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Der lange Weg der Deutschen Telekom in die USA

Der Deutschen Telekom AG ist mit der erfolgreichen Übernahme der beiden Mobilfunkfirmen VoiceStream und Powertel der Sprung über den Atlantik geglückt.

Reuters FRANKFURT. Nach zahlreichen Rückschlägen hat die Telekom mit den Zukäufen einen großen Schritt vorwärts auf Weg zum "Global Player" gemacht. Hinter Sommer und den Konzernbeschäftigten liegen rund zehn Monate öffentlicher Kritik am Kaufpreis von zuletzt rund 38 Milliarden Dollar und langwierige Verhandlungen mit Eigentümern von US-Telekom-Firmen. Mit den Übernahmen erfüllte Sommer letztlich die Erwartungen der Analysten, die von der Telekom einen "großen Wurf" bei der internationalen Expansion des deutschen Konzerns verlangt hatten.

Beim ersten Versuch, einen großen Wurf zu landen, war Sommer 1999 mit der Übernahme der Telecom Italia gescheitert. Dieses Fiasko erhöhte den Erfolgsdruck und veranlasste den ehrgeizigen Sommer dazu, die Latte noch ein wenig höher zu hängen und in die USA zu expandieren. Einen "Global Player", einen einflussreichen und weltweit agierenden Konzern, wollte der Konzernchef nun mit dem Kauf eines Branchenunternehmens in den USA schmieden. Sommer schürte in der Folgezeit auf der einen Seite die Erwartungen: "Die Telekom wird auf Dauer in den USA mindestens so stark vertreten sein wie jetzt in Deutschland und Europa", sagte er.

Gleichzeitig bereitete Sommer die Anlegerschaft auf die hohen Kosten der US-Übernahme vor: "Wenn die Deutsche Telekom als Ganzes eine Firma ihrer eigenen Größe kaufen sollte, was sein kann, werden wir notfalls auch mal ein paar Jahre ohne Gewinn auskommen müssen." Doch die Sondierungen auf der anderen Seite des Atlantiks zogen sich hin.

Währenddessen füllte sich die Kriegskasse. Denn an den Finanzmärkten verhalfen die Euphorie über die Entwicklung einer "New Economy" und die anhaltenden Gerüchte über einen bevorstehenden Einstieg der Telekom auf dem US-Markt der Volksaktie zu beeindruckenden Kursanstiegen. Zwischen November 1999 und März 2000 legte der Kurs der T-Aktien um gut 150 Prozent zu, was den Staatskonzern Telekom mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 540 Milliarden DM zwischenzeitlich zum sechstgrößten Börsenwert der Welt und zum am höchsten bewerteten Unternehmen in Europa machte.

Als Übernahmeobjekt der Telekom galt lange der Festnetz- und Mobilfunkanbieter SprintPCS.N>, mit dem im Herbst 1999 aber keine Einigung über den Kaufpreis zu erzielen war. Die Übernahme für 129 Milliarden Dollar hatte die Telekom wegen des als überhöht empfundenen Kaufpreises ausgeschlagen. Anschließend schlugen auch die Übernahmeverhandlungen mit den Fusionspartnern Qwest und US West fehl. Eine erneute Möglichkeit zur Übernahme von Sprint im Frühsommer des Jahres 2000 nach dem Scheitern der geplanten Übernahme durch Worldcom wurde trotz des inzwischen auf rund 100 Milliarden Dollar gesunkenen Kaufpreises und positiven Analystenstimmen nicht wahrgenommen.

Denn die Verhandlungen mit dem sechstgrößten US-Mobilfunkunternehmen VoiceStream liefen bereits auf Hochtouren und wurden am 23. Juli 2000 mit einem Kaufpreis von mehr als 50 Milliarden Dollar angekündigt. Statt Lob und Anerkennung für die Übernahmevereinbarung erntete Sommer indes Kritik für das von ihm wegen der Wachstumsaussichten verteidigte Geschäft. Analysten kritisierten den Kaufpreis für das defizitäre Unternehmen als astronomisch. Die erwarteten Belastung aus dem Zukauf sorgten für zusätzlichen Druck auf den bereits wegen der nachlassenden Börseneuphorie abgestürzten Aktienkurs. Ende August legte Sommer noch einmal nach und kündigte die zusätzliche Übernahme des Mobilfunkanbieters Powertel an.

Die Zukäufe brachten den Aktienkurs unter Druck. Der Aktienkurs der Telekom-Papiere fiel seit der offiziellen Erklärung zur VoiceStream-Übernahme vor rund zehn Monaten um die Hälfte, zum im März 2000 markierten Allzeithoch hat die Aktie rund 75 Prozent an Wert verloren.

Mit dem Schritt in die USA hat die Telekom schwieriges Terrain betreten. Ins Kreuzfeuer wurde die Telekom zunächst vom demokratischen US-Senator Ernest Hollings genommen, der die Übernahmepläne wegen des großen Einfluss des deutschen Staates auf das Bonner Unternehmen letztlich erfolglos zu blockieren versuchte. Pünktlich zum Abschluss der Übernahmen wird in den USA von Aktionären eine Schadensersatzklage wegen Prospekthaftung gegen die Telekom eingereicht, die nach Analysteneinschätzung mindestens mit einer Vergleichszahlung enden dürfte.

Daneben stehen die telekom-intern als schwierig eingeschätzte Konzern-Integration von VoiceStream und Powertel in den Konzern an. Beide Firmen verfügen über zahlreiche zugekaufte Beteiligungen und einen hohen Personalbestand. Zudem muss Sommer die neuen US-Aktionäre, die ihre VoiceStream- und Powertel-Anteile gegen Telekom-Aktien getauscht haben, bei der Stange halten. Ein Verkauf von größeren Aktienpaketen könnte schnell zu einer erneuten Belastungsprobe für den Aktienkurs der Telekom werden.

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