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Der Manager der Zukunft

Vom Tellerwäscher zum Chef – nicht nur Hollywood träumte die Karriere des kleinen Dienstboten, der durch Tatkraft und das Glück des Augenblicks den Sprung ins Management schafft. Auch hier haben in der Vergangenheit viele Führungskräfte aus der Lehre den Durchmarsch in die Chefetage geschafft. Diese Zeiten sind vorbei.

Vom Tellerwäscher zum Chef - nicht nur Hollywood träumte die Karriere des kleinen Dienstboten, der durch Tatkraft und das Glück des Augenblicks den Sprung ins Management schafft. Auch hier haben in der Vergangenheit viele Führungskräfte aus der Lehre den Durchmarsch in die Chefetage geschafft. Diese Zeiten sind vorbei.

Denn: Die Deutschen werden immer schlauer. Im Jahr 2000 wurden rund 5,7 Millionen Beschäftigte mit einem Hochschulabschluss gezählt; das sind 16,5 Prozent aller Berufstätigen. Damit hat sich der Anteil der Akademiker seit 1990 um ein Drittel erhöht. In Führungspositionen sind sie seit eh und je stärker vertreten als in normalen Berufen.

Unabhängig davon ist der Anteil der Hochschulabschlüsse auf der ersten Führungsebene nach unseren Studien von knapp 69 Prozent im Jahr 1994 auf heute rund 75 Prozent gestiegen. Dieser Trend gilt auch für den Mittelstand, in dem der Anteil von Akademikern in Leitungsfunktionen bisher vergleichsweise gering war. Die akademische Erstausbildung wird die Regel. Und ohne zumindest eine akademische Zusatzausbildung - etwa über die Berufsakademie - ist ein Aufstieg aus der Lehre ins Management heute nicht mehr möglich.

Parallel dazu erleben wir - insbesondere durch die post-graduierten Studiengänge des Master of Business Administration - eine zunehmende Professionalisierung des eigenständigen Berufsbildes Manager mit fachübergreifenden Zugang. Große Unternehmen und Konzerne richten Corporate Universities ein. In diesen Managerschmieden werden junge Talente aus unterschiedlichen Fachgebieten konzernintern für Managementaufgaben geschult.

Solche Eliten sind gut und sinnvoll, um ein Unternehmen auf Leistungs- und Innovationskurs zu halten. Aber: Elite darf sich nicht als Wirtschafts-Aristokratie verstehen, die den Kontakt zur Wirklichkeit verliert. Entscheidungen einer realitätsfernen Managerelite, die die Bodenhaftung verloren hat, können viel Geld kosten. Viele Unternehmen haben dies erkannt und beginnen Nachwuchsführungskräfte etwa in Krankenhäusern hospitieren zu lassen, damit sie einen Blick über den Tellerrand werfen. Oder sie schicken Vorstände auf Kundenbesuch und setzen sie in Call Center.

Vor diesem Hintergrund von Akademisierung und Sozialkompetenz müssen sich auch Nachwuchskräfte pro-aktiv positionieren. Hierzu gehört es auch, sich in Anbetracht der zunehmenden Professionalisierung des Berufsbildes Manager, früh für diese Richtung zu interessieren und zu entscheiden. Wichtig bleiben - neben akademischen Qualifikationen - die gleichen Dinge wie früher: Eine gute Performance, hohes Potenzial und gute Netzwerke. Ein Einstieg führt nach wie vor über Praktika: Wer nach kurzer Zeit Akzente setzt und mit unkonventionellen Ideen überrascht, den merkt man sich. Immer gut für Ein- und Aufstieg sind erfahrene Mentoren, die den Weg weisen. Aber Vorsicht: Heute kann es durchaus passieren, dass der Mentor seinen Job und damit seinen Einfluss verliert, denn Entlassungen machen auch vor Managern nicht halt. Konsequentes und breites Networking ist ratsam.

Die unsichere Wirtschaftslage bietet auch Chancen. Zum einen waren Führungskräfte nie so offen für gute Ideen aus allen Hierarchieebenen. Zum anderen ist es eine gute Vorbereitung auf den Mangelberuf mit seinen Anforderungen an Flexibilität und Kreativität. Anstatt sich an bestimmte Rollenmuster zu klammern, muss sich der Manager heute permanent neu entwerfen und die Karriere strategisch planen. Es geht darum, nicht sklavisch den Rollen, Leitbildern und Rezepten der Vergangenheit zu folgen. Man muss permanent nach vorne schauen, unterschiedliche Szenarien bilden, Ziele festlegen und verfolgen - aber eben immer offene Augen und Ohren haben, um Veränderungen früh wahrzunehmen und flexibel darauf zu reagieren.

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