Der Kult um den King soll bis zu 100 Millionen Dollar einbringen
Elvis spielt immer noch viel Geld ein

Weltweit stürmte die neue CD zum Todestag von Elvis Presly die Charts. Der Erfolg wirft ein Schlaglicht auf die noch immer immense Bedeutung alter Stars für die Musikbranche.

DÜSSELDORF. Elvis lebt - zumindest auf den Musikmärkten der Welt. Bob Jamieson, Chairman der zur Bertelsmann Music Group gehörenden RCA Music Group, konnte am Mittwoch in New York verkünden, dass das neue Album "ELV1S 30#1 Hits" in 17 Ländern auf Platz 1 in die Charts eingestiegen ist. Der Durchbruch an die Spitze gelang in den USA - größter Musikmarkt der Welt - ebenso wie in Großbritannien, Kanada, Australien, Brasilien, Frankreich, Österreich oder der Schweiz. Außerdem ist es das erste Elvis Album überhaupt, das sofort nach Veröffentlichung an die Spitze der US-Charts durchstartete.

Die Elvis-Manie wirft 25 Jahre nach dem Tod des Superstars ein Schlaglicht auf die Praktiken, mit der die Musikindustrie groß werden konnte. Für gerade einmal 5000 $ hatte der unbekannte, aus armen Verhältnissen stammende Lastwagenfahrer Elvis Presley 1954 dem Mini-Plattenlabel Sun die Rechte an seinen Songs verkauft. Damals war es noch üblich, dass die Plattenfirmen diese Rechte dann unbegrenzt ausbeuten konnten. Sun wiederum verscherbelte den angehenden Superstar postwendend für 40 000 $ weiter an die RCA. Die RCA - und damit deren sogenannte "Backlist" von alten Rechten an Musikaufnahmen - wurde später von der Bertelsmann übernommen. Seitdem verdienen die Gütersloher unablässig Geld: Auch 2001 - ohne jeden Jahrestag - war Elvis die Nummer drei der meistverkauften Künstler der BMG-Backlist.

Auch Konkurrent Emi konnte im vergangenen Jahr mit einem Album aus der Vergangenheit seine Zahlen noch einmal kräftig aufbessern. Das Album "Beatles One" wurde zu einem Megaseller. Das Glück von Emi - man hatte die Rechte damals von den Pilzköpfen noch langfristig einkaufen können.

Für BMG war die Elvis Aktion auch ein firmeninternes Debüt. Es war das erste Album, das weltweit zeitgleich auf den Markt gebracht wurde und in dessen Marketing alle Teile des Konzerns - vom TV-Sender RTL über das Magazin "Stern" bis zum Verlag Random House - eingespannt waren. Bis zuletzt wurde das Design der CD geheim gehalten, um professionellen CD-Kopierern keine Zeit zur Vorbereitung zu geben. Die digital überarbeiteten Musikstücke wurden nur spärlich vorab im Radio vermarktet oder aus der Hand gegeben. Händler kritisieren allerdings, dass die CD Ende September viel zu spät nach dem eigentlichen Todestag (16. August) auf den Markt gekommen sei.

Trotzdem hofft Bertelsmann letztlich auf den ganz großen Wurf: Nach eigenen Angaben sollen durch Elvis konzernweit zwischen 80 und 100 Mill. Dollar an zusätzlichen Einnahmen generiert werden. Zwei große Musikmärkte fehlen aber auf der aktuellen Erfolgsliste des Elvis Albums: Japan (Nummer zwei der Welt) und Deutschland (Nummer vier). In Deutschland - an sich ein klassisches Elvis-Land, hier verbrachte der "King" einen Teil seiner Militärzeit - musste sich Elvis einem lokalen Urgestein der Rockgeschichte geschlagen geben. Herbert Grönemeyers Album "Mensch" erwies sich als uneinnehmbare Festung. In den ersten September-Wochen verkaufte der Bochumer Sänger und Ex-Schauspieler bereits über 1,2 Mill. Exemplare seines jüngsten Albums. Noch nie, freut sich seine Vertriebsfirma Emi, hat jemals in Deutschland ein Album so schnell die Millionengrenze übersprungen.

Roy Sengupta, Produktmanager bei BMG in Berlin, ist angesichts der übermächtigen Konkurrenz mit den Elvis-Verkäufen noch zufrieden. Es reichte zwar nur zum Einstieg auf Platz drei der Charts (auch Bon Jovi konnte sich vor Elvis behaupten), trotzdem wurden in der Woche über 300 000 Alben verkauft. Und bald ist ja Weihnachten - eine gute Gelegenheit, eine Elvis CD zu verschenken.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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