„Der Letzte möge das Licht ausmachen“: FC Barcelona liebäugelt mit Trikotwerbung

„Der Letzte möge das Licht ausmachen“
FC Barcelona liebäugelt mit Trikotwerbung

Joan Gaspart, der vor knapp drei Monaten wegen zahlreicher Skandale und vereinsinterner Konflikte zurücktrat, wird wohl als einer der überheblichsten Präsidenten in die Klubgeschichte des FC Barcelona eingehen.

MADRID. Der Spanier an sich ist stolz. Der Katalane, so heißt es, noch viel mehr. Und wenn es um Fußball geht, dann schlägt dieser leicht in Arroganz um. Joan Gaspart, der vor knapp drei Monaten wegen zahlreicher Skandale und vereinsinterner Konflikte zurücktrat, wird wohl als einer der überheblichsten Präsidenten in die Klubgeschichte des FC Barcelona eingehen - und als einer der schlechtesten. So schreibt es zumindest die Tageszeitung "El Mundo", die auch mit dem Amtsnachfolger Enric Reyna nicht sanfter umgeht. Den "nicht gewählten Präsident" nennen sie ihn.

Bauunternehmer Reyna war unter Gaspart Vizepräsident. Er gilt als sein Amigo - schon deshalb wird er nach Ansicht vieler die für den Sommer erwarteten Präsidentschaftswahlen nicht überstehen. Es sei denn, Barça gewinnt die Champions League. Hier heißt der morgige Viertelfinal-Gegner Juventus Turin.

Der 58-jährige mehrfache Hotelbesitzer Gaspart habe den Verein zu Grunde gerichtet, heißt es in den Sportgazetten. Die Schulden trieben unter seiner Regie auf 230 Millionen Euro in die Höhe. Allein 200 Millionen Euro wurden für neue Spieler ausgeben, von denen kaum einer überzeugen konnte. Gleiches galt für die Trainer, gleich drei wurden unter Gaspart verschlissen. Die internen Streitereien in der Vereinsführung nahmen kein Ende, sechs Vizepräsidenten wurden ausgetauscht. Aber noch viel schlimmer fürs Image und die Kassen war, dass seit drei Jahren keine Titel mehr geholt wurde. In der Liga standen die Katalanen zeitweise auf dem 15. Platz, so tief, wie noch nie in ihrer 103-jährigen Geschichte. Zudem droht dem Verein auch von Seiten des spanischen Fußballverbands RFEF eine Platzsperre für das Stadion Camp Nou für zwei Heimspiele. Bei der letzten Partie mit dem Erzfeind Real Madrid hatten die Fans randaliert.

Dem gerade mal 1,65 Meter großen und wenig charismatischen wird nicht zugetraut, die Altlasten auf den schmalen Schultern zu tragen und die finanzielle Situation, wie er unlängst bei einem Pressegespräch sagte, "bis zum Sommer auszuloten". Das wird ihm wohl nur gelingen, wenn Barça bei Spieler-Einkäufen drastisch spart, was der Klub sich allerdings angesichts der mittelmäßigen Mannschaft kaum leisten kann. Zudem müsste sich Reyna endlich von dem werbefreien Trikot verabschieden. Zu beidem ist er grundsätzlich bereit: "Wir wollen keinen guten Spieler laufen lassen, aber wir wollen nur noch günstig kaufen." Einen Sponsor auf dem traditionell werbefreien Trikot hält er "für durchaus möglich". Auch "wenn es schöner wäre, alles bliebe beim Alten."

Aber Reyna ist zu sehr Unternehmer und Realist und zu wenig Fan, um zu wissen, dass es kaum einen anderen Ausweg gibt für den Verein. Angeblich wird mit möglichen Sponsoren schon verhandelt. Allerdings will er, wie es heißt, keinen Vertrag unter zwölf Millionen Euro jährlich unterschreiben. Das wäre eine Million Euro mehr als Siemens Mobile an Real Madrid überweist.

Barça hat zwar erst kürzlich wie Real den Marketingbereich als Firma ausgegliedert und zusammen mit dem Ausstatter Nike eine Strategie entwickelt, den Klub international zu vermarkten. Die erste Lizenz für den Verkauf von Fanartikeln in Japan wurde bereits an Japan Sports Vision (JSV) vergeben.

Aber das alles bringt nicht viel, wenn die Mannschaft nichts bringt. Die Regionalzeitung "El Periodico de Catalunya" beschreibt das Desaster so: "Der Verein ist eine Ruine - ohne Prestige, ohne Geld und ohne Punkte. Der Letzte möge das Licht ausmachen."

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