Der Inhaber der gleichnamigen Immobiliengruppe im Porträt
Bernhard Garbe: Trickreicher Gentleman

Nein, er ist keiner der heutigen Vorzeigemanager mit perfektem Lebenslauf: Abitur mit Einserschnitt, Studium in Ultrakurzzeit, zwischendurch noch schnell nach Harvard und dann im Dreijahresrhythmus quer durch die Welt und auf direktem Weg in eine Vorstandsetage.

HAMBURG. Kein Wunder: Es lief nicht viel nach Plan in seinem Leben. Mit 16 reißt er von Zuhause aus. "Ich habe einige Monate als Schiffsjunge auf einem großen Motorschiff in der Ostsee verbracht", erzählt Bernhard Garbe mit einem leichten Schmunzeln. Der große 63-Jährige mit dem immer noch vollen Haar hat dabei etwas von einem Großvater, der seinen Enkelkindern aus seiner fernen, recht wilden Jugendzeit berichtet.

Mit 21 findet Garbe nach seiner Lehre als Industriekaufmann keinen Job. Also studiert er, ,"obwohl ich das eigentlich nicht wollte". Doch die trockene Betriebswirtschaftslehre lastet den unruhigen Geist nicht aus. Schon bald verkauft er nebenbei Bausparverträge und gründet an der Uni eine Bauträgerfirma.

Der unstete Youngster von damals gehört heute zu den Mittelständlern in der Immobilienszene. Er residiert in einem großzügigen Büro mit schwarzem Stehpult, zwei Golfschlägern und großflächigen, abstrakten Gemälden im Herzen Hamburgs. Er trägt gediegen-dezente Geschäftskleidung und ist Inhaber einer Immobiliengruppe mit 200 Mitarbeitern und einem Projektvolumen von rund 250 Millionen Euro. Er verdient sein Geld - zur Höhe schweigt er beharrlich - mit Beteiligungen und Projektentwicklung im In- und Ausland.

Am bekanntesten ist das Stilwerk. Es ist ein Beispiel dafür, wie der Wahlhamburger aus Gelegenheiten, seinen zahllosen Kontakten, immer neuen Ideen und dem richtigen Gespür für Markttrends ein Geschäft entwickelt. Er suchte eine Verwendung für eine alte Mälzerei im Hamburger Hafen, als der befreundete Möbelhändler Alexander Raab über die hohen Mieten in der City klagte. "Wenn du mir fünf Mieter besorgst, machen wir ein Designer- Kaufhaus", erzählt Garbe.

Er setzt alle Hebel in Bewegung, erarbeitet mit Raab ein Konzept - und überzeugt die Banken. 1996 eröffnet er das erste Stilwerk mit hochwertigen Einrichtungsläden in Hamburg. Weitere in Berlin und Düsseldorf folgen. Das nächste in Stuttgart ist geplant.

Die Erfolgsgeschichte wird allerdings durch Zeitungsberichte über Probleme mit Mietern getrübt. Darauf angesprochen, wird der sonst eher ruhig charmante Gentleman auf einmal recht energisch und laut. "Ein Mieter wollte uns erpressen. Da sind wir hart geblieben", regt er sich auf.

In der Immobilienbranche gilt er als seriöser, loyaler Partner, mit dem man sogar "noch ein Geschäft einfach per Handschlag" abschließen kann, wie ein langjähriger Geschäftspartner versichert. Konkurrenten bescheinigen Garbe, dass er Geschäftschancen schnell erkenne und sie mutig umsetze. Er arbeite aber manchmal mit einer schmalen Eigenkapitalbasis.

Zunächst investiert er in den deutschen Wohnungsbau, dann in Gewerbeimmobilien in Großbritannien und den USA, später gehört er zu denen, die vom Boom in den neuen Bundesländern profitieren. Was er dabei verdient, steckt er in die Fliegerei. "Zu Studentenzeiten war ich monatelang mit meinem Flugzeug rund um die Welt unterwegs", schwärmt er. So baut er nebenher sein Auslandsgeschäft auf. Inzwischen fliegt er nicht mehr, sondern spielt Golf (Handikap 22,2).

Da ist ihm wohl die Sache mit dem Fonds eingefallen. Weil die Banken bei Immobiliengeschäften vorsichtiger geworden sind, sammelt er bei seinem neuesten Geschäftsfeld Logistik-Immobilien, die er für große Speditionsfirmen baut und managt, Geld über besondere Fonds ein. Ob die Rechnung aufgeht, muss sich noch zeigen.

Über kurz oder lang will er als persönlich haftender Gesellschafter der Bernhard seine "Haftung in der Gruppe etwas verringern". Er setzt auf den Ältesten seiner zwei Söhne. Der 28-Jährige wird im kommenden Jahr in die Firma einsteigen. Wenn er sich bewährt, soll er seinen Vater einmal ablösen.

Allerdings ist kaum vorstellbar, dass sich Garbe senior einmal ganz aus seinem Lebenswerk zurückzieht. Dafür ist er zu sehr Unternehmer, der immer das letzte Wort hat.

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