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Der kurze Marsch auf dem Weg zur Überstundengesellschaft

China, das aufstrebende Reich der Mitte, ist auf dem besten Wege, eine bedeutende Industrienation in Asien und in der Welt zu werden. Die einschneidenden ökonomischen Veränderungen machen auch vor dem Arbeitsmarkt nicht Halt.

Bei der Arbeit ist in China Umdenken gefordert. Während vor einigen Jahrzehnten noch unproduktive, überflüssige Arbeit in den Staatsbetrieben den Alltag kennzeichnete, so ist der Tagesablauf des städtischen Chinesen heute kaum noch von dem Unserigen zu unterscheiden.

Däumchendrehende Angestellte, die sich die Zeit mit häufigen Teepäuschen versüßten - und das in einem System unproduktiver Planwirtschaft -, diese Szenarien sind seit Beginn der Reformen marodierender Staatsbetriebe zunehmend von der Bildfläche verschwunden.

In Städten wie Peking, Shanghai und Guangzhou sind die sozialistisch-grauen Betonbauten längst den Wolkenkratzern amerikanischer, japanischer aber auch chinesischer Großkonzerne gewichen.

In diesen Glaspalästen wird viel gearbeitet. Frei nach dem großen Vorbild USA. Schließlich will man sich auch bald den Luxus westlicher Statussymbole leisten können, oder besser gleich das begehrte Ticket nach Übersee. Motivierte junge Manager in China streben nach oben, Frauen starten den Weg in die berufliche und finanzielle Unabhängigkeit. Um diese Ziele zu erreichen, wird die Freizeit häufig zur Nebensache.

Aber auch derjenige, der einen Arbeitstag lieber rechtzeitig im beschaulichen Teehaus bei einem Pläuschchen mit Freunden ausklingen lassen würde, sollte sich dies zweimal überlegen. Das Business ist hart, und nur wer sich beim Aufbau des Landes anstrengt, der bleibt. Freie Gewerkschaften, die für die Angestellten mehr Recht auf Freizeit rausschlagen könnten, sind politisch nicht gewollt. Dass Überstunden da nicht lauthals beklagt werden, wird insofern nicht besonders verwundern.

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