Der Markt für Bewerber ist günstig
Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für Controller

Die derzeitige Arbeitsmarktkrise geht an den Controllern spurlos vorbei. Im Gegenteil: Die Zahlenjongleure werden derzeit sogar händeringend gesucht. Denn gerade in Zeiten lahmender Konjunktur werden die Kostenkiller dringend gebraucht.

Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für Controller", weiß Ernst Heilgenthal, Headhunter und geschäftsführender Gesellschafter der Heilgenthal & Comp Management Consultant in Köln. Immer, wenn die Konjunktur lahmt, schlägt die Stunde der Kostendrücker. Während in den Personalabteilungen Entlassungspapiere für Führungskräfte aller Art vorbereitet werden, mühen sich gleichzeitig Personaler um qualifizierte Controller.

Ein schwieriges Geschäft, denn der Markt an erfahrenen Kräften ist ausgedünnt. Denn um sie bemühen sich auch Non-Profit-Organisationen, Dienstleister, Institutionen aus dem Gesundheitsbereich, selbst Stiftungen sowie kleinere und mittlere Dotcom-Firmen, die den Crash überlebt haben und sich nun gesundschrumpfen müssen. "Die Zeiten stolzer Umsatzrenditen sind vorbei, jetzt wird überall spitz gerechnet", sagt Heilgenthal. Besonders knapp sei der Markt von Kräften mit zwei bis drei Jahren Berufserfahrung.

In der Rekrutierungsabteilung der Bayer AG weiß man davon ein Lied zu singen: Das Ziel, 20 neue Controller einzustellen, wird wohl im laufenden Jahr mangels Masse verfehlt werden. Bis dato konnte nur ein Dutzend gewonnen werden. Für 2002 sind trotzdem konzernweit 25 Neueinstellungen geplant. Gefragt sind analytische Querdenker, kritische Berater des Managements und Strategen - also keine Zahlenknechte.

Spezialisten werden auch weiter gesucht sein

Der amerikanische Automobilzulieferer Johnson Controls sucht im laufenden Jahr etwa 100 Controller. "Grundsätzlich in allen Funktionen. Der Bedarf ist bei uns in den vergangenen drei Jahren unverändert hoch geblieben", sagt Head Office Controller Jürgen Reitz. Ungeheuer schwer sei es, Spezialisten (etwa Programm-, Business-Unit- oder Engeneering-Controller) zu finden. Reitz schätzt, dass sich auch in den kommenden drei bis fünf Jahren die Arbeitsmarktlage kaum entspannen wird. "Schließlich arbeiten Unternehmen und Dienstleister in allen Branchen daran, ihre Kostensituation in den Griff zu bekommen."

Auch Wolfgang Lichius, Vice President der Kienbaum Executive Consultants GmbH, notiert eine unverändert hohe Nachfrage: "Im generell abnehmenden Angebot qualifizierter Fachkräfte, ist besonders bei Controllern die Nachfrage deutlich höher als das Angebot."

Das weiß Katharina Beyling Vaubel, Leiterin des Management Recruiting bei BASF, nur zu gut: "Gute Kräfte sind äußerst rar. Mir scheint, dass die Krisenstimmung in der Wirtschaft diesen Trend noch verstärkt." Der Konzern stellte im laufenden Jahr zehn neue Kräfte ein, ebensoviele sollen es auch 2002 sein.

Dito die Erfahrung der DKV: "Der Markt ist wie leergefegt", verlautet aus der Rekrutierungsabteilung. Verschärft würde das Problem, so eine Personalerin, durch die Selbstüberschätzung vieler Kandidaten: "Jeder, der mal Berichtswesen gemacht hat, glaubt, Controller zu sein."

Controlling ist mehr als nur Kontrolle

Ein Trugschluss. Allein schon der Controller, der nur kontrolliert, ist ein schlechter: Er muss zusätzlich auch noch planen, steuern, Maßnahmen vorschlagen und umsetzen können. "Das Geld- und Kostensystem wird immer komplexer und internationaler", sagt Heilgenthal. Die Kräfte müssen in den internationalen Bilanzrichtlinien wie US-GAAP und IAS fit sein, strategisch denken und handeln können, um den komplexen Anforderungen globaler Märkte gerecht zu werden.

Finanz- und Beteiligungscontrollern komme immer mehr die Funktion eines internen Unternehmensberaters zu, der vorausschauend Trends erkennt und auf diese reagiert, wird in der Stellenmarktanalyse 2000 des Bundesverbandes der Bilanzbuchhalter und Controller (BVBC) bemerkt. Dort ist von einer Akzentverschiebung vom Registrator zum Navigator oder gar Innovator die Rede. So kommt es, dass eher studierte Controller als Praktiker (die nach einer Weiterbildung bei der IHK eine Prüfung abgelegt haben) gesucht sind.

Das kann Heike Kreten-Lenz, Geschäftsführerin des BVBC angesichts der Lage schlecht nachvollziehen: "In unseren Augen werden die Praktiker unterschätzt und unverständlicherweise bei der engen Arbeitsmarktsituation kaum berücksichtigt." Sie hofft auf eine Trendwende für die "verkannten Kräfte". Außerdem geht Kreten-Lenz davon aus, dass künftig die Berufsbilder Bilanzbuchhalter und Controller zum "Bitroller" verschmelzen werden, weil sich die Aufgaben immer weiter annäherten.

Controller kennen ihren Marktwert

An der starken Nachfrage ändere diese Entwicklung nichts. Die Anfragen verzweifelter Unternehmen bei Berufsverbänden und Vereinen häufen sich. Kein Rekrutierungsinstrument wird ausgelassen.

Suchende Firmen reiben sich, wenn sie fündig werden, manchmal die Augen: "Die Angesprochenen kennen ihren Marktwert", sagt Headhunter Heilgenthal. In Heller und Pfennig übersetzt bedeutet das: "Anfragen von Firmen, die einen Controller für weniger als 120 000 Mark Jahresgehalt suchen, weisen wir zurück. Da ist nichts zu machen", berichtet Björn Kieby von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV).

Ab 150 000 Mark sei die Sache erfolgversprechender: Durchschnittlich werden Bewerber vermittelt, die ein Salär von 180 000 Mark einstreichen. "Der Markt für Bewerber ist günstig. Bei diesem Gehaltsgefüge haben aber Mittelständler kaum Chancen, Vakanzen zu füllen. Für sie ist das ein ganz schwieriger Markt geworden", resümiert Kieby. Zurzeit zählt die ZAV 62 offene Stellen für führungserfahrene Controller, im Vorjahr waren es gerade 33. Die recht hohe Fluktuation tut ein übriges. "Der Job ist eine Durchlaufstation", sagt Heilgenthal. Nach zwei bis drei Jahren steigen Controller häufig zum Leiter Rechnungswesen und dann zum kaufmännischen Leiter auf.

Für Personalsuchende gibt es daher nur eins: schnell zugreifen. Ein Zaudern und Warten auf eine möglicherweise noch bessere Kraft kann sich kaum noch jemand leisten. Headhunter Heilgenthal: "Die Guten haben zwei, drei weitere Angebote. Wer da abwartet, für den ist der Zug schnell abgefahren."

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