Der Machtkampf um den italienischen Versicherungsriesen ist vorerst beendet: Mehr Ruhe und Transparenz werden der Generali-Aktie zu Gute kommen

Der Machtkampf um den italienischen Versicherungsriesen ist vorerst beendet
Mehr Ruhe und Transparenz werden der Generali-Aktie zu Gute kommen

Der Versicherungskonzern Generali gilt als stockkonservativ - dennoch wird der Börsenkurs des Unternehmens aus Triest häufig durch Spekulationen bewegt.

MAILAND. Grund: Generali kann mit einem Streubesitz von über 60 % theoretisch übernommen werden. Noch wichtiger aber erscheint, dass die Assekuranz seit gut drei Jahrzehnten nach Belieben von der machtbewussten und oft unberechenbaren Investmentbank Mediobanca kontrolliert wird. Diese Phase neigt sich jedoch dem Ende zu. Denn bei der Mediobanca steht nach einem heftigen Tauziehen zwischen Aktionären und Führungsetage ein Chefwechsel an; außerdem soll der undurchsichtige Führungsstil des Hauses verändert werden. Dies dürfte auch auf Generali große Auswirkungen haben.

Zunächst einmal bedeutet das Ende des Machtkampfes in der Mediobanca zwischen dem Vorstandschef Vincenzo Maranghi und den unzufriedenen Aktionären unter Führung der Geschäftsbank Unicredito Italiano auch das Ende des Kampfes um den beherrschenden Einfluss bei Generali.

Unicredito und Partner hatten seit einigen Monaten massiv Aktienpakete der Assekuranz aufgehäuft, um die Mediobanca als deren bisherigen Kontrollaktionär unter Druck zu setzen. Nachdem dieses Ziel nun erreicht ist und Maranghi scheinbar zum Rücktritt bereit ist, verliert der Nebenkriegsschauplatz für die Angreifer an Bedeutung.

Es gilt als ausgeschlossen, dass sie weitere Pakete der Generali zukaufen - geschweige denn eine Übernahme des drittgrößten europäischen Erstversicherers anstreben. Das wird dem Titel, der sich in den letzten Monaten weit besser als der Branchendurchschnitt entwickelt hat, einige Phantasie nehmen.

Mittelfristig dürften aber die positiven Folgen des Friedens in der Mediobanca auch bei Generali überwiegen. Erstens können Anleger künftig eine größere Stabilität der Gesellschaft erwarten. Mussten seit 1999 nahezu jedes Jahr auf Druck der Mediobanca Präsidenten bzw. Vorstandschefs ihre Hüte nehmen, wird jetzt die Führungsspitze unter dem Franzosen Antoine Bernheim erst einmal in Ruhe arbeiten können. Zweitens dürfte die Assekuranz künftig in größerer Unabhängigkeit ihre Strategien umsetzen.

Mediobanca besitzt zwar lediglich 13,6 % von Generali, hatte aber bislang durch allerlei Nebenabreden einen beherrschenden Einfluss auch in Fragen, die das Tagesgeschäft betreffen. Da es der Investmentbank niemals um die Schaffung von Werten für die Aktionäre ging, sondern nur um eine Maximierung ihrer Machtposition, hat Generali nicht in jedem Falle marktrationale Entscheidungen getroffen. Drittens dürfen die Investoren künftig auf mehr Transparenz hoffen. Schließlich sind Mediobancas undurchsichtige Methoden hauptsächlich verantwortlich für die schwach entwickelte Kommunikation bei Generali.

Diese kursstützenden Elemente werden flankiert von traditionellen Tugenden: starke Marktpositionen in den meisten europäischen Ländern; Wachstumschancen in aufstrebenden Ländern wie China; defensive Anlagepolitik; gute Vertriebskanäle. Gegen die Aktie spricht die hohe Bewertung und die Gefahr, die ehrgeizigen Drei-Jahres-Ziele zu verpassen.

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