Der Konjunktureinbruch veranlasst die deutsche Fluggesellschaft zu einem neuen, harten Sparkurs
Lufthansa kann die Krise noch am besten abfedern

Nach all den Hiobsbotschaften in der Luftfahrtbranche muss man die Halbjahreszahlen der Deutschen Lufthansa als überraschend gute Nachricht werten. Ja, es gibt sie tatsächlich noch: Fluggesellschaften, die trotz weltweiter Konjunkturflaute operative Gewinne einfliegen.

HB DÜSSELDORF. Gewiss: Auch das Ergebnis der Kranich-Airline ist im Vorjahresvergleich um mehr als zwei Drittel eingebrochen. Doch im Vergleich zur Konkurrenz nimmt die Lufthansa damit noch immer eine Ausnahmestellung ein. Quer über den Globus hagelt es rote Zahlen. In den USA etwa sehen die Ergebnisse weit schlechter aus. Dort hat der Lufthansa-Partner United Airlines im ersten Halbjahr 2001 Verluste eingeflogen, die in der Höhe nur von der weltweit größten Fluggesellschaft übertroffen wurden: AMR, die Muttergesellschaft von American Airlines, wies zur Jahresmitte einen Verlust von mehr als einer halben Milliarde US-Dollar aus.

Ergebnisse wie diese zeigen, dass die Luftfahrtbranche nach wie vor überaus sensibel auf Konjunktureinbrüche reagiert. Die Wirtschaftsflaute sorgt weltweit dafür, dass immer mehr Unternehmen zu Sparmaßnahmen greifen und auf Flugreisen entweder ganz verzichten - oder zumindest auf die teuren Sitze in der Business-Class. Das erklärt den scharfen Einbruch in der Luftfahrtbranche: Bei einigen Airlines machen Geschäftsreisen fast zwei Drittel des Umsatzes aus.

Lufthansa kann sich diesem Trend nicht entziehen. Zwar ist das Unternehmen nicht mehr allein im reinen Fluggeschäft aktiv, weshalb Konzernchef Jürgen Weber die Bezeichnung Fluggesellschaft mit zunehmender Begeisterung durch den Namen Aviation-Konzern ersetzt. Der schicke englische Branchenbegriff ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass das Geschäft der Lufthansa - trotz intensiver Bemühungen um Diversifikation - nicht wesentlich konjunktur-resistenter geworden ist. Auch die Touristikbranche sowie die Lufthansa-Sparten Cargo, Catering und technische Dienstleistungen hängen eben mehr oder weniger deutlich am Konjunkturzyklus. Den einen Bereich trifft es früher, wie die bereits drastisch eingebrochene Cargo-Sparte, andere später.

Steigende Kosten müssen bekämpft werden

Belastende Faktoren kommen hinzu und verschärfen die Krise am Himmel. Lufthansa muss jetzt vor allem die enorm steigenden Kosten bekämpfen: Im Vergleich zum Vorjahr gab die Kranich-Airline allein 196 Mill. Euro mehr für Kerosin aus. Gebührenerhöhungen schlagen sich nach Brancheneinschätzungen mit rund 80 Mill. Euro nieder, der Aufschlag auf die Pilotengehälter kostet das Unternehmen weitere 125 Mill. Euro. Nach den Pilotenstreiks, die einmalig mit weiteren 75 Mill. Euro zu Buche schlagen, und neuen Tarifabschlüssen klettert der Personalaufwand bei Lufthansa um 14,4 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro. Im Management des Kranichfliegers leuchten deshalb die Signallampen - ein neuer, harter Sparkurs muss her. Vorstandschef Weber hat bereits deutlich gemacht, dass er den Druck auf die operativen Einheiten kräftig erhöhen will.

"Programm 15", so nannte sich einst die Kostensenkungs-Maßnahme, die Lufthansa Mitte der 90er-Jahre auf Erfolgskurs brachte. Die Stückkosten pro angebotenem Sitzkilometer, der wichtigsten Messgröße für die Produktivität der Airlines, sollten damit auf 15 Pfennig gesenkt werden. Dank harter Sparmaßnahmen verbesserte die Kranich-Airline rasch ihre Produktivität. Inzwischen, so fürchten Beobachter der Szene, liegen die Stückkosten wieder deutlich höher.

So mancher Lufthansa-Manager mag stöhnen, die Einsparmöglichkeiten seien inzwischen ausgereizt. Weber gibt sich überzeugt, im Unternehmen noch Speck zu finden. So wird auch im Hause Lufthansa die nächste Sparrunde eingeläutet. Mit dem Unterschied, dass das "Programm 15" jetzt einen neuen, englischen Namen bekommen hat: "D-Check" - soll heißen: Alles muss auf den Prüfstand. Auf die Lufthanseaten, so viel ist sicher, kommen ungemütliche Zeiten zu.

Von den Gewinnen können andere nur träumen

Trotz allem: Von Gewinnen, wie sie die deutsche Airline im ersten Halbjahr 2001 noch immer ausweist, können andere Fluggesellschaften nur träumen. Ein Blick hinüber in die Schweiz genügt um zu sehen, dass es andere stolze Luftfahrtkonzerne weit schwerer erwischt hat. Nach einer kläglich gescheiterten Europa-Expansion befindet sich die lange Zeit als "fliegende Bank" gerühmte Swissair Group seit Monaten im Sturzflug. Spätestens nach dem weltweiten Konjunktureinbruch gerät die Aufgabe für den neuen Swissair-Chef Mario Corti zum Himmelfahrtskommando.

Damit mögen sich die Lufthansa-Manager trösten und auch all jene Aktionäre, die bis vor kurzem darauf spekulierten, Lufthansa könne über den Wolken eine Einbahnstraße des Wachstums gefunden haben. Die Straße endet an einem Stoppschild mit dem Hinweis: Vorsicht, Konjunkturdelle!

Bei Lufthansa muss ein neuer Sparkurs her. Sein Name: "D-Check"

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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