Der "Investor"
"Handelsblatt - Investor" - Auf Sieger setzen

Nicht jeder Tipp im „Handelsblatt - Investor“ hat sich zu einem Volltreffer entwickelt. Anleger sollten auch in Zukunft genau hinschauen.

Der Tipp schien solide. "Daimler-Chrysler treibt den Fusionsprozess voran", hieß es im Juni vergangenen Jahres im "Investor". Das Synergiepotenzial sei groß, und das dynamische Wachstum des Automobil-Konzern werde sich fortsetzen, war damals die Meinung der Analysten. Sie empfahlen fast einhellig den Wert zum Kauf. Kursziel: 100 Euro. Zu diesem Zeitpunkt stand die Aktie bei rund 84 Euro.

Der Dax-Wert wurde im Laufe des Jahres so oder in ähnlicher Form noch ein paar Mal im "Investor" angepriesen. Nur beim Kursziel wurden die Experten nach und nach bescheidener - Ende Juni saßen Ersteinsteiger dann auf einem Verlust von 36 Prozent.

Seit mehr als einem Jahr stellt die Redaktion des "Investors" Woche für Woche Empfehlungen von Banken und Brokern zu ausgesuchten Markt- oder Branchenthemen zusammen. Klar, dass bei den rund 300 Tipps, die seit dem ersten Erscheinungstermin zusammen gekommen sind, nicht nur Volltreffer waren. Zum Beispiel verloren Baan, Infomatec, Ixos, Teligent oder Fantastic seit ihrer Besprechung über die Hälfte an Wert. Dass sich überduchschnittlich viele Wachstumstitel auf der Flop-Liste finden, überrascht kaum. Schließlich gilt ein Investment in High-Tech-Werte als riskant. Dazu ist die seit März andauernde Korrekturphase am Neuen Markt und Nasdaq noch immer in vollem Gang. Aber mit Daimler, Thyssen-Krupp, VW oder AT & T gehören auch prominente Standardwerte zu den Verlierern - was ein nicht allzu gutes Licht auf die Qualität vieler Analystenurteile wirft >>Tabelle.

Die rote Laterne hält aber der Bekleidungshersteller Tommy Hilfiger. Dessen Börsenwert fiel binnen Jahresfrist um fast 80 % - vor allem, weil der Wechsel von klassischer zu modeorientierter Kleidung einen großen Teil des alten Kundenstamms vergrätzte und jugendliche Käufer nicht gerade als besonders markentreu gelten.

Biotech-Tips: Risiko wie bei Internet-Aktien

Auf der anderen Seite konnten "Investor"-Leser mit den Top-Empfehlungen viel Geld verdienen. Vor allem mit Biotechnologiewerten lagen sie selten daneben. Die vor einem Jahr vorgestellten Aktien von Medimmune, Celltech und Immunex brachten es durchweg auf dreistellige Wertzuwächse. Den Vogel schossen aber Morphosys und Qiagen mit einem Plus von über 656 beziehungsweise 420 % ab.

Branchenexperten weisen allerdings auf das Risiko eines Investments in Biotech-Werten hin. Ähnlich wie bei Internet-Titeln ist nicht abzusehen, ob, wann und in welcher Höhe die meisten dieser Unternehmen Gewinne machen. Erste Wahl aus der Branche bleiben deshalb für viele Analysten die bereits profitablen Qiagen und Medimmune.

Unter den Aktien aus dem Bereich Internet/Software gilt noch immer Intershop als absoluter Favorit - vor allem weil die Softwareschmiede für das erste Quartal dieses Jahres schwarze Zahlen auswies und Anstalten macht, ihre starke Marktposition in den USA noch weiter auszubauen.

Die zweiterfolgreichste, im "Investor" vorgestellte Branche kommt überraschenderweise nicht aus dem High-Tech-Lager, sondern aus dem klassischen Dienstleistungsbereich: die Zeitarbeitsvermittler. Die Dezember- Empfehlungen Allbecon, Amadeus und DIS legten immerhin zwischen 70 und 80 % zu. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 30 bis 40 sind sie allerdings schon fast "Neuer Markt-würdig", und das Wachstumstempo ist nach gängigen Maßstäben angemessen bezahlt.

Einstieg bei Daimler - gegen den Trend?

Unter den großen Standardwerten gilt Siemens für pro-zyklische Anleger als erste Wahl. Wer auch mal gegen den Trend investiert, sollte jetzt den Einstieg bei Daimler überlegen. Für Martin Haug von der BfG-Bank ist bei dieser Aktie die Talsohle nahe. "Die schlechte Entwicklung der US-amerikanischen Konzernmarken hat die Anleger verstimmt", erklärt der Analyst die Talfahrt des Kurses. "Der harte Wettbewerb in den USA drückt auf die Gewinnmargen. Doch diese Nachrichten sind bekannt."

Haug verweist auf die niedrige Bewertung von Daimler. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von neun bringt die Aktie kaum mehr auf die Waage als die traditionell niedrig eingeschätzten US-Autotitel. Durch die Allianzen mit Mitsubishi und Hyundai zieht der Konzern zudem in Asien einen Trumpf aus dem Ärmel. Für den BfG-Analyst, der die Aktie seit längerem auf der Kaufliste hat, sind das Pluspunkte, die einen Einstieg rechtfertigen. "Ein großes Risiko für einen weiteren Kursrückgang sehe ich nicht."

Fürsprache ist selten geworden für den schwäbischen Automobilbauer. Im Gegensatz zum Juni letzten Jahres kann sich zurzeit nur noch gut ein Drittel der von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten für Daimler-Aktien erwärmen. Doch vielleicht taugt gerade das als Kontraindikator. Bekanntermaßen soll man Aktien gerade dann kaufen, wenn die Stimmung an der Börse schlecht ist.

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