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Der Kassen-Indikator

Wo merkt man, wie es um den Arbeitsmarkt in einem Land bestellt ist? An der Supermarktkasse! Hier sitzen zumeist Menschen, die eher einen Job haben als einen Beruf.

Wo merkt man, wie es um den Arbeitsmarkt in einem Land bestellt ist? An der Supermarktkasse! Hier sitzen zumeist Menschen, die eher einen Job haben als einen Beruf. Und in London merkt man sehr deutlich, dass so gut wie Vollbeschäftigung herrscht und die Arbeit an der Kasse nicht zu den begehrtesten Aufgaben gehört.
Im riesigen Supermarkt an der nächsten Kreuzung schieben Familienväter und -mütter extragroße Einkaufswagen voller "Nimm zwei zum Preis von einem"-Packungen durch die breiten Gänge. Es gibt über 20 Kassen, doch das Auschecken dauert immer mindestens eine Viertelstunde. Das liegt weniger an übermäßigem Gedränge als an die Nerven strapazierendem Personal. Etwa an der jungen Frau mit dem Kaugummi im Mund und dem rudimentären Englisch. Jedes Toastbrot und jeden Margarinebecher dreht sie bedächtig einmal von oben nach unten und dann um die eigene Achse, bis der Scanner den Barcode erwischt. Biep. Dann probiert sie aus, wie das Stück am besten in die Tüte passt. Raschel. Unter einer Minute pro Produkt geht das kaum ab. Hoffen muss man allerdings, dass ihre Freundin nicht mit dem neuesten Tratsch vorbeikommt, das geht dann vor.
Wenig schneller, aber dafür netter ist es, wenn man Heather erwischt. Sie ist Mitte siebzig und macht den Job Sonntags, um die Rente aufzubessern. Fröhlich plaudert sie, doch der Kreditkartenleser ist nicht ihr Freund. Mühsam peilt sie durch das Lesefenster ihrer dicken Brille die LCD-Anzeige an. Aber Sonntags hat man ja Muße und kann sich freuen, wenn man nicht wie an der deutschen Supermarktkasse, wo es im Sekundentakt piept, wie ein Akkordmalocher einpacken muss.
Dafür mangelt es nie an Personal und das Auschecken wird von einer Fachkraft dirigiert, die einen zur richtigen Kasse lotst. Das ist eine große Hilfe. Zum Beispiel im Sainsbury's um die Ecke vom Büro. Ein schmaler Schlauch von Laden, ganz auf den eiligen City-Arbeiter abgestellt. Abgepackte Sandwiches, Fertiggerichte, Obstsalat, Joghurt, Schokoriegel und Chips, Wein zur Entspannung am Abend. Einkaufswagen passen gar nicht erst durch die schmalen Gänge, mehr als fünf Teile hat hier eh keiner. Der Laden hat 15 Kassen, gut einsehbar in einer Reihe, und davor stellen sich alle in einer einzigen langen Schlange auf. Über jeder Kasse eine große rote Leuchtanzeige mit der Nummer drauf. Die blinkt, sobald eine Kasse frei wird und dazu tönt eine Lautsprecherstimme "Kasse 14, bitte". Gut organisiert? Nein, das reicht noch nicht. Vorne an der Wartelinie steht noch ein freundlicher Mitarbeiter und weist einen freundlich auf die freie Kasse hin. Das ist Kundendienst !

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