Der künftige Ertrag von Immobilien ist besonders schwer einzuschätzen
Mit niedrigen Aktienrenditen planen

Wer für sich selbst oder für Privatkunden eine langfristige Finanzplanung aufstellt, muss mit bestimmten Annahmen für künftige Renditen arbeiten. Eine Umfrage bei Finanzplanern zeigt: Einige haben wegen des Börseneinbruchs ihre Prozentsätze drastisch geändert, andere überhaupt nicht.

DÜSSELDORF. Die Aktienkurse sinken und die Zweifel steigen, ob diese Anlageform tatsächlich so geeignet für die Altersvorsorge ist, wie Experten immer geglaubt haben. Und selbst wenn man grundsätzlich daran festhält, bleibt die Frage offen, wie viel Rendite denn langfristig zu erwarten ist.

Im Börsenboom wurden zum Teil noch zweistellige Renditen unterstellt. Kein Wunder: Vom 31.12.99 an über zehn Jahre zurückgerechnet erbrachte der Deutsche Aktienindex (Dax) eine durchschnittliche Rendite von mehr als 14 % pro Jahr. Von heute an zurück gerechnet bleibt etwa die Hälfte übrig. Dabei stammen die positiven Werte noch aus der Zeit vor dem Frühjahr 2001, die heute als Bubble, als reine Kursblase eingestuft wird.

Womit soll man also rechnen? Selbst kleine Unterschiede in den Annahmen haben große Auswirkungen. Wer 20 Jahre lang 100 Euro pro Monat in einen Aktienfonds einzahlt, hat bei 9 % Rendite am Ende knapp 67 000 Euro. Bei 7 % Rendite sind es nur 53 000 Euro. Wer heute seine Altersvorsorge plant - allein oder mit Hilfe von Finanzplanern - kommt also je nach Prozentsatz zu völlig anderen Werten für seine erforderliche Sparrate.

Womit rechnen die Experten? Bernd Katzenstein vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) hält an einem Wert von acht Prozent für Aktien fest, mit dem er auch bislang gerechnet hat. Seine Begründung: Gerade weil die Kurse so stark gefallen sind, ist Raum nach oben. Die Finanzplaner der Commerzbank denken in ähnlichen Größenordnungen. Sie rechnen mit fünf Prozent Wertsteigerung bis 2005, danach 6,5 Prozent, dazu kommen noch zwei Prozent Dividendenrendite.

Die Sachverständigen-Societät Vogelsang & Sachs hingegen ist vorsichtig geworden. "Für die nächsten Jahre unterstellen wir bei Aktien überhaupt keine Wertsteigerung", sagt Peter Sachs. Erst in rund zehn Jahren setzt er dann wieder optimistischere Werte von fünf bis sechs Prozent an. Wegen des Zinseszinseffektes wirken die frühen Jahre in den Simulationsrechnungen aber stärker. Unterm Strich ergibt sich für Aktien eine Rendite von weniger als drei Prozent. Mancher Anleger wird sich da fragen, warum er sich den Stress mit den Aktien antun soll. Und: Die Inflationsrate muss noch abgezogen werden.

Harald Fries von der Firma Analytika Finanzresearch, die Software für Finanzplanung erstellt, hat beobachtet, dass einige Anbieter von Fondspolicen immer noch neun Prozent Rendite bei ihren Beispielrechnungen unterstellen. "Das ist viel zu hoch", findet er. Viele Planer arbeiten nach seiner Erfahrung mit Werten von vier, sechs, und acht Prozent für Depots mit unterschiedlichem Aktien- und damit auch Risikoanteil. Zum Teil überlassen die Planer es auch dem Kunden, die Annahmen zu treffen - dann kann er sich hinterher nicht beschweren, wenn alles anders kommt.

Aktien gelten klassisch als die langfristigen Renditeturbos. Die Börsenbaisse rückt aber auch die Anleihen wieder in den Blickpunkt. Wie die Grafik zeigt, bringen sie in manchen Zeiträumen sogar höhere Renditen als Anleihen. In Szenario-Rechnungen sind sie entweder dadurch enthalten, dass ein gemischtes Depot unterstellt wird. Oder aber sie werden als eigene Anlageklasse veranschlagt. Dann gibt es auch hier die Qual der Wahl. Man kann historische Werte als Maßstab nehmen - das wären relativ hohe Prozentsätze. Oder der Trend zu niedrigen Zinsen und Inflationsraten wird als dauerhaft angesehen. In diesem Fall sollte eher das heutige Zinsniveau ein Maßstab sein. Bernd Katzenstein vom DIA zum Beispiel rechnet mit 5,5 Prozent, also etwas oberhalb des aktuellen Niveaus, die Commerzbank bis 2005 mit vier Prozent, danach mit sechs Prozent.

Am schwierigsten ist die dritte, aber für private Anleger immer noch größte Vermögensklasse einzuschätzen - der Immobilienbesitz. Vogelsang & Sachs unterstellt im Regelfall bei selbst genutzten Immobilien eine Wertsteigerung von ein Prozent, bei Ferienhäusern von null Prozent. Die Commerzbank geht davon aus, dass Immobilien in etwa stabil gegen die Inflation sind - also deutlich mehr als ein Prozent Wertsteigerung. Das Maklerhaus James Long LaSalle nennt als Gesamtrenditen für Immobilien in deutschen Großstädten in den vergangenen zehn Jahren eine Spannbreite zwischen 4,8 Prozent und 5,3 Prozent. Am oberen Ende dieser Skala lagen auch die Ergebnisse offener Immobilienfonds.

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