Der KPN-Chef ist wegen seiner herzlichen Art sehr beliebt
Paul Smits - Der introvertierte Telekom-Stratege

Mit Partnerschaften, Teamarbeit und menschlicher Wärme will Paul Smits den niederländischen Telekomkonzern KPN voranbringen. Der scheue Vorstandschef gilt als komplettes Gegenteil seines Vorgängers Wim Dik.

BRÜSSEL. Rampenlicht mag er ganz und gar nicht. Und weil er bislang kaum von sich reden machte, ist Paul Smits auch weithin unbekannt. Für Aufsehen sorgt allerdings sein Vorhaben: Der seit März dieses Jahres amtierende Vorstandschef will den niederländischen Konzern KPN an die Spitze der europäischen Telekombranche bringen.

Der große Dunkelhaarige ist ein waschechter Telekom-Mann, während sein Vorgänger Wim Dik einst den verstaubten Telekom - und Postmonopolisten PTT führte. "Smits hat ein breit gefächertes Know-how und weiß worüber er spricht", sagen Mitarbeiter über den gelernten Ingenieur für Elektrotechnik, der 1983 zum KPN-Vorläufer PTT kam. "Er kann auch mit Technikern und Vertriebsleuten detailliert über deren Arbeit sprechen."

Als "Mann dieser Zeit" wird Smits beschrieben, der selbst oft im Internet surft. Seine Vision ist die vollständige Integration aller Kommunikationswege. Er sehe Entwicklungen voraus und versuche sie vorwegzunehmen, berichtet ein enger Vertrauter. Beispiele sind das Glasfaserkabel-Joint Venture KPN - Quest oder das Gemeinschaftunternehmen mit dem japanischen NTT Docomo-Konzern, das Mobilfunk, Internet und Inhalte verknüpfen soll. Vor wenigen Tagen holte sich Smits mit Hutchison einen dritten starken Partner, um im internationalen Wettbewerb die Nase vorne zu haben.

Dabei ist Smits Realist: "Europa und nicht die ganze Welt ist sein Spielfeld", sagt ein Mitarbeiter über den leidenschaftlichen Fan des Rotterdamer Fußballclubs Feijenoord. Um sich ganz der Strategie und Partnersuche widmen zu können, hat Smits den Vorstand vergrößert und sich vom Tagesgeschäft entlastet.

Seine vorausschauenden Fähigkeiten habe der überlegt formulierende, geschickte Verhandlungsführer schon als Chef der Unisource N.V. unter Beweis gestellt, heißt es. Das Mitte der 90er Jahre als Vorreiter geltende Bündnis von KPN, Swiss Telecom und der schwedischen Telia ist zwar inzwischen aufgelöst. Was manche Beobachter aber als Scheitern interpretieren, stellt sich für Smits ganz anders dar: Er habe früher als andere erkannt, dass Allianzen meist nicht funktionieren, sondern die Zukunft in Partnerschaften mit Beteiligungen liege, betont ein enger Mitarbeiter. Diesen Weg habe Smits mit KPN-Quest und nun auch mit NTT Docomo und Hutchison eingeschlagen.

Die Unisource-Erfahrungen haben Smits sehr geprägt. "Sie dürften eine Rolle bei den Fusionsgesprächen mit Telefónica gespielt haben. Smits ist politisches Geschacher leid und will, dass alle an einem Strang ziehen", sagt der Vertraute des KPN-Chefs. Lange verärgert konnte er kaum darüber sein, dass die angepeilte Fusion mit dem spanischen Telefónica-Konzern nicht gelang. Telekommunikation ist ein Top-Sport. Es bleibt keine Zeit, sich zu ärgern, denn das nächste Spiel folgt tags drauf - so lautet offenbar das Motto Smits . Das bewies er, als er sich mit NTT Docomo und Hutchison in der vorigen Woche auf die Gründung eines Joint Ventures einigte.

Der bescheiden wirkende Smits ist ruhig und introvertiert. Trotzdem sei er herzlich, zugänglich und strahle menschliche Wärme aus, sagen Mitarbeiter übereinstimmend. Er sei nicht dominant und kenne die Menschen in seiner Umgebung. Er will Wert für die Mitarbeiter schaffen, nicht nur für die Aktionäre. Ein Chef ohne Schwächen? Selbst ein Vertrauter, der ihn schon Jahre kennt, konnte bei dem ausgeglichenen, humorvollen Mann bislang keine ausmachen.

Sein Vorgänger Wim Dik war das Gegenteil. Der haute gerne medienwirksam auf die Pauke und zettelte Dispute an. Er galt als distanziert und autoritär, als ein Chef, vor dem einige Mitarbeiter Angst hatten. Anders als Dik bevorzugt der als kollegial eingeschätzte Smits Teamarbeit und lässt sich viel beraten. Er gilt als der im Stillen wirkender Stratege.

Entspannung findet der Familienvater, der zwischen dem Städtchen Tienhoven bei Utrecht und Den Haag pendelt, bei Jazz-Musik, dem Sammeln alter Schallplatten, der Beschäftigung mit alten Autos - und natürlich im Rotterdamer Stadion.

Susanne Bergius
Susanne Bergius
/ selbstständige Journalistin
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