Der Konzern ist einer der traditionsreichsten und größten Sponsoren weltweit
Bayer AG: Sport wird zur Chefsache

Die ausgegliederte Fußball GmbH ist das Aushängeschild des Sportengagements von Bayer. Daran hat auch der Fall Daum nichts geändert. Doch auch alle weiteren Berufs-, Breiten- und Behindertensportler spielen im Sponsoring-Konzept des Konzerns eine große Rolle.

Die Umfragen auf der Straße ergaben alle das gleiche Bild: "Zu Bayer fällt den Leuten Aspirin, Chemie und Sport beziehungsweise Fußball ein. Und zwar in dieser Reihenfolge", erzählt Meinolf Sprink, Sportbeauftragter des Bayer-Konzerns.

Wohl kaum ein anderes deutsches Unternehmen hat ein solch enges und historisch gewachsenes Verhältnis zum Sport und zum Sportsponsoring wie die Bayer AG. Sprink geht sogar noch weiter: "Unser Drei-Säulen-Modell mit dem Profitsport, dem Breiten- und Behindertensport ist weltweit einzigartig."

Weitgehend einzigartig dürfte auch seine Stelle sein. Der studierte Betriebswirt und ausgebildete Journalist bezeichnet sich selbst als "Bindeglied zwischen den Vereinen und dem Konzern". Sportlich schaffte es der 43-Jährige mit dem TTC Neuss bis in die Zweite Tischtennis-Bundesliga. Den Job als Sportbeauftragten übernahm er nach einem halben Jahr Einarbeitungszeit Anfang 2000 von Jürgen von Einem, der diese Stelle erstmals bekleidete.

Sie wurde erst 1992 eingerichtet. Bis dahin war ein Mitglied des Konzernvorstands nebenbei für den Sport zuständig. Vorstandsvorsitzender Manfred Schneider habe damals gesagt, dass der Sport mittlerweile viel zu komplex geworden sei, um ihn nebenher zu machen. Daher schuf er die Stelle des Sportbeauftragten, der nun direkt an ein Vorstandsmitglied, in diesem Fall Werner Wenning, berichtet. "Einmal im Jahr gehe ich mit den Etatvorschlägen der Vereine unter dem Arm zu ihm, um das Zahlenwerk zu diskutieren", sagt Sprink.

Die Sportler hatten Glück: Ansprechpartner Wenning soll Ende April 2002 Schneiders Nachfolger werden. Bestimmt nicht schlecht, einen Manager an der Konzernspitze zu haben, der sich schon jahrelang mit Volleyball und Co. auseinander gesetzt hat. Der Sport wird zur Chefsache.

Wenning ist gleichzeitig Vorsitzender des Gesellschafter-Ausschusses der Profifußball-Abteilung; die Bayer 04 Fußball GmbH wurde am 1. April 1999 als 100-prozentige Konzern-Tochter ausgegliedert. Wie viel diese jährlich von der Mutter überwiesen bekommt, bleibt geheim. Schneider nannte jedoch einmal als Richtgröße eine erfolgsabhängige Summe "zwischen 15 und 20 Millionen Mark".

Kirsten und Konsorten sind natürlich "nationales wie internationales Aushängeschild", sagt Sprink. Das Erreichen der Champions League ist erklärtes Ziel, schließlich wird diese weltweit vermarktet. "Das führt zu großen Imageeffekten und hoher Awareness", fügt er hinzu, ganz Marketing-Mann. Ähnlich geschäftsmäßig und-tüchtig sieht er die ausländischen Spieler: Wenn in Brasilien über Nationalspieler Lucio oder zurzeit in Argentinien über einen möglichen Transfer von Jungstar Romagnoli berichtet wird, dann fällt auch der Name Bayer. Diesen Effekt kann "unsere Field Force" - sprich die Mitarbeiter und Vertreter vor Ort - nutzen.

Doch die Sportler im Allgemeinen und die Fußballer im Besonderen haben nach Sprinks Ansicht noch eine weitere wichtige Funktion: Sie sorgen für eine Bindung der Mitarbeiter zu ihrer Stadt. Rund 9 000 der 16 500 Leverkusener Dauerkarten-Inhaber sind oder waren bei Bayer angestellt. Besonders im Kampf um die viel zitierten "High Potentials" zählen die Athleten wichtig: "Leverkusen ist nicht Köln oder Hamburg. Um den Leitenden Mitarbeitern was zu bieten, ist der Sport ein so genannter weicher Standortfaktor." Champions-League-Spiele gegen den FC Barcelona oder Fenerbahce Istanbul heute Abend um 20.45 Uhr sollen also ein wenig weltläufigen Flair an die rechte Rheinseite bringen. Doch auch die Auswärtsspiele nutzt der Konzern - etwa für Hospitality-Maßnahmen. Allein zum Spiel in Lyon habe man 200 Kunden eingeladen.

Am 1. Juli 1904, damals hatte das Unternehmen noch 3 000 Beschäftigte, wurde der TuS 04 Leverkusen als erster deutscher Werksverein gegründet. 1928 ging aus ihm der SV Bayer 04 Leverkusen hervor. Den Wunsch nach einem eigenen Verein äußerten die Angestellten, sie wollten schlicht ihre Freizeit organisieren. Bis in die 80er Jahre trat der Konzern nur als Mäzen des Sports auf, dann im Profisport auch als Sponsor mit Renditeerwartungen. "In den 90er Jahren haben wir zudem aus Effizienzgründen an den Werks-Standorten Schwerpunkte gebildet: in Dormagen die Handballer, in Wuppertal die Volleyballer, Basketball und Fußball in Leverkusen", erläutert der Sportbeauftragte.

In den 90er Jahren gab es eine weitere Neuerung: Das Unternehmen warb mit Produktnamen auf den Trikots. Doch da gab es ein Problem: "Die Konsumenten kennen nur drei bis vier unserer Produkte." Der Geschäftsbereich Consumer Care beschloss daher nach wenigen Jahren, ab 2000 nicht mehr auf Fußball-Trikots und 2001 auch nicht mehr auf den Leibchen anderer Sportler zu werben. Andere Trikotsponsoren sollten her.

Im März 2000 habe man sich "gebenchmarkt", sagt Sprink. Wer könnte Interesse haben? Da sei man schnell auf die RWE gekommen, ein Unternehmen aus der Old Economy und somit eine Heirat unter Gleichen. "Hätten wir ein New-Economy-Unternehmen genommen und wären die dann Konkurs gegangen, hätte das einen Flurschaden gegeben", so Sprink. Angeblich zahlt RWE 40 Millionen Mark für drei Jahre.

Die Schattenseiten des Sports erfuhr Bayer spätestens bei dem Theater um die Drogenaffäre Christoph Daum. Ein Thema, bei dem sich Spring noch ein Jahr später in Rage redet. Vor allem Manager Reiner Calmund täte ihm leid für all das, was er in dieser Zeit hätte durchmachen müssen. Dennoch war der Fall Daum nur eine "Delle, der in keiner Weise den Aktienkurs beeinflusst und auch keinen langfristigen Imageschaden nach sich gezogen hat".

Dafür sei die Marke Bayer einfach zu stark. Dank Aspirin, der Chemie und dem Sport.

KOMPAKT

Von 1999 bis 2000 war die Bayer AG Hauptsponsor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Doch dieses Engagement bildete eine Ausnahme. Das Sportsponsoring-Konzept sieht vor, Vereine selbst zu tragen und - gemeinsam mit den Mitgliedern - zu finanzieren. In den 29 Klubs in den Werksstandorten Leverkusen, Wuppertal, Dormagen und Krefeld sind 53 000 Mitglieder organisiert, davon arbeitet weniger als die Hälfte beim Unternehmen. Der größte Verein ist der TSV Bayer 04 Leverkusen mit gut 10 000 Mitgliedern. Die Vorsitzenden der Klubs sind meist Leitende Angestellte des Konzerns. 200 Mitarbeiter - ohne die Fußballer - arbeiten hauptberuflich, rund 1000 weitere ehrenamtlich, bei den Vereinen, darunter viele ehemalige Top-Athleten. 55 Mal holten Sportler aus Bayer-Teams olympisches Edelmetall, der erste Olympiasieger war 1964 Zehnkämpfer Willi Holdorf, es folgten Stars wie Weitspringerin und Sprinterin Heide Rosendahl und Hochspringerin Ulrike Meyfarth. Im vergangenen Jahr in Sydney nahmen 30 Bayer-Athleten teil (unter anderem Zehnkämpfer Frank Busemann und Fechter Arnd Schmitt), bei den Paralympics 15. Denn neben dem Spitzensport hat sich Bayer stark dem Breiten- und Behindertensport verschrieben. Für die drei Säulen des Sports gibt der Konzern mindestens 25 Millionen Mark pro Jahr aus, je nach Geschäftsverlauf kommen noch so genannte Sonderspenden für beispielsweise Bauprojekte hinzu. Die Profifußball-Abteilung ist als derzeit noch 100-prozentige Konzerntochter ausgegliedert, sie wird angeblich mit weiteren 15 bis 20 Millionen Mark im Jahr unterstützt. Größter Erfolg war der Uefa-Cup-Sieg 1988.

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