Der Länderspielvertrag ist noch nicht unterschrieben – der Fußball könnte davon profitieren
Dreieinigkeit auf Abruf

Das Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender für das Rechtepaket des DFB war sehr gut - dennoch lassen die Fußballfunktionäre ARD und ZDF zappeln. So lange deren Sportetat nicht verbraucht ist, sind die Anstalten noch potenzielle Käufer bei anderen Rechtepokern.

KÖLN. Der so genannte Länderspielvertrag zwischen ARD und ZDF sowie dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) wird zunächst noch nicht verlängert. Laut DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder war das Gespräch am Wochenende mit WDR-Intendant Fritz Pleitgen und seinem designierten Nachfolger als ARD-Chef - dem NDR-Intendanten Jobst Plog - sowie ZDF-Intendant Markus Schächter nur dazu da, den Rahmen abzustecken, nicht aber einen Vertrag abzuschließen. Dabei hieß es erst, der neue Vertrag solle vor dem Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande unterzeichnet werden.

Die Einigung dürfte kaum daran gescheitert sein, dass die Vorstellungen beide Parteien 20 Millionen Euro auseinander liegen. Der Verband hatte 400 Millionen Euro für sein Rechtepaket gefordert - neben den Länderspielen sind darin auch der DFB-Pokal, die Regionalliga und die Frauen-Bundesliga enthalten. ARD und ZDF hatten bisher etwa 370 Millionen Euro für den bis 2004 laufenden Fünf-Jahres- Vertrag gezahlt und nun 380 Millionen Euro für den Kontrakt bis 2009 geboten.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) begrüßt die Verzögerung. "Aus unserer Sicht hat es keine Eile, einen Vertrag so früh zu verlängern, der noch über ein Jahr läuft. Wir sollten erst einmal die Entwicklung auf dem Fußballrechte- Markt in den nächsten Monaten abwarten", sagte DFL-Aufsichtsrat Wolfgang Holzhäuser, Finanzmanager bei Bayer Leverkusen. Eile hatten nach seiner Meinung eher die öffentlich-rechtlichen Sender, die auch ein günstiges Klima für die Verhandlungen über die TV-Rechte an der WM 2006 im eigenen Land schaffen wollen. Holzhäuser sieht die Gefahr, dass jetzt abgeschlossener Verträge zukünftige Verhandlungspositionen des Fußballs schwächen könnten.

Schließlich wird auch schon über die Rechte an der Champions League verhandelt. Außerdem werden immer wieder Gerüchte geschürt, Sat1 wolle die Ligarechte zurückgeben. Von Seiten der DFL und des DFB wird die ARD daher als Konkurrent zu Sat 1 aufgebaut, da könnte ein hoch dotierter Länderspielvertrag die Finanzmittel binden. Und da RTL ja oft ankündigte, weniger für die europäische Königsklasse zahlen zu wollen, wird dem Kölner Privatsender Interesse an den Länderspielen nachgesagt. Laut Holzhäuser sei RTL auch am DFB-Pokal interessiert. Werden Sender-Gelder frei, die bisher an die Uefa flossen, wäre ein Engagement auf nationaler Ebene denkbar.

Doch einen Haken hätte ein Abkommen mit RTL, das nur an den Sahnestücken Länderspiele und Pokal interessiert wäre. Wer zeigt dann Bilder von der Regionalliga oder der Frauen-Bundesliga? Deshalb müsste der DFB darauf bedacht sein, die Rechte nur im kompletten Paket zu verkaufen. Doch jetzt lässt der DFB die öffentlich-rechtlichen Sender warten, dabei müssten diese die besseren Karten haben.

Der Kölner Medienexperte Professor Dietrich Leder wundert sich über die Verhandlungsführung der beiden Sender. "Ich verstehe nicht, warum sich ARD und ZDF schmoren lassen. Denn im Moment ist kein Sender bereit, groß in Fußballrechte zu investieren, eigentlich sitzen sie am längeren Hebel." Schließlich befinde sich das gesamte Finanzierungsmodell Fußball in einer großen Krise.

Während das ZDF unter Schächter in Sachen Sport einen Sparkurs fährt und die Auswärtsspiele der Nationalelf nicht mehr zeigt, geht die ARD lockerer mit den Gebühren um. Das Erste kauft fast jedes Spiel, selbst wenn es offiziell nicht auf dem Markt ist. Die Pokal-Partie Bayern München gegen Hannover 96 zeigte es entgegen aller Vereinbarungen gar mit einer Sondergenehmigung des DFB-Präsidenten Mayer-Vorfelder. Da wurden schnell zwei Millionen Euro gezahlt, um bei dem eventuellen Theater nach einer Bayern-Niederlage dabei zu sein.

Auch weitere Grundsätze wurden mittlerweile aufgegeben. In der Vergangenheit hatte sich die ARD immer darauf berufen, dass für die Radio-Übertragungen aus der Bundesliga keine Lizenzgebühren zu zahlen seinen. Jetzt bietet die ARD schon freiwillig 4,5 Millionen Euro für die Radiorechte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%