„Der Markt ist überfinanziert“ – Weiter ausbleibende Börsengänge
Wagniskapital-Experten fürchten Biotech-Pleiten

Im Wagniskapitalmarkt geht die Angst vor einer neuen Pleitewelle von Biotechnologiefirmen um. "Die Blase im Venture-Capital-Markt besteht noch, die Gefahr hoher Ausfallraten ist groß", sagt Jürgen Schaaf, Branchenexperte bei Deutsche Bank Research. Da kaum noch jemand in früher favorisierte Technologien wie das Internet investieren wolle, gehe viel Liquidität in junge Biotech-Firmen. Der Markt sei überfinanziert, bei weitem nicht alle Rechnungen würden aufgehen, sagt ein international anlegender Risikokapitalgeber.

FRANKFURT/M. "Viele Beteiligungen sollten schon längst an der Börse sein. Jetzt werden die Nachfinanzierungen der klinischen Erprobungen aber sündhaft teuer."

Nach dem vierteljährlichem VC-Panel der Münchner Unternehmensberatung Mackewicz & Partner entfiel auf die Biotechnologie im letzten Quartal 2002 mit knapp 60 Prozent der Löwenanteil der Investitionen. Bei einem Gesamtvolumen von 311 Mill. Euro (Vorquartal: 360 Mill.) gingen 182 Mill. Euro in Biotech-Firmen, an zweiter Stelle folgte mit weitem Abstand die IT-Hardware-Branche mit nur 33,7 Mill. Euro. In die Internet-Infrastruktur gingen beispielsweise nur noch 800 000 Euro. Das VC-Panel im Auftrag der VDI-Nachrichten und des Handelsblatts deckt rund 80 Prozent der Wagniskapitalfirmen in Deutschland ab.

"Die Gefahr einer Biotech-Blase ist beim gegenwärtigen Börsenklima durchaus gegeben", sagt Uwe Fleischhauer von Mackewicz & Partner. Dazu passe auch, dass im vierten Quartal der Anteil der Folge- investments auf den Rekordwert von 86 Prozent gestiegen sei. Viele Firmen stünden jetzt vor der Alternative, entweder die Reißleine zu ziehen oder weitere Folgeinvestitionen mit ungewissem Ausgang zu tätigen. "Der Abbau der Blase dauert bei den vorbörslichen Beteiligungen viel länger als an der Börse selbst", sagt Schaaf von der Deutschen Bank. Wegen der längeren Haltedauer der Beteiligungen in den Portfolios baue sich Druck auf die Renditen auf. Vor allem die jungen VC-Gesellschaften seien in Gefahr, unter die Räder zu kommen. Immerhin rund 50 Prozent der aktiven Wagniskapitalgeber seien erst seit 1997/98 am Markt. Hanns-Peter Wiese, Partner beim Beteiligungsfonds Global Life Science Ventures, sieht die Marktbereinigung noch in vollem Gang.

Aber selbst wenn sich der "Exit-Kanal" Börse öffnet, wären nicht alle Probleme gelöst, denn rund die Hälfte der VC-Firmen hat nach eigenen Angaben momentan gar kein börsenreifes Investment im Bestand. Drei Viertel der im VC-Panel befragten Firmen glaubt, dass Börsengänge frühestens 2004 oder 2005 möglich sein werden. Insgesamt ist der Markt weiter in keiner guten Verfassung: Nach dem VC-Panel brach das Beteiligungsvolumen im vergangenen Jahr nochmals ein, und zwar um insgesamt 50 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro.

Quelle: Handelsblatt

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