Der Kampf vor dem Kampf
ARD und ZDF träumen vom Megafight

Das Zuschauerinteresse am Boxen in ARD und ZDF hält sich bislang in Grenzen, weil große Kämpfe fehlen. Das Duell der Weltmeister Ottke und Michalczewski soll das ändern.

Im Triumph vergisst auch Wilfried Sauerland mal eine Abmachung. Gerade hat sein Boxer Sven Ottke den WM-Titel gegen Joe Gatti verteidigt. Da meint Sauerland, es sei Zeit, einen würdigen Gegner herauszufordern: Den in Diensten des Konkurrenz-Boxstalls Universum stehenden Dariusz Michalczewski. Sauerland bot via TV zwei Millionen Euro, wenn der "Tiger" mit Ottke in den Ring steigt. Seit Monaten verhandelten Sauerland und Universum schon über den Kampf der Giganten - intern, so war es abgemacht. Bis Sauerland gegen die Vereinbarung verstieß.

Universum-Chef Klaus-Peter Kohl ärgert sich darüber zwar inzwischen nicht mehr, doch ob, wann und auf welchem Sender der Kampf stattfindet, ist weiterhin völlig unklar. Es geht um Geld, Gewicht und Eitelkeiten.

Es wäre ein Kampf der Superlative: "Tiger" Michalczewski, Weltmeister des Weltverbandes WBO, gegen das "Phantom" Ottke, Weltmeister der IBF. Alle 47 Profikämpfe hat der "Tiger" gewonnen, 36 durch K.o., Ottke siegte in all seinen 28 Profikämpfen, sechsmal durch K.o. Eine historische Niederlage ist garantiert. "Möglich ist sogar, dass der Verlierer seine Karriere beendet", sagt Christian Meyer, Geschäftsführer der Sauerland Ottke ist immerhin schon 35 Jahre alt, Michalczewski 34.

Garantiert wären auch Einschaltquoten, wie sie Boxen im deutschen Fernsehen lange nicht gebracht hat. Die Frage ist nur, für welchen Sender. Ottkes Fäuste fliegen seit dem Jahr 2000 in der ARD, Michalczewskis seit Sommer im ZDF. "Zehn Millionen Zuschauer sind realistisch", sagt Karl-Günther Wollscheid, ARD-Programmgeschäftsführer Sport. Zum Vergleich: Der WM-Kampf Michalczewskis gegen Richard Hall im ZDF hielt vor knapp zwei Wochen trotz Spannung, Blut und geschwollenen Augen nur 2,74 Millionen Zuseher wach - weniger als das zuvor ausgestrahlte Sportstudio.

ARD und ZDF haben großes Interesse, den Kampf zu übertragen. Schließlich ist er laut Wollscheid "das Beste, was das deutsche Boxen derzeit bietet". Und die Sender müssen die teuren Boxrechte - allein das ZDF soll für einen leistungsbezogenen Fünf-Jahres-Vertrag bis zu 200 Millionen Mark bezahlt haben - gegenüber dem Gebührenzahler rechtfertigen. Eine gütliche Lösung hätte Universum-Geschäftsführer Peter Hanraths parat: "Hin- und Rückkampf bei je einem Sender."

Damit könnte die ARD leben. Wenn sich die Boxställe aber nicht auf zwei Kämpfe einigen, käme es laut Wollscheid zu konkurrierenden Angeboten. "Wir zahlen aber nicht jeden Preis", stellt er klar. Michalczewski müsse "die Forderung von vier Millionen Euro deutlich senken". Für die Mainzer ist dagegen klar, dass der Kampf im ZDF stattfindet: "Michalczewski ist Titelträger der Klasse, in der gekämpft wird", sagt Sportchef Wolf-Dieter Poschmann. Daraus folge, dass Universum den Kampf veranstalte und das ZDF übertrage.

An den Boxställen soll der Fight auf jeden Fall nicht scheitern. Kohl, der neben dem "Tiger" auch die Klitschko-Brüder managt, will "alles versuchen", dass der Kampf stattfindet, und die Gespräche mit Sauerland intensivieren. Auch Sauerland will das Duell: "Entscheidend ist aber, dass das Fernsehen den Hauptteil der Finanzierung sichert", sagt seine rechte Hand Meyer. Das aber sei angesichts der Forderungen Michalczewskis mehr als fraglich. Ottke vermutet sogar, dass Michalczewski "nicht boxen will". Der Tiger wisse ganz genau, dass "kein Mensch" vier Millionen Euro zahlt.

Gering wiegt bei all den Streitpunkten ein anderes Problem: Ottke kämpft bislang im Supermittelgewicht, Michalczewski im Halbschwergewicht. Ottke müsste also ein paar Kilo zulegen. Kein Problem? Doch: Sauerland fordert, das Wiegen der Boxer nicht wie üblich am Tag vor dem Fight, sondern am Kampftag durchzuführen. "Darüber kann man sich aber einigen", sagt Hanraths. Na also. Kompromissbereitschaft ist da. Damit der Tiger mehr als einem Phantom nachjagen kann.

Quelle: Handelsblatt

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