Der kleine Unterschied - Auch bei der Altersvorsorge
Frau sorgt vor

Frauen haben bei der Geldanlage das bessere Händchen, heißt es. Sie setzen auf Sicherheit und haben bei Investments den längeren Atem. Den brauchen sie auch. Denn bei der gesetzlichen Altersvorsorge sind sie deutlich schlechter gestellt als ihre männlichen Kollegen. Babypausen, Halbtagsjobs und Gehaltsunterschiede bremsen die zukünftigen Rentnerinnen aus.

DÜSSELDORF. Eine zusätzliche private Altersvorsorge ist deshalb für Frauen noch dringender als für Männer. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). Bei drei Viertel der 30- bis 59-jährigen Frauen in Deutschland werden danach die Einkommen im Alter nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken. Das gilt insbesondere für Frauen, die nur auf die gesetzliche Rentenversicherung bauen.

Fast ein Viertel der Frauen muss im Alter mit einer Versorgungslücke von rund 500 Euro im Monat rechnen. Dazu kommt: Zwei Drittel der Befragten überschätzen ihre Rentenansprüche.

Bei Hausfrauen ist die Situation laut DIA-Studie besonders prekär. Nur 34 Prozent haben einen Anspruch auf eine gesetzliche Rente. Dennoch sorgen nur 32 Prozent privat vor. Entsprechend groß ist die Abhängigkeit vom Ehemann. Bei einer Scheidung sind meist die Frauen - trotz Ausgleich der Rentenansprüche - die Verlierer in punkto Rente.

Frauen haben zudem eine höhere Lebenserwartung, das heißt, das Geld muss im Alter länger reichen. Auf die Witwenrente können sie sich dabei nicht verlassen. Hier wurde bei der Rentenreform kräftig gekürzt. Bei der Anrechnung der Kindererziehungszeiten hat der Staat zwar nachgelegt, dennoch wird die Differenz zu einer lückenlosen männlichen Erwerbsbiographie lange nicht ausgeglichen.

Der kleine Unterschied

Bei der gesetzlichen Altersrente klafft auch in Zukunft eine große Kluft zwischen Mann und Frau. Nach Berechnungen des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger erhalten Männer durchschnittlich rund 1040 Euro (neue Bundesländer) bzw. 970 Euro (alte Bundesländer) Rente im Monat. Frauen müssen dagegen mit etwa 610 (437) Euro auskommen. Von der Altersarmut sind deshalb vor allem Frauen bedroht.

Eine Familienpause frisst wertvolle Einkommensjahre. Deshalb müssen gerade Frauen rechtzeitig vorsorgen. Je früher desto besser. Die Geldanlage muss flexibel sein und zur jeweiligen Lebenssituation passen. Wer schon in jungen Jahren etwas fürs Alter zurücklegt, hat bereits einen ordentlichen Betrag zusammen, wenn das erste Kind dann kommt. Auch wenn es nicht immer leicht ist, bei der Rückkehr ins Berufsleben sollte der Aufbau der eigenen Altersvorsorge natürlich weiter gehen.

Und: Selbst wenn es einem schmeichelt, sollten Frauen nicht blind auf spezielle "Lady-Investments" anspringen. Unter Umständen steckt hinter dem vermeintlichen Spezialpaket - geschickt verpackt - der ganz normale Tarif. Ob Kapital-Lebensversicherung, Berufsunfähigkeitspolice oder Fondssparplan, hier gilt: Mehrere Angebote vergleichen.

Punkt, Punkt, Komma, Strich

Die Rentenreform selbst ist mit ein Versuch zu einer gerechteren Behandlung von Erziehenden im Vergleich zu Kinderlosen. Bei der Berechnung der gesetzlichen Rente wird die Kindererziehung künftig stärker berücksichtigt. Denn Frauen ohne Kinder haben den Rücken frei und in der Regel mehr finanzielle Möglichkeiten um sich eine eigene Altersversorgung aufzubauen. Ehepartner mit Kind sind dagegen auf eine angemessene Versorgung angewiesen.

Mütter oder auch Väter, die sich um die Kinder kümmern, arbeiten oft nur stunden- oder tageweise im Beruf. Damit sich die Zeit des niedrigeren Verdienstes später nicht so stark auf die Rente auswirkt, werden die Kindererziehungszeiten nach der Rentenreform stärker berücksichtigt. Für jedes nach 1992 geborene Kind werden dem erziehenden Elternteil drei Jahre lang 100 Prozent statt bisher 75 Prozent eines Durchschnitts-Einkommens auf dem Rentenkonto gutgeschrieben. Arbeiten Vater oder Mutter Teilzeit, wird ihr Einkommen um 50 (aber maximal auf 100) Prozent eines Durchschnittseinkommens aufgewertet.

Auch die Rentenbeiträge von nicht Erwerbstätigen wurden mit der Riester-Reform erhöht. Falls zwei oder mehr Kinder betreut werden, werden bei der Berechnung der Rente je Kind drei Jahre Erziehungszeit mitgezählt.

Bei der Witwenrente wurde gekürzt. Wer nach 1961 geboren ist, bekommt vom Staat nur noch 55 statt bisher 60 Prozent vom Verdienst des verstorbenen Ehepartners als Rente ausbezahlt.

Dafür wird bei der Hinterbliebenenrente künftig die Kindererziehung belohnt. Für Mütter, die Witwenrente beziehen, rechnet die staatliche Rentenkasse für das erste Kind zwei Entgeltpunkte dazu. Das ist so viel, wie ein Durchschnittsverdiener für zwei Jahre Arbeit bekommen würde. Für jedes weitere Kind gibt es einen zusätzlichen Punkt. Wer nachrechnet stellt schnell fest: Die Begünstigung der Kindererziehungszeiten ist finanziell keine große Hilfe, entspricht ein Entgeltpunkt doch gerade mal einer späteren Monatsrente von 25,31 Euro.

Für verheiratete Frauen hat der Gesetzgeber zudem eine neue Variante der Hinterbliebenenversorgung geschaffen. Wer jünger als 40 Jahre ist, kann künftig das Rentensplitting wählen. Dabei werden die lebenslangen Rentenansprüche, die Mann und Frau im Laufe ihres Berufslebens angesammelt haben, zu einer Rente zusammengerechnet und dann durch zwei geteilt. Sobald ein Ehepartner ins Rentenalter kommt, kann man sich für diese Lösung entscheiden. Stirbt einer von beiden, wird so der Einkommensunterschied zwischen Mann und Frau ausgeglichen. Doch Vorsicht: Wer sich einmal für das Splitting entschieden hat, kann nicht mehr zurück. Auch eine Scheidung macht die "geteilte Rente" nicht mehr rückgängig.

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