Der Intendant des neuen Konzerthauses Dortmund
Ulrich A. Vogt: Der Mann mit den zwei Seelen

"Und hier ist meine Dusche." Der Herr im feinen, grauen Zweireiher mit Weste öffnet die Tür zu einem kleinen Badezimmer. Ein Raum mit Toilette, Duschkabine und schlichten, blauen Fliesen wird sichtbar. Eine Dusche neben dem Büro? "Das war früher ein Hotel", klärt Ulrich Andreas Vogt seinen Besucher in den frisch renovierten, aber noch leeren Räumen auf. "Da kann ich mich dann abends frisch machen, bevor ich ins Konzert gehe."

DORTMUND. Der ungewöhnliche Komfort ist nicht etwa ein Zeichen von Snobismus. Er hat allein praktische Gründe. Vogt übernimmt demnächst gleich zwei Arbeitsplätze: sein neues Intendantenbüro und seinen Platz im Musiksaal nebenan. Wenn er das Konzerthaus Dortmund am 13. September feierlich eröffnet, wird er sich jeden Abend frisch machen, die Aufführungen besuchen und bis zum Schluss bleiben, jeden Tag. "Ich bin ja schließlich für die Qualität in meinem Haus verantwortlich", sagt der groß gewachsene Mann, als sei sein Einsatz bis tief in die Nacht die selbstverständlichste Sache der Welt.

Der 49-Jährige, der so aussieht wie der freundliche Leiter einer Sparkassenfiliale, ist ein Arbeitstier. Schon morgens um sechs sitzt er in seinem alten, schwarz-weiß gestylten Büro und arbeitet gemeinsam mit seiner Sekretärin die E-Mails ab. Dann führt Vogt Dutzende Telefonate, sitzt in Besprechungen mit Bauleuten, verhandelt mit Musikagenturen. Und wenn er gegen zehn Uhr abends nach Hause kommt, studiert er noch Partituren.

Vogt ist Bauleiter, Programm- und Sponsoringmanager und Controller in einer Person. Er muss den Bau des Konzertgebäudes vorantreiben, das riesige Musikprogramm abstimmen und im Westfalenland auf Werbetour gehen. "Ich mache drei Kreuzzeichen, wenn das Haus eröffnet wird", sagt er und atmet einmal tief durch.

Auf Vogt lastet ein enormer Druck, seit er seine Aufgabe im März 1998 übernommen hat: Er soll Dortmund von der Kreis- in die Bundesliga der Konzerthäuser in Deutschland führen. Er will dies mit Stars und einem breiten, ungewöhnlichen Programm schaffen, das auch junge Leute anspricht. Er braucht Erfolge vom ersten Tag an, wirtschaftlich und künstlerisch.

Genau diese Doppelrolle des zahlenorientierten Managers und des kreativen Künstlers ist für ihn wie geschaffen. Vogt hat eine klassische Gesangsausbildung, Erfahrungen als Opernsänger - und als Unternehmer: Mit seiner gleichnamigen Dortmunder Dienstleistungsfirma für Gebäudereinigung und-sicherheit, die mit über 1300 Mitarbeitern rund 15 Millionen Euro umsetzt.

Seit seiner Jugend hat Vogt zwei Seelen in seiner Brust: die künstlerische und die unternehmerische. "Abends Bühne, tagsüber Schule, dazwischen durch die Stadt mit Eimer und Wischer, um Schaufenster zu putzen", erzählt der bodenständige Dortmunder, dem aber nur selten ein westfälisches "Woll" herausrutscht.

Als der Vater stirbt, muss er sich, mit gerade 21 Jahren, entscheiden: für eine Künstler- oder Unternehmerkarriere. Er übernimmt den elterlichen Betrieb. Doch dann rät ihm ein Sänger dringend, eine Gesangsausbildung zu machen. Also pendelt Vogt fünf Jahre lang zwischen Paris, wo er am verlängerten Wochenende Unterricht nimmt, und Dortmund, wo er von dienstags bis donnerstags seine Firma führt.

Das Doppelleben hat er gut im Griff. Er schließt die Gesangsausbildung ab, wird in Dortmund engagiert und macht nebenher aus dem kleinen Familienunternehmen eine deutschlandweit tätige Gruppe für Gebäudereinigung und andere Dienstleistungen.

Vogt ist ein Organisationstalent. "Er bereitet Meetings so vor, dass genau eine Minute vor dem Ende wirklich alles besprochen ist", erzählt ein Mitarbeiter. Er kann aber ungeduldig werden, wenn etwas nicht schnell genug geht. Der Hobbykoch und Zigarrenfan, der mit einer Partnerin zusammenlebt, schafft es, Leute für sich zu gewinnen, ob Künstler oder Sponsoren.

Und wenn das Konzerthaus doch ein Reinfall wird? Er hat ja noch sein eigenes Unternehmen. Als er sich dort vor eineinhalb Jahren aus dem Management zurückzog, standen die Käufer bereits Schlange. Aber er winkte ab: "Ich setze nicht gerne alles auf eine Karte" - Ulrich Andreas Vogt braucht eben das Doppelleben.

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