Der Mann im Hintergrund
Porträt: Gunter Thielen

Im Gegensatz zu dem "Star"-Image, das dem alles andere als öffentlichkeitsscheuen bisherigen Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Middelhoff gerne zugeschrieben wurde, gilt dessen Nachfolger Gunter Thielen mehr als Mann im Hintergrund.

ddp.vwd GÜTERSLOH. Der 59-Jährige ist zwar schon seit 1980 bei Bertelsmann, war aber in der Medienbranche bis zu seiner Wahl an die Spitze des Medienriesen eher weniger bekannt. Doch Thielen gilt als einer der engsten Vertrauten des heute 80-jährigen Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn.

So machte Mohn Thielen im Oktober 2001 zu seinem Nachfolger als Chef der Bertelsmann-Stiftung sowie der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft und damit zu einer der einflussreichsten Personen im Konzern. Denn die Verwaltungsgesellschaft hält die Mehrheit des Kapitals und kontrolliert in der Hauptversammlung die Stimmrechte.

Seine Laufbahn bei Bertelsmann begann der gebürtige Saarländer in der Konzernsparte Druck- und Industriebetriebe, wo er 1980 den Vorsitz der Geschäftsführung bei der Nürnberger Tiefdruck-Tochterfirma Maul-Belser übernahm. Damit war er gleichzeitig für den gesamten Zeitschriftendruck des Konzerns verantwortlich. Erste Erfahrungen im Management hatte der promovierte Ingenieur Thielen zuvor zehn Jahre lang beim Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen gesammelt.

Fünf Jahre nach seinem Start bei Bertelsmann stieg Thielen in den Vorstand auf und wurde Chef der Sparte Druck und Industriebetriebe, die 1996 zur Bertelsmann Industrie und 1999 dann zur Bertelsmann Arvato umfirmierte. Vor allem mit Zukäufen, Neugründungen und Beteiligungserhöhungen baute Thielen seit seinem Amtsantritt diese Konzernsparte um und erweiterte sie kräftig. So übernahm er etwa 1986 die US-Druckerei Doubleday und die Distributionsfirma VVA. Thielen baute auch das Service-Angebot aus und sicherte durch Innovationen wie die Offsetrotation die Technologieführerschaft der Mohn Media GmbH, der früheren Mohndruck.

Welche hohen Erwartungen Bertelsmann an seinen neuen Vorstandschef hat, zeigt auch die offenbare Aufhebung der traditionellen Altersgrenze im Konzern. Denn bisher mussten nach einem ehernen Bertelsmann-Gesetz die Manager mit 60 die Konzernspitze verlassen - ein Lebensjahr, das Thielen am nächsten Sonntag vollendet. Dass er nun kurz vor diesem Geburtstag das Ruder übernommen hat, scheint zu zeigen, dass er keineswegs als Übergangskandidat gilt.

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