Der kommende T-Online-Chef ist smart und eloquent
Thomas Holtrop - der neue Robert T. Online

Die Telekom-Tochter T-Online International hat nach langer Suche endlich einen neuen Chef gefunden: Den 45-jährigen bisherigen Marketing-Vorstand der Deutschen Bank 24.

HB DÜSSELDORF. Thomas Holtrop ist ein großes Verkaufstalent. Und das in zweifacher Hinsicht. Zum Einen ist der fast an die zwei Meter heranreichende Mann groß gewachsen. Zum Anderen versteht er es glänzend, sich selbst zu inszenieren. Das hat er seinem Vorgänger, Ex-T-Online-Chef Wolfgang Keuntje auf jeden Fall voraus, der bei seinen öffentlichen Auftritten stets etwas hölzern und unbeholfen wirkte.

Das dezente Grau in den Haaren hat Holtrop, 45, mit Ron Sommer, 51, gemeinsam. Und so wie der Chef der Deutschen Telekom kann auch Holtrop, smart und eloquent, seine Zuhörer in den Bann ziehen. Insofern ist er die ideale Besetzung für den Chefposten bei der Telekom-Tochter: Holtrop, der neue Robert T. Online.



Holtrop muss die innerbetrieblichen Wogen glätten

Doch die Außenwirkung zu verbessern, ist nicht seine vorrangige Aufgabe, wenn er den Job zum 1. Januar 2001 antritt. Zunächst muss Holtrop die innerbetrieblichen Wogen glätten, die der Weggang Keuntjes und drei weiterer Vorstände ausgelöst haben. Die Rückendeckung vom Konzernchef hat er: "Holtrop ist eine exzellente Führungspersönlichkeit mit hoher Fachkompetenz", sagt Ron Sommer.

Immerhin benötigte der Telekom-Chef ein Vierteljahr, um einen Nachfolger für Keuntje zu finden. Sonderlich groß war das Interesse an dem vakanten Spitzenjob bei Europas größtem Online-Provider offenbar nicht, gilt doch der Handlungsspielraum, den Sommer den Chefs seiner Tochterfirmen lässt, als eher gering. Zwar wurden bereits I-D-Media-Boss Bernd Kolb und United-Internet-Gründer Ralph Dommermuth als neue Chefs gehandelt, jedoch wünschte sich Sommer einen Mann, der sich "sowohl mit Medien und Inhalten als auch dem Internetgeschäft gut auskennt".



Mit virtuellen Unternehmen kennt sich Holtrop aus

Den hat er nun gefunden. Mit virtuellen Unternehmen kennt sich Holtrop aus. Der gebürtige Dortmunder baute ab 1996 die Bank 24 innerhalb kürzester Zeit zu einem Markenartikel auf. Als das Unternehmen dann im September 1999 mit dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank fusioniert wurde, verantwortete Holtrop die gesamte Marketingsstrategie für die neue Deutsche Bank 24, die in der Kombination von Online- und Filialgeschäft nicht nur für die Deutsche Bank ein Novum war.

60 Millionen Mark sollen, so schätzen Branchenkenner, in die gesamte Einführungskampagne geflossen sein. Ein teures Feuerwerk, das allerdings in den Augen von Herbert Walter, den Deutsche-Bank-24-Chef, nicht die gewünschte nachhaltige Wirkung am Markt hatte. Vielleicht war Holtrop deshalb gar nicht abgeneigt, als sich jüngst Headhunter bei ihm meldeten.

Denn in der Novemberausgabe von "Vorhaben", der Hauszeitschrift der Deutschen Bank, konnte er nachlesen, dass sein jetziger Chef Walter als neuer Leiter der zusammengeführten Bereiche Vertrieb und Marketing Walter vorgesehen war. Thomas Holtrop wäre in der neuen Führungsstruktur nur noch für Vertrieb und Marketing-Services zuständig gewesen. Viel spricht dafür, dass diese Konstruktion mit Fokussierung auf vier neue Geschäftsfelder nicht erst in den vergangenen Wochen geboren wurde. Das will die Deutsche Bank 24 offiziell nicht bestätigen. Holtrop habe, heißt es in Frankfurt, "einen ausgezeichneten Job gemacht".



Holtrop ist ein Branchenneuling

Der Gelobte begann seine Karriere im Tourismus beim Club Mèditerranèe und den Robinson-Hotels, bevor er als Geschäftsführer zur Werbeagentur Springer & Jacoby wechselte. Vor sechs Jahren rückte er dann in den Vorstand von American Express in New York auf. Ab 1996 war er schließlich am Aufbau der Bank 24 beteiligt.

Holtrop ist ein Branchenneuling. Allerdings hat er einst Psychologie an der Uni Freiburg studiert. Ob ihm das hilft, den durch anhaltene Personalquerelen verunsichterten Mitarbeitern von T-Online neuen Mut zu machen?

Die Börse jedenfalls ist skeptisch. Auch nach seiner Ernennung zum neuen Vorstandschef blieb der Aktienkurs auf Talfahrt.

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