"Der Markt ist jetzt richtig reif"
Deutsche Luxusautos in China

China ist anders, das steht für Michael Dunne fest. Seit einem Jahrzehnt verfolgt der Autoexperte das Geschehen auf den Märkten Asiens. China sei kaum berechenbar, ist seine Erkenntnis, die Konsumenten des Landes kauften Autos scheinbar je nach Lust und Laune.

dpa-afx SCHANGHAI. Doch ein paar verlässliche Charakteristika meint der Chef der Auto Resources Asia auch bei Chinas rätselhaften Kunden entdeckt zu haben. "Außergewöhnlicher Reichtum ist nicht ungewöhnlich", lautet eines davon. Schon in diesem Jahr habe jeder vierte Autokäufer Chinas einen Wagen in der Preisklasse über 30 000 US-Dollar erworben.

Während viele Autohersteller das preiswerte Familienauto als das ideale Modell für China propagieren, sind es daher gerade auch die Anbieter von Luxuswagen, die sich das große Geschäft versprechen. "Man kann jetzt zeigen, dass man Geld hat", freut sich Günther Seemann, Leiter der China-Aktivitäten von BMW, über das günstige Verkaufsklima für Nobelkarossen. Im Vorjahr setzten die Münchner in China 3 750, in diesem Jahr schon etwa 5 000 Import-Wagen ab.

Bislang jedoch hemmen beschränkte Importlizenzen das weitere Wachstum. Aber Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO, der schon von 2002 an die horrenden Einfuhrzölle für Autos deutlich senken und bis 2006 auf 25% reduzieren soll, beflügelt nicht nur den Optimismus der BMW-Chefetage. Mit der Brilliance China Automotive Holdings plant BMW im Nordosten Chinas eine gemeinsame Produktion. Noch steht die Genehmigung aus, aber 2003 soll der erste Wagen vom Band laufen. "Der Markt in China ist jetzt erst richtig reif, um unsere Produkte zu verkaufen", ist Seemann überzeugt.

Volkswagen ging schon früh nach China

Bei Mercedes-Benz wird die Zuversicht der Münchner Autobauer geteilt. "Wir sehen hier einen hochinteressanten Markt", meint Karlheinz Michel, Präsident der Mercedes-Benz China. Auch wenn die Preise für die importierten Modelle in diesem Jahr, dem letzten vor Chinas WTO-Mitgliedschaft, noch zwei- bis zweieinhalb Mal so hoch waren wie laut Listenpreis in Deutschland, verkaufte Mercedes-Benz in China und Hongkong zusammen etwa 8 000 Wagen. Im Vorjahr waren es nur 5 500. Wohl 70 000 Edelkarossen von Mercedes-Benz seien auf Chinas Straßen schon unterwegs, schätzt Michel. Ob bald eine Produktion vor Ort kommen wird, lässt er offen. "Wir überprüfen jährlich die Entwicklung", sagt Michel, "auch gerade wieder."

Für die Autoherstellung in China hat sich die Volkswagen-Tochter Audi schon frühzeitig entschieden. Seit zehn Jahren werden beim Joint Venture mit der First Automotive Works (FAW) im nordchinesischen Changchun Autos mit deutschen Know-how produziert. Rund 28 300 lokal gefertigte Audi A6 wird FAW-VW in diesem Jahr verkaufen, 80 % mehr als ein Jahr zuvor, sagt Markus Schrick, Verkaufsleiter für Asien-Pazifik. Damit beherrsche Audi, ein wichtiger Lieferant für Behörden und Regierungsinstitutionen, fast ein Drittel des Marktes der gehobenen Klasse ab 300 000 Yuan, etwa 80 000 DM, aufwärts. Der Import habe sich auf 800 Wagen mehr als verdoppelt.

Ziel für Audi sei, trotz der wachsenden Konkurrenz nach dem WTO - Beitritt Chinas den Marktanteil mindestens zu halten. "Mit dem Vorsprung, den wir haben, sollte das wohl auch möglich sein", meint Schrick. Sorgen machen sich die Ingolstädter deshalb auch weniger um den Absatz, als vielmehr um das Ansehen ihrer Marke. Zwar sei die Qualität der lokalen Fertigung auf dem weltweiten Stand, versichert der Audi-Manager. Doch einige chinesische Kunden bevorzugten aus Prestigegründen das teurere Importmodell. "Diesen Imageunterschied wollen wir in zwei Jahren eliminieren", sagt Schrick.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%