Der Kaufpreis von 400 Mill. € soll in Aktien bezahlt werden
Ericsson verkauft Mikroelectronik-Sparte an Infineon

Der Halbleiterhersteller Infineon will die Chip-Produktionssparte des schwedischen Telekom-Ausrüsters Ericsson übernehmen und damit seine Abhängigkeit vom krisengeschüttelten Speicherchip-Geschäft verringern.

rtr MüNCHEN. Der Kaufpreis von 400 Mill. ? solle in Aktien bezahlt werden, teilte Infineon am Mittwoch mit. Mit dem Zukauf, der vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden noch im Sommer realisiert werden soll, werde Infineon zu einem strategischen Zulieferer für Ericssons Kerngeschäfte mobile Infrastruktur und Mobiltelefone. Die beiden Technologiekonzerne wollen zudem ihre Zusammenarbeit im Mobilfunk erweitern. Analysten begrüßten den Zukauf. Allerdings sei die Übernahme angesichts des Kaufpreises nicht gerade ein Schnäppchen, sagten sie. Die Infineon-Aktie verlor bis zum Nachmittag fünf Prozent auf rund 15,80 ?.

In seiner Mikroelektronik-Sparte MIC stellt Ericsson vor allem Chips für Mobilfunknetze und Handys her. Angesichts der schwachen Nachfrage nach Telefon-Infrastruktur war der schwedische Konzern in die roten Zahlen gerutscht und will nun durch die Trennung von Geschäften, die nicht zum Kernbereich gehören, wieder in die Gewinnzone zurückkehren. "Wir sehen das als wichtigen Schritt bei der Konzentration auf unser Kerngeschäft", erklärte Ericsson-Chef Kurt Hellstrom.

Auch Europas zweitgrößter Chiphersteller Infineon schreibt Verluste. Dabei leidet der Münchener Konzern vor allem unter dem Preisdruck bei Speicherchips (DRAMs), die rund 27 % des Konzernumsatzes ausmachen. Infineon hatte immer wieder betont, diese Abhängigkeit verringern und das Geschäft mit Chips für die Telekommunikation ausbauen zu wollen.

Infineon stärkt Kommunikationssparte

Infineon übernehme von Ericsson rund 700 Mitarbeiter sowie Produktionsstätten und Forschung- und Entwicklungseinrichtungen. Etwa 600 Mitarbeiter der Mikroelektronik-Sparte in zwei Stockholmer Werken verblieben bei dem schwedischen Ausrüster.

"Diese strategische Kooperation wird unser Geschäft im Kommunikationssegment wesentlich stärken", erläuterte Infineon-Chef Ulrich Schumacher auch den strategischen Sinn der Akquisition. Im vergangenen Jahr habe die Ericsson-Sparte bei einem Umsatz von gut 200 Mill. ? noch rote Zahlen geschrieben. Im nächsten Infineon-Geschäftsjahr 2002/2003 (zum 30. September) werde das bereits anders sein, stellte Schumacher in einer Telefonkonferenz in Aussicht: "Im nächsten Infineon-Geschäftsjahr soll das Geschäft profitabel sein." Dabei sehe er zudem ein Umsatzpotenzial von 250 bis 300 Mill. ?.

Im laufenden Jahr würde der Zukauf den Umsatz der Kommunikationssparten von Infineon (drahtgebundene und drahtlose Kommunikation sowie Chipkarten) um rund zehn bis 13 % auf rund zwei Mrd. ? anheben. Im vergangenen Jahr hatte Infineon noch 2,35 Mrd. ? in diesen Bereichen erlöst.

Mit der Übernahme der Ericsson-Sparte werde Infineon seine Kompetenz in den Bereichen Bluetooth und Hochfrequenzkomponenten für Mobiltelefone sowie in der mobilen Infrastruktur ausbauen, teilte der Konzern weiter mit. MIC ist den Angaben zufolge einer der größten Lieferanten von so genannten Bluetooth-Komponenten, einem Standard für Kurzstreckendatenfunk. Im Infrastrukturmarkt sei MIC einer der größten Hersteller von so genannten High-End-Leistungsverstärkern und ein wichtiger Zulieferer von Ericsson.

Analysten sehen Preis als "gerade noch vertretbar"

Analysten begrüßten grundsätzlich die Übernahme der Chip-Produktionssparte von Ericsson. "Der Preis ist hoch, aber gerade noch vertretbar. Der Markt hatte eigentlich mit einem Preis in Höhe des einfachen Umsatzes gerechnet. Dieser dürfte so bei 250 Mill. ? liegen", sagte Rüdiger Kühnle, Analyst der Baden Bank. -Württembergischen Strategisch mache die Akquisition aber Sinn, da Mikroelektronik für Mobiltelefone langfristig Wachstumspotenzial verspreche. Zudem verringere Infineon seine hohe Abhängigkeit vom Geschäft mit DRAM-Speicherchips. Auch Michael Bahlmann, Analyst bei M.M. Warburg, wertete den Zukauf positiv. Gut sei auch, dass der Kaufpreis in Aktien bezahlt werde, so dass die Liquidität von Infineon nicht belastet werde.

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