Der Markt erwartet eine Gewinnwarnung
EM.TV erlebt turbulenten Handelsauftakt

Der Aktienkurs des Münchener Medienkonzerns EM.TV & Merchandising AG brach auf Grund von Spekulationen über eine bevorstehende Gewinnwarnung oder ernsthafte finanzielle Probleme am Dienstag regelrecht ein.

Reuters/dpa MÜNCHEN. Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Gewinnwarnung haben die Aktien des Münchener Medienkonzerns EM.TV & Merchandising AG Händlern zufolge am Dienstag belastet. Die Titel brachen am Dienstagvormittag um mehr als 20 % auf ein Jahrestief von 17,58 Euro ein. Am Nachmittag erholten sie sich etwas und notierten noch mit gut 12 % im Minus.

Am heutigen Mittwoch erlebten die Anteilscheine einen mehr als turbulenten Handelsauftakt. Nach anfänglichen Gewinnen brach der Wert bei relativ hohen Umsätzen erneut ein. Zuletzt wurden die Aktien mit einem Abschlag gegenüber dem Vortag von 5,27 % auf 19,90 Euro gehandelt. Die Kursspanne lag im frühen Handel zwischen 18,70 und 22,05 Euro. EM.TV hatten bereits an den vergangenen beiden Tagen unter Gerüchten gelitten. Börsianer begründeten den Kursrutsch vom Dienstag mit Spekulationen darüber, dass EM.TV bei der für Ende dieser Woche geplanten Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal 2000 seine Prognosen für das Gesamtjahr nach unten revidieren könnte. Fondsmanagern zufolge warfen vor allem britische Hedge Fonds die Aktien auf den Markt. Ein EM.TV-Sprecher lehnte einen Kommentar zu den Gerüchten ab. Bereits am Montag waren die Aktien zeitweise um mehr als 11 % eingebrochen.

EM.TV-Intraday-Chart

Händler hatten den Kursrutsch mit Gerüchten begründet, die "Bild"-Zeitung werde einen Artikel über eine bevorstehende Pleite des Münchener Filmrechtehändlers veröffentlichen. Die Zeitung hatte die Gerüchte allerdings dementiert und erklärt, sie recherchiere dieses Thema nicht. Der EM.TV-Sprecher hatte die Spekulationen über die Zahlungsunfähigkeit ebenfalls zurückgewiesen. In Marktkreisen hieß es, es gebe Gerüchte, dass ein US-Broker die Spekulationen über Zahlungsunfähigkeit bei EM.TV gestreut habe, um den Aktienkurs zu drücken und sich günstig einzudecken.

Händler und Analysten bezeichneten eine angeblich anstehende Pleite von EM.TV als unwahrscheinlich. "Das Unternehmen hat sicher das Geld nicht im Überfluss, aber an Liquiditätsprobleme glaube ich nicht", sagte Merrill-Lynch-Analyst Bernhard Tubeileh. "Die Erwartungen im Markt gehen eher Richtung Gewinnwarnung", fügte er hinzu. Vor allem Verkäufe von britischen Hedge Fonds hätten die Aktie unter Druck gebracht, hieß es bei den Marktteilnehmern. "Derzeit suchen sich die Hedge Fonds Titel, die sie nach unten prügeln können. Und EM.TV gehört zu den Top fünf dieser Papiere", sagte Thomas Röder, Fondsmanager bei Bank Julius Bär.

"Im Moment liegen die Nerven überall blank am Neuen Markt", begründete Oliver Rupprecht von M.M. Warburg die heftige Kursreaktion. Dazu habe EM.TV schon durch die Revision der Halbjahreszahlen einen Glaubwürdigkeitsverlust erlitten. Im Oktober hatte EM.TV seine Zahlen für die ersten sechs Monate 2000 nach unten korrigiert, weil Umsätze der US-Tochter Jim Henson Company und der Formel Eins Holding SLEC unklar verbucht worden waren. Damals waren die Aktien innerhalb weniger Stunden um mehr als 30 % eingebrochen. Zum ersten November ernannte EM.TV den früheren Lahmeyer-Vorstand Ralf Rickmeyer zum neuen Finanzvorstand, nach dem Florian Haffa auf dieser Position wiederholt in die Kritik geraten war.

EM.TV-Sprecher Michael Birnbaum wollte Gerüchte um eine bevorstehende Gewinnwarnung nicht kommentieren. "Wir arbeiten an den Zahlen für das dritte Quartal", sagte er auf Anfrage. EM.TV versuche, die Zahlen wie geplant Ende der Woche bekannt zu geben. Ende Oktober hatte EM.TV-Vorstandsmitglied Florian Haffa noch gesagt, die Jahresprognose 2000 von 1,6 Mrd. DM Umsatz und einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 600 Mill. DM sei nicht gefährdet.

Negative Überraschungen bei der Veröffentlichung der EM.TV-Zahlen für das dritte Quartal 2000 sind nach der Ansicht der Branchenexperten nicht ausgeschlossen. Allerdings seien die Zahlen wenig aussagekräftig, weil der im Frühjahr erworbene 50-prozentige Anteil an der Formel Eins Holding voraussichtlich noch nicht konsolidiert werde. Dazu werde das Ergebnis voraussichtlich durch die Kosten für Zukäufe belastet. "Die Ebit-Margen werden deutlich niedriger liegen", sagte M.M.Warburg-Analyst Rupprecht. Das sei aber nur eine kurzfristige Tendenz, das vierte Quartal sei traditionell das stärkste bei dem Medienkonzern.

Auch für WestLB-Panmure-Analystin Annelie Hoppe ist das letzte Quartal im Gesamtjahr das Entscheidende für EM.TV. "Die müssen schon noch einiges machen im vierten Quartal", sagte sie. Sonst seien die Prognosen nicht zu erreichen. "Das dritte Quartal wird sicher nicht so stark werden, es wird ganz auf den Ausblick ankommen", fügte sie hinzu.

Die Aktien von EM.TV befinden sich seit dem Frühjahr, wie auch zahlreiche andere Titel am neuen Markt, unter Druck. Die Titel liegen derzeit mehr als 80 % unter ihrem im Februar erreichten Jahreshoch von 120,00 Euro.

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