Der „Machtapparat Milosevic“ ist zerschlagen: Serbien sucht Geldgeber für Gefängnisse

Der „Machtapparat Milosevic“ ist zerschlagen
Serbien sucht Geldgeber für Gefängnisse

Die serbische Regierung hat mit der groß angelegten Aktion "Sablja" (Säbel) gegen das Organisierte Verbrechen dem von Milosevic aufgebauten Machtapparat den Todesstoß versetzt und die Verquickung von Politik, Geheimdienst und Kriminellen zerschlagen.

HB/dpa BELGRAD. Fast genau zwei Jahre nach der Auslieferung des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und 17 Jahre nach Beginn seines Aufstiegs zum Diktator ist jetzt sein Herrschaftssystem endgültig zerstört worden.

Mirjana Markovic, einst die mächtige Einflüsterin ihres Mannes Slobodan Milosevic, wird per Haftbefehl gesucht. Sie soll in Moskau bei ihrem schon vor zwei Jahren geflüchteten Sohn Marko untergeschlüpft sein, der wegen vieler krimineller Machenschaften ebenfalls steckbrieflich gesucht wird. Markovic wird mit dem Mord an dem ehemaligen serbischen Präsidenten Ivan Stambolic im August 2000 in Zusammenhang gebracht. Die Leiche des früheren Förderers und späteren Rivalen von Milosevic war erst im letzten Monat in einem Erholungsgebiet entdeckt worden.

Ende März musste der langjährige Geheimdienstchef Jovica Stanisic, der mächtigste Mann neben Milosevic und mit ihm angeblich verantwortlich für eine lange Liste krimineller Taten, ebenso ins Gefängnis wie der frühere Generalstabschef Nebojsa Pavkovic. Verhaftet wurde auch Dragoljub Milanovic, der als Generaldirektor des staatlichen Fernsehens für Milosevic die Propagandaarbeit und Indoktrinierung der Bevölkerung übernommen hatte.

"Die dunkelste Etappe in der neueren serbischen Geschichte ist beendet", jubelte das Belgrader Magazin "NIN". Welcher Machtapparat das ganze Land im Würgegriff gehalten hatte, zeigt sich erst jetzt. Die Spezialpolizei "Rote Barette", die treueste Garde von Milosevic, wurde aufgelöst, 30 Angehörige kamen in Haft. Ihr stellvertretender Kommandeur, Zvezdan Jovanovic ("Die Schlange"), der am 12. März die tödlichen Schüsse auf den serbischen Regierungschef Zoran Djindjic abgegeben haben soll, sitzt im Gefängnis. Inzwischen weiß man auch, wie sich die bestens ausgerüstete Truppe finanzierte: Die 170 wichtigsten serbischen Unternehmen wurden zu Schutzgeldzahlungen gezwungen.

Stellvertretend für das Organisierte Verbrechen wurden die Drahtzieher im so genannten "Zemun-Clan" verhaftet oder sogar erschossen. Diese Mafiaverbindung hatte große Teile der Geheimpolizei ebenso auf ihrer Gehaltsliste wie Dutzende Richter, die jetzt ihrer Ämter enthoben wurden. An der Spitze dieser gekauften Justiz - sie soll Milosevic nicht nur geholfen haben, Wahlergebnisse zu manipulieren, sondern ihre Hand auch schützend über Mörder und Großkriminelle gehalten zu haben - stehen der verhaftete stellvertretende Generalstaatsanwalt Milan Sarajlic und die Vorsitzende des Obersten Gerichtshofes, Leposava Karamarkovic.

Die Behörden sehen sich an allen Ecken und Enden mit den knapp 2000 in Untersuchungshaft sitzenden Personen überfordert. Nicht einmal die Gefängnisplätze reichen aus. Nachdem bisher das Militär ausgeholfen hatte, hat sich Serbiens Justizminister Vladan Batic jetzt ans Ausland gewandt mit der Bitte um Hilfe bei der Errichtung neuer Haftanstalten. Nach der Zerschlagung des Machtapparates von Milosevic schöpfen viele heimische Medien wie auch ausländische Diplomaten in Belgrad neue Hoffnung, dass bei den Parlamentswahlen im Herbst nächsten Jahres doch noch das Fundament für ein "modernes, neues, rechtsstaatliches Serbien" gelegt werden kann.

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