht die Gefahr eines Kursrückschlages. Insbesondere die amerikanischen Aktienmärkte sind nach wie vor hoch bewertet." Berechnungen geben ihm Recht: Die Unternehmen an der Nasdaq sind fast so hoch bewertet wie auf dem Höhepunkt der Technologieblase im März 2000. Im marktbreiten S&P-500-Index sieht es mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 45 nicht besser aus.

Quelle: Handelsblatt

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