Der Markt-Monitor
Achtung, Quartalssaison!

Als bereite die Finanzkrise den Märkten nicht genug Sorgen, starten die amerikanischen Konzerne jetzt auch noch ihre Berichtssaison für das dritte Quartal. Die Prognosen sind düster, womöglich aber sogar noch zu optimistisch.
  • 0

Das ging ja schon mal gründlich daneben: Ziemlich überraschend hat die Bank of America gestern nach Börsenschluss die Bilanzsaison in den USA eröffnet. Und das mit enttäuschenden Zahlen. Dabei galt doch die größte US-Bank bisher eigentlich als einer der Profiteure der Finanzkrise, hatte fleißig zugekauft. Jetzt jedoch braucht auch das Vorzeigeinstitut neues Kapital und halbiert die Dividende.

Was aber heißt das für die anstehende Flut von Quartalszahlen in den USA und später auch in Europa? Man muss kein Prophet sein, um für die Finanzkonzerne weitere Belastungen vorherzusagen. Schlimmer ist jedoch, dass es auch in anderen Wirtschaftsbereichen zunehmend düster aussieht. Wie düster, könnte sich schon heute abend zeigen, wenn der weltgrößte Aluminiumkonzern Alcoa - eigentlich der traditionelle Zahlenvorreiter an der Wall Street - seine Zahlen vorlegt. Die Vorzeichen sind mies: Gestern verlor die Alcoa-Aktie zeitweise 13 Prozent und damit so viel wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Das passt zu den Prognosen von Experten: Sie sagen für Industrieunternehmen in den USA und Europa den stärksten Gewinneinbruch seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 voraus. Und während die Gewinne sinken, steigen auf der anderen Seite die Refinanzierungskosten für die Konzerne. Das bereitet den Boden für eine tiefere Krise.

Eins ist klar: Die Rezessionsängste, die an den Börsen zurzeit grassieren, sind alles andere als unbegründet. Die Quartalssaison wird in dieser Hinsicht neue Hiobsbotschaften bringen. Viele Konzerne dürften hinter den Erwartungen zurück bleiben - auch deshalb, weil sie das Krisenumfeld nutzen werden, um jetzt zusätzliche Belastungen in die Bilanzen zu packen.

Die Hoffnung, die sich damit verbindet, ist die, dass die Berichte für das dritte Quartal bereits einen Tiefpunkt des Abschwungs darstellen könnten und es anschließend wieder aufwärts geht. Eine solche Prognose ist allerdings gewagt, da im Moment noch niemand absehen kann, wie stark die Rezession einschlagen wird und wie lange sie dauert. Sicherer scheint dagegen die Vorhersage, dass den Märkten weitere Belastungen bevorstehen werden. Die Erholung im Dax zum Handelsstart war etwas Balsam für die Seele der Anleger – mehr nicht. Schon eine Stunde nach Handelsauftakt fiel der Leitindex wieder zurück.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%