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Der Kampf mit dem engeren Anzug

Walter Hofer stand in Berlin auf der Straße des 17. Juni und bemühte sich, nicht in eine der vielen Pfützen zu treten, die sich vor ihm auftaten. In seinem Rücken streckte sich die kleine Sprungschanze in die Höhe, die der Fernsehsender RTL am vergangenen Mittwoch vor dem Brandenburger Tor aufgebaut hatte.

BERLIN. Mit dieser Aktion versuchte der Sender auf seine Berichterstattung über Skispringen hinzuweisen. Die Anwesenheit des Renndirektors des Internationalen Skiverbandes (Fis) gab der seltsamen PR-Veranstaltung auf der Mini-Schanze einen offiziellen Anstrich. "Damit habe ich kein Problem", sagte Hofer, "ich bin hier auf Einladung des Deutschen Skiverbandes, um Abstimmungsgespräche zu führen."

Es gibt noch einiges zu besprechen vor dem Start der neuen Skisprung-Saison am Freitag in Kuusamo. Für das Hauptgesprächsthema hat Walter Hofer selber gesorgt, indem er mit seinem Verband neue Vorschriften für die Sprunganzüge beschloss. Nun sitzen die Anzüge enger am Körper. Der Pole Adam Malysz kam sich bei seinen ersten Sprüngen vor, als würde er in einer Badehose springen.

Auch Sven Hannawald hatte anfangs Probleme mit dem neuen Outfit. "Inzwischen hat sich das bei mir drastisch geändert", sagte Hannawald, "ich hatte in St. Moritz ein super Training." Mit der Regeländerung reagierte der Skiverband auf eine Modeerscheinung des vergangenen Winters. Seit Jahren reduzierte der Verband den Stoff bei den Anzügen, um dem Trend zu den zu leichtgewichtigen Springern entgegenzuwirken. "In diesem Jahr aber mussten wir zwei Schritte auf einmal gehen, weil der letztjährige von den Athleten nicht nachvollzogen wurde", sagt Hofer. Als erstes Team hatten die Österreicher in der letzten Saison eine Lücke bei den in den Regeln festgeschriebenen Abmessungen entdeckt. Sie ließen sich einen Anzug schneidern, bei dem der Schritt sehr tief lag. Die Springer sahen aus wie Hip-Hop-Fans in Schlabberhosen. Der Stoff bot der Luft zusätzliche Auftriebsfläche und trug die Springer länger und weiter zu Tal. Die anderen Nationen zogen im Laufe der Saison nach. "Im letzten Jahr hatte wir einen kleinen Fallschirm dabei", erinnert sich Martin Schmitt. In dieser Saison wird er ohne diese Hilfe auskommen müssen.

Das fehlende Stück Stoff macht das Springen gefährlicher. "Der Aufprall wird stärker", sagt der ehemalige Skispringer Dieter Thoma. Durch den geringeren Luftwiderstand im Anlauf fahren die Springer mit ein bis zwei Kilometern pro Stunde schneller über den Schanzentisch. In der Luft ändert sich die Flugkurve, weil die Springer nicht mehr segeln können wie im Vorjahr.

"Die Flugkurve wird ballistischer", sagt Hofer. Das macht das Springen gefährlicher, weil die Athleten mit einer höheren Geschwindigkeit und in einem steileren Winkel landen. Bänder und Gelenke müssen dann einem größeren Druck standhalten.

Aus Sicherheitsgründen muss die Jury nun noch genauer darauf achten, den richtigen Anlauf zu wählen. "Wir lassen nicht mehr so weit springen, um die Landung in einen steileren Bereich zu führen", sagt Hofer.

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