Der letzte weltberühmte Entdecker ist tot
Trauer um Thor Heyerdahl

In Norwegen hat der Tod des Archäologen und Völkerkundlers Thor Heyerdahl am Freitag Trauer, vor allem aber dankbare Kommentare über des Wirken des letzten weltberühmten Entdeckungsreisenden ausgelöst.

dpa OSLO/ALASSIO. Kurz nachdem die fünf Kinder und Heyerdahls Frau aus dem italienischen Alassio mitgeteilt hatten, dass der an einem Hirntumor erkrankte 87-Jährige am Donnerstagabend sanft entschlafen war, kündigte Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik in Oslo an, dass die Regierung die Kosten für das Begräbnis Heyerdahls tragen werde. Bondevik nannte Heyerdahl eine "fantastische Persönlichkeit und einen Abenteurer, der bahnbrechende Forschungsarbeit geleistet hat."

Heyerdahl war mit einem Schlag auf allen Kontinenten berühmt geworden, als er 1947 auf dem Balsafloß "Kon-Tiki" den Pazifik von Peru nach Tahiti überquerte. Solche Popularität hatte auf ähnliche Weise vor ihm zuletzt der US-Pilot Charles Lindbergh durch den ersten Atlantikflug von 1927 errungen. Wie später bei weiteren ähnlich abenteuerlichen Unternehmungen mit dem Schilfboot "Ra" und auf der "Tigris" wollte Heyerdahl durch "experimentelle Archäologie" die Stichhaltigkeit seiner völlig neuen völkerkundlichen Theorien beweisen. Die Anerkennung durch die etablierte Fachwissenschaft blieb dem in Larvik geborenen Sohn eines Bierbrauers dabei allerdings bis ins hohe Alter ganz überwiegend versagt.

Die führende Osloer Zeitung "Aftenposten" feierte den vor drei Jahren zum "Norweger des Jahrhunderts" gewählten Entdecker als "antiautoritären Weltbürger" und meinte: "Ein abenteuerliches, aber auch umstrittenes Leben auf den Weltmeeren, in mehreren Wissenschaften und in der Kulturgeschichte ist zu Ende." Die wissenschaftliche Bedeutung von Heyerdahls Expeditionen und Ausgrabungen könne noch nicht endgültig bewertet werden. Das Blatt schrieb weiter: "Sicher ist aber dies: Heyerdahl vertrat energisch eine antiautoritäre Haltung und selbstständiges Denken. Das wird als lehrreiches Erbe in der Wissenschaftsgeschichte bestehen bleiben."

Noch im vergangenen Jahr hatte der hoch betagte Skandinavier nach Auskunft seiner Familie auf ausgedehnten Reisen mehr als 70 Flüge absolviert. Heyerdahl verringerte sein Arbeitstempo auch nach einer Krebsoperation im Sommer auf der Kanaren-Insel Teneriffa nicht, wo er seit Anfang der 90er Jahre mit seiner dritten Ehefrau Jacqueline Beer lebte, einer früheren "Miss France". Zu Ostern brach die Krebserkrankung erneut aus, als sich das Paar mit Heyerdahls fünf Kindern aus den ersten beiden Ehen in dem Dorf Colla Micheri bei Alassio an der italienischen Riviera traf.

Der älteste Sohn Thor Heyerdahl jr. (63) teilte mit, dass sein Vater klar und in harmonischer Stimmung den Wunsch geäußert habe, in dem Haus in Colla Micheri zu sterben, in dem er mehr als 30 Jahre lang bis zum Umzug nach Teneriffa gelebt hatte. Eine Woche vor seinem Tod habe er schließlich erklärt, er wünsche weder weitere ärztliche Behandlung noch Essen oder Trinken. "Es ist ein Wunder, dass mein Vater danach noch so lange gelebt hat", meinte der Sohn. Am Sterbebett sei er stets von seinen Kindern und seiner Frau umgeben gewesen.

Die Familie teilte am Freitag mit, Heyerdahl werde in Oslo beigesetzt. Der Termin des Begräbnisses steht noch nicht fest.

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