Der Inhaber des schwäbischen Bekleidungsherstellers führt sein Unternehmen etwas anders
Trigema-Chef Wolfgang Grupp: Der eigenwillige König von Burladingen

Er ist das Enfant terrible der Textilwirtschaft. Wolfgang Grupp kritisiert seine Branchenkollegen mit provokanten Sprüchen. Er führt seine Firma auf altmodische Weise. Und er gehört zu den letzten Herstellern, die Bekleidung nur in Deutschland fertigen - bislang mit Erfolg.

"Bitte nehmen Sie den Hörer ab." Irritiert lesen Besucher in der kleinen Eingangshalle von Trigema das Schild neben dem einfachen Tastentelefon. Schließlich greifen sie zum Hörer, um sich anzumelden. Wolfgang Grupp, Chef und Inhaber des Textilunternehmens Trigema in Burladingen auf der Schwäbischen Alb, leistet sich keine Empfangsdame.

Grupp ist sparsam. Er verzichtet sogar auf ein eigenes Arbeitszimmer. Der Schreibtisch des stets elegant gekleideten 59-Jährigen steht in einem Großraumbüro. Dort empfängt der Firmenchef mit dem korrekten Seitenscheitel seine Besucher, während die 32 Verwaltungsangestellten im selben Raum fleißig ihrer Arbeit nachgehen.

Der schwäbische Mittelständler hat sein Unternehmen schon immer etwas anders geführt als seine Kollegen in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Grupp fertigt seine Produkte wie T-Shirts und Sweatshirts ausschließlich in Deutschland. Die Konkurrenz hingegen produziert schon seit Jahren in Billiglohnländern.

Der Trigema-Chef lehnt moderne Produktionsmethoden wie Just in time ab und fertigt stattdessen - wie früher üblich - weiterhin auf Lager. "Nur bei voller Kapazitätsauslastung rentieren sich die hohen deutschen Löhne", liefert Grupp die Begründung. Er lässt sich gegenüber den Einkäufern des Handels auf keine Preisnachlässe ein. Lieber riskiert der eigensinnige Textilunternehmer, dass er ausgelistet wird, was ihm vor Jahren mit Aldi passierte.

Grupp machte aus dem Sanierungsfall ein profitables Unternehmen

Bisher war Grupp mit seinen altmodischen Führungsmethoden erfolgreich. Dass Trigema heute mit 1 200 Beschäftigten 161 Millionen Mark pro Jahr umsetzt und dabei auch noch gut verdient, ist sein Werk.

Das war nicht immer so. 1969, als der damals 27-Jährige die Trigema Gebr. Mayer KG in der dritten Generation von seinem Vater übernahm, war das Unternehmen ein Sanierungsfall. Der Hersteller von Herrenunterwäsche schrieb bei 17 Millionen Mark Umsatz rote Zahlen.

Die damals in Deutschland beginnende T-Shirt-Mode brachte Grupp auf eine Idee. Er beschloss, die unverkäuflichen Herrenunterhemden bunt einzufärben und sie als T-Shirts zu verkaufen. Damit brachte der findige Diplom-Kaufmann die Firma zurück in die Gewinnzone und positionierte sie als Hersteller von Sport- und Freizeitkleidung. Bereits 1975 tilgte er die letzten Bankschulden. Seither habe er keinen Kredit mehr aufgenommen, sagt der Unternehmer. Viele Konkurrenten auf der Schwäbischen Alb sind längst pleite. Grupp fühlt sich dadurch bestätigt: "Wenn ich das Schicksal der Wettbewerber sehe, können meine Prinzipien nicht falsch sein."

Grupp macht gerne Schlagzeilen

Er genießt es, seine Unternehmerkollegen öffentlich mit Sprüchen zu kritisieren wie: "Jede Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland ist ein Zeichen des Versagens." In Talkshows fordert er sie provokant auf, doch persönlich für ihre Firmen zu haften. Er selbst ging vor einem Jahr mit gutem Beispiel voran und wandelte die Trigema GmbH & Co. KG in die Firma Inh. W. Grupp um. Dass er als exzentrischer Querkopf belächelt wird, nimmt er in Kauf. Die Aufmerksamkeit, die ihm seine Kritik bringt, sei kostenlose Werbung für Trigema, findet er.

Ganz in Kontrast zu seiner Sparsamkeit in der Firma steht sein luxuriöser Lebensstil, der in Burladingen und Umgebung ebenso Gesprächsstoff ist wie sein patriarchalischer Führungsstil. Direkt gegenüber dem Firmengelände liegt hinter weißen Mauern seine Villa, mit Privatkapelle und Butler. Der "König von Burladingen", wie ihn die Einheimischen nennen, lässt es sich nicht nehmen, die Belegschaft zu seinen Festen einzuladen. Hier und auf den Bilanzpressekonferenzen präsentiert er gerne seine 24 Jahre jüngere Frau und seine beiden herausgeputzten Kinder.

Trigema bleibt in Familienhand

Doch für Grupp wird das Geschäft wie für die gesamte Branche schwieriger. Das betrifft vor allem den Verkauf an Versender, SB-Märkte, die Industrie und den Facheinzelhandel. Diese Einbußen macht er mit seinen bisher 28 und bis Ende des Jahres 34 "Testgeschäften" wett, die in der Nähe von Urlaubsorten Ware zu Fabrikpreisen zuzüglich Mehrwertsteuer verkaufen. Kein anderer Hersteller hat so viele Factory-Outlets, sagen Branchenexperten. Doch weil Trigema nie die klassische Fachhandelsmarke war, bleibt der große Krach mit dem Handel aus, heißt es beim Branchenverband in Köln. Grupp ist deshalb überzeugt, dass auch seine Kinder mit seinen Methoden erfolgreich sein werden. Sein Lebenswerk will er auf keinen Fall einmal an Manager oder Testamentsvollstrecker übergeben. Sollte ihm etwas zustoßen, könne seine im Betrieb mitarbeitende Ehefrau die Firma führen, bis seine Kinder alt genug seien, in seine Fußstapfen zu treten. "Im Zweifel ist es mir lieber, meine Kinder ruinieren Trigema als fremde Leute."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%