Der Kampf der ARD gegen Radiorechte in der Bundesliga
Ein harte Partie auf dem Fußballplatz

Fritz Pleitgen hat wirklich keinen leichten Job als ARD-Vorsitzender. Nachdem der monatelange Streit mit der mächtigen Kirch-Gruppe um die Rechte für die Fußballweltmeisterschaft 2002 und 2006 endlich ausgestanden ist, gibt es ein neues Schlachtfeld. Der Deutsche Fußballbund (DFB) und seine operative Einheit, die Deutsche Fußball-Liga (DFL), wollen die Live-Berichterstattung im Radio auf 40 Minuten verkürzen.

Sollten sich die Frankfurter Funktionäre, die immerhin alle 36 deutschen Profivereine vertreten, durchsetzen, würde für viele Hörer eine (Fußball-)Welt untergehen.

Der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Albert Scharf, reagiert eindeutig: "Ich bin sauer auf den DFB." Der noch amtierende ARD-Sportrechtekoordinator bestreitet wie seine Intendantenkollegen, dass es überhaupt Hörfunkrechte gibt. Bereits seit 1982 versucht der DFB durchzusetzen, bestimmte Lizenzen für das Radio zu vergeben. Bisher erfolglos. Denn die ARD hat die Vereinbarung bisher schlichtweg ignoriert, konstatiert DFL-Geschäftsführer Michael Pfad nüchtern. Ob diese Strategie aber auch in der Zukunft funktioniert, erscheint mehr als fraglich. Denn Leo Kirch will die Fußballberichterstattung konsequent verknappen, um endlich sein verlustreiches Pay-TV Premiere zum Durchbruch zu verhelfen. Koste es, was es wolle.

Für die Millionen von Fußballfans ist die Politik von Kirch und DFB ein schwerer Eingriff. Beispielsweise berichtet der Bayerische Rundfunk bisher am Samstag drei Stunden live auf insgesamt drei Radiokanälen von der Bundesliga. Zurecht bemerkt Scharf vor allem an die Adresse von Bayern München: "Die bayerischen Vereine müssen sich fragen lassen, ob der DFB ihnen mit dieser Regelung einen Gefallen getan hatte." Vielleicht machen ja die Vereine von ihrem Hausrecht in den Stadien Gebrauch, um gewähren den ARD-Reporter freien Zugang?

Noch ist offen, welchen Ausgang die harte Partie auf dem Fußballplatz nimmt. Sowohl die ARD als auch die Fans können sich auf politische Unterstützung verlassen. Kurt Beck (SPD), rheinland-pfälzischen Ministerpräsident und Chef der Rundfunkkommission der Länder, forderte bereits freie Hörfunkberichterstattung für die öffentlich-rechtlichen Sender vor einigen Tagen. Vielleicht meldet sich auch bald Edmund Stoiber? Der bayerische Landesvater und CSU-Vorsitzende mit sicherem Gespür für Volksstimmungen hat kein Interesse, dass "sein" Verein Bayern München bei Auswärtspartien zumindest für weiß-blaue Radiohörer fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit spielt.

Vielleicht aber werden auch die Gerichte mal wieder den Streit um Sportrechte lösen? Denn in der ARD ist klar: Bilder entstehen erst durch die Schilderungen des Radioreporters im Stadion. Beim Fernsehen hingegen sprechen die übertragenen Bilder für sich. Eine Rechtevergabe für den Hörfunk kann es daher auf dem Fußballplatz weder heute noch morgen geben.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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