Der Kampf der Trikotausrüster in der Fußball-Bundesliga: Kluft zwischen den Klubs wird größer

Der Kampf der Trikotausrüster in der Fußball-Bundesliga
Kluft zwischen den Klubs wird größer

Im umkämpften deutschen Fußballmarkt der Sportartikelbranche rumort es heftig. Auslöser war vor einem halben Jahr die zehnprozentige Beteiligung von Adidas bei Bayern München für rund 75 Millionen Euro. Konkurrent Nike hatte wiederholt versucht, den FC Bayern unter seine Fittiche zu nehmen und soll mindestens 15 Millionen Euro pro Saison für einen Ausrüstervertrag geboten haben. Obwohl Adidas damals "nur" sechs Millionen Euro zahlte, sagte Manager Uli Hoeneß Nike ab und fädelte die Drei-Streifen-Beteiligung ein.

mkl MAINZ. "Die Vorgehensweise von Bayern München ist für uns nicht eins zu eins nachvollziehbar", äußert sich Frank Feldmann, Sport-Marketing-Direktor bei Nike, noch immer leicht verstimmt gegenüber dem Fachmagazin "Sponsors" über den Adidas-Deal. Als nicht börsennotiertes Unternehmen schätzten die Bayern "einfach mal so" ihren Marktwert auf 750 Millionen Euro, um daraus die Summe für eine zehnprozentige Beteiligung abzuleiten.

Adidas dürfte damit seinen direkten Konkurrenten auf dem deutschen Markt unter Zugzwang setzen. Die Alternative für Nike könnte eine engere Bindung an Borussia Dortmund sein, auch wenn Nike-Mann Feldmann abwiegelt: "Wir haben unsere strategische Ausrichtung und lassen uns bei unseren Plänen nicht von äußeren Einflüssen verrückt machen." Er macht aber auch keinen Hehl daraus, "dass Borussia Dortmund natürlich für uns interessant wäre", derzeit jedoch noch keine Möglichkeiten zu sehen seien.

Derzeit hat Nike mit dem 1. FC Kaiserslautern, Hertha BSC Berlin, 1860 München und dem Hamburger Sportverein noch vier Bundesliga-Vereine im Portfolio - für Branchenkenner zu wenig. Ein Insider: "Nike wurde von Adidas durch den Deal mit Bayern derart genötigt, dass dem Unternehmen nichts anderes übrig bleibt, als mit dem BVB nachzuziehen."

Kampf um Top-Teams beschert kleineren Ausrüstern neue Chancen

Weil sich die beiden Branchenriesen auf die internationalen Topklubs konzentrieren, werden nun für die kleineren Sportartikler auch Vereine mit gutem Image frei. "Es ist schon richtig, dass sich der Markt durch die derzeitige Konstellation für die übrigen Ausrüster weiter öffnet", sagt Arnold Trentl, Geschäftsführung Vertrieb und Marketing der Jako Sportartikel GmbH.

So sieht man es auch im Hause der Lotto Sport Deutschland GmbH. Noch beschränkt sich die Marke auf Vereine in der zweiten Liga - mit dem Ziel, dort "erster Ausrüster zu werden". Die Italiener rüsten unter anderem Aufstiegskandidat Mainz 05 aus. Doch Olaf Starnberg, Verkaufs- und Marketingleiter, lässt durchblicken, dass man in Richtung erste Liga blickt: "Traditions- und Kultvereine wie Borussia Mönchengladbach, der FC St. Pauli oder 1860 München passen gut zur Marke Lotto".

Im Fall Gladbach könnte sein Wunsch schon 2003 in Erfüllung gehen, denn dann steigt der jetzige Ausrüster Reebok aus. "Reebok ist in Deutschland keine große Fußballmarke, und wir werden dieses Thema in Zukunft nicht mit großen Marketingaktivitäten unterstützen", erklärt Rebekka Kröger, Leiterin Marketing Central Europe bei Reebok. Auch beim bisherigen Adidas-Verein VfB Stuttgart zeichnet sich ein Ausrüster-Wechsel ab. Derzeit laufen bei den Schwaben Vertragsverhandlungen, möglicher Nachfolger könnte Nike sein.

Vereinen aus der zweiten Reihe droht Preisverfall

Doch die Klubs der zweiten Reihe stehen vor einem Problem: "In Zukunft werden Ausrüsterverträge einen Preisverfall von bis zu 50 Prozent haben", gibt Lotto-Mann Starnberg gegenüber "Sponsors" die Marschrichtung vor. Adidas-Sprecher Jan Runau wird deutlicher: "Viele Vereine können froh sein, wenn sie überhaupt noch jemand ausrüstet."

Nachdem sich heute alles auf die großen Teams konzentriert, ist ein Preisverfall für mittelmäßige Vereine anscheinend die logische Konsequenz. So darf sich ein im Mittelfeld platzierter Verein künftig noch auf Einnahmen aus Ausrüsterverträgen zwischen einer halben und einer Million Euro einstellen.

"Die Schere zwischen den großen und kleineren Vereinen im Hinblick auf die wirtschaftliche Situation geht weiter auseinander", blickt Kay Habermaier, bei der Puma AG für Fußball verantwortlich, in die Zukunft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%